Los 1131
Reuchlin, Johannes
(1455-1522)De rudimentis hebraicis
Schätzung
12.000€ (US$ 13,793)
Abgabe von Vorgeboten möglich
Aus dem Katalog
Alte Drucke, Theologie, Orientalia
Auktionsdatum 6.10.2026

Aus dem Katalog
Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026


Reuchlin, Johannes. De rudimentis hebraicis. 1, 621, 1 S., 2 Bl. (mit dem zusätzlichen halben Einschaltblatt S. 589/90). Mit großer Holzschnitt-Druckermarke am Schluss und großem, halbseitigem koloriertem Wappenholzschnitt, vereinzelter Rubrizierung mit roten und blauen Initialen und Alineazeichen. 28 x 20,5 cm. Blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (stärker berieben und vor allem an den Ecken bestoßen) über vier Doppelbünden und auf abgefasten Holzdeckeln (ohne die Schließen). Pforzheim, Thomas Anshelm, 1506.
VD16 R 1252. Adams R-383 od. R-384. Proctor 11754. Panzer VIII, 228,9. Benzing, Reuchlin 90. Knaake II, 920. – Erste Ausgabe des berühmten Werks Johannes Reuchlins (1455-1522) zur Erlernung der hebräischen Sprache in einem besonderen Exemplar: Die zahlreichen handschriftlichen Anmerkungen zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Werk. Die gleichmäßig eingemalten Initialen in Druck und Handschrift belegen die planmäßige Entstehung des Kodex. Der Wappenholzschnitt ist sorgfältig altkoloriert. Obwohl das Werk in lateinischer Sprache angelegt ist, läuft die Blattzählung von rechts nach links, wie bei hebräischen Büchern. Das handschriftliche Register A-Z läuft dagegen von links nach rechts.
Reuchlins "De rudimentis hebraicis" gilt als grundlegend für die christliche Hebraistik und wurde unter anderem auch von Martin Luther benutzt. Auch druckgeschichtlich ist das Werk bedeutend, weil es als das erste mit beweglichen hebräischen Lettern gedruckte Buch im deutschen Sprachraum gilt. Der Drucker Thomas Anshelm erscheint 1488 in Straßburg als Drucker, wechselte 1496/ 1500 nach Pforzheim, 1511 nach Tübingen und 1516 schließlich nach Hagenau, wo er wohl bis 1522 druckte. 1523 übernahm Johann Setzer seine Druckerei. Thomas Anshelm gilt neben Johannes Froben als der bedeutendste humanistische deutsche Buchdrucker (Schottenloher, NDB 1, 1953, S. 312).
Der altkolorierte Holzschnitt zeigt das Wappen Reuchlins, welches ihm von Kaiser Friedrich III. bei der Erhebung in den Stand eines Hofpfalzgrafen verliehen wurde. – Spiegel und Vorsätze mit zahlreichen zeitgenössischen und frühen hs. Einträgen, weitere zahlreiche zeitgenössische Marginalien, Unterstreichungen und Anmerkungen passim im Text. Das Vordergelenk mit Makulaturstreifen aus einem Manuskript des 13. Jahrhunderts. Der Buchblock zu Beginn und am Schluss leicht fleckig, teils mit leichtem Feuchtrand. Letzte Blätter mit größerem Wurmgang im Bundsteg, ohne Textverlust. Kleines Wurmloch im Holzschnitt. Zwei Textblätter mit Einriss, ein Textblatt mit Fehlstelle im weißen Fußsteg. Einband mit zeitgenössischem zehnzeiligem hs. Eintrag auf dem Vorderdeckel (weitestgehend unlesbar).
Vorgebunden wurden 42 Blätter, davon 21 mit einem vierspaltigen, rund 50-zeiligen lateinischen Register A-Z mit ca. 8.000 (!) Einträgen in einer sehr ebenmäßigen und sauberen zeitgenössischen Handschrift. Dieses Register wurde von gleicher Hand wie der gedruckte Text mit rot und blau eingemalten Initialen versehen, war also noch vor der Bindung integraler Teil des Buches. Die weiteren Blätter enthalten ein unvollständig gebliebenes lateinisches Register unter hebräischen Kapitelbuchstaben von einer anderen frühen Hand.
Zur Provenienz: Das vorliegendes Exemplar stammt aus dem humanistischen Umfeld des frühen 16. Jahrhunderts, eventuell sogar aus dem direkten Umkreis Reuchlins. Eine wissenschaftliche Untersuchung der handschriftlichen Enträge führt möglicherweise zu einer genaueren Zuschreibung. Unter den zahlreichen Einträgen befindet sich auf dem vorderen Spiegel ein etwa halbseitiger Text unter dem Titel: Ad hebrey lingua studiu(m) exhortatio (Eine Ermahnung zum Studium der hebräischen Sprache). Danach sind zwei Besitzer nachweisbar: M. Christopher Vogel, Theologiestudent, Weißenfels/ Meissen 1664 und C. D. Haßler, Theologiestudent aus Degenfelde-Wartenberg, Leipzig 1822 (beide hs. Einträge auf dem Titel).
Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin
Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr
Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com
Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge
Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin
Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr
Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com
Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge