Los 1112
Medina, Pedro de
(1493-1567)L'Art de naviguer de maistre Pierre de Médine,
Schätzung
32.000€ (US$ 36,782)
Abgabe von Vorgeboten möglich
Aus dem Katalog
Alte Drucke, Theologie, Orientalia
Auktionsdatum 6.10.2026

Aus dem Katalog
Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026


Medina, Pedro de. L'Art de naviguer de maistre Pierre de Médine, Espaignol: contenant toutes les reigles, secrets, & enseignemens necessaires, à la bonne navigation. Traduit de castillan en françoys, avec augmentation et illustration de plusieurs figures et annotations, par Nicolas de Nicolai, du Dauphiné, Geographe du tres-Chrstien Roy Henri II. 6 nn.,115 num., 1 w. Bl. Mit großer Holzschnitt-TVignette. zahlreichen 5-8-zeiligen Holzschnitt-Vignetten, darunter 9 großen szenischen, 2 Holzschnitt-Kopfstücken und 82 Textholzschnitten, teils mit figürlichen Schemata, teils mit Darstellungen, sowie zahlreichen typographischen Tabellen. 32 x 22 cm. Reich blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (etwas beschabt und berieben, leicht fleckig) über 4 Bünden mit schweren, abgefasten Holzdeckeln und 1 (von 2) punzierten Messingschließen. Lyon, Guillaume Rouille, 1554.
STC 308. Adams M 1027. Europaean Americana 554, 44. Palau 159669. Burden 19. Sabin 47345. Baudrier IX, 216. – Erste französische Ausgabe, im zweiten Druck mit der Jahreszahl "1554" auf dem Titelblatt (statt wie "1553" im ersten). In acht Teile "Livres" gegliedert, handelt es sich um das erste zuverlässige Werk über die professionelle Navigation in der Seefahrt. Der Entdeckungsreisende, Seefahrer, Mathematiker, Historiker, Kosmograf und Kartograph Pedro de Medina (1493-1567) gehörte zu den bedeutendsten spanischen Gelehrten. Mit seiner zuerst in spanischer Sprache veröffentlichten "Arte de nauegar", Cordoba 1545, begründete er die maritime Wissenschaft der Neuzeit.
Die hohe Kunst der Navigation gehörte zu den am stärksten gehüteten Geheimnisse der Spanische Krone, begründete sie doch über Jahrhunderte die Vormachtstellung Spaniens sowohl im Handel wie bei militärischen Operationen - und ganz konkret bei der Eroberung und Kolonialisierung neuer Gebiete. Der "Arte de nauegar" und speziell dem vorliegenden 2. Druck der französischen Erstausgabe kommt hier eine besondere Bedeutung zu, erlaubte sie doch erstmals anderen Nationen, das geheime Wissen der "Casa de Contratación" in Sevilla den Höfen ganz Europas zugänglich zu machen, was nicht zuletzt zur Stärkung der konkurrierenden Staaten wie England führte, das bekannterweise ab 1588 zur neuen See- und Weltmacht werden sollte.
Vorgestellt wird die für die Navigation notwendige Technik, die Instrumente, die Mathematik für die Berechnung der Position wie der Routen. Bauweise, Funktionsweise und Nutzung von Kompass, Jakobsstab, Sonnenuhr, das Lesen der Gezeitentabellen und der Navigation nach den Sternen werden ausführlich und anhand von den zahlreichen eingedruckten Holzschnitten erläutert. Die Erklärungen waren dermaßen exakt, dass sogar der Flibustier Sir Francis Drake stets ein Exemplar der französische Ausgabe von 1554 bei allen seinen Weltreisen bei sich trug.
Die Übertragung ins Französische leistete der "géographe et valet de chambre du Roi de France" Nicolas de Nicolay (1517-1583), Hofgeograph Heinrichs II. Während die Holzschnitte teils diagrammartige Darstellungen mit Bezugspunkten, Zirkelkreisen etc. zeigen, sind einige sehr schön figürlich und andere szenisch ausgeführt. Von großer Seltenheit (da meistens herausgetrennt) ist die doppelblattgroße gestochene Faltkarte die ebenfalls von Nicolay stammt und hier ebenfalls in der maßgeblichen Version von 1554 vorliegt. Sie zeigt die Welt aus der Perspektive des Atlantik, rechts Europa und Afrika, links Amerika als "Nouveau Monde", unten links bezeichnet "Par N. Nicolaj du daulphine Géographe du Roy". – Vorsatz und die ersten Lagen mit kleinem Feuchtigkeitsschaden in braunem Wasserrand, Ausbrüche des weißen Randes und Einrisse abnehmend über die ersten vier Blätter, Titel mit nahezu unsichtbarer, unlesbarer ovaler Stempelrasur, etwas finger- und braunfleckig, die Bordüre ohne Darstellungsverlust. Fünf Blätter mit größerem unschönen Ausschnitt am oberen Rand (jeweils ca. 6 x 20 cm, wohl Ausschnitt der Holzschnitt-Kopfstücke, Textverlust recto und verso): betroffen sind die Blätter a1, d2, A2, C1 und D4, sonst meist nur kleinere Einrisse. Einige Feucht- und Braunflecke. Die hübsche Atlantikkarte mit Eckeinriss von rechts (nur ganz minimal bis in die Darstellung), leicht feuchtrandig, in der Darstellung bemerkenswert schön und wohlerhalten. Insgesamt bis auf die Ausschnitt ein sehr ordentliches Exemplar dieses überaus seltenen Drucks.
Provenienz: Aus österreichischen Privatbesitz. Kein Eintrag in bei Lostart, Art Loss Register und Missing Books Register (Stand 27-08-26). – Nachgebunden sind weitere Werke von dem Lyonneser Drucker Guillaume Rouille: 1) (Guillaume Du Choul). Des Bains et antiques exercitations grèques et romaines. 20 num., 6 nn. Bl. (le. w.). (Ebenda 1555). - 2) Derselbe. Discours sur la castrametation et discipline militaire des Romains. 33 (statt 55) S., 1 w. Bl. (Ebenda 1556).- Fehlen mehrere Blätter, Fol. 7, 8, 10, 11, 13-21, 25-30, 35, 36, 38-42, 44, 47-50, 52 mit entsprechenden Illustrationen. - 3) Derselbe. Discours de la Religion des Anciens Romains". 312 S., 28 Bl., (le. w.). Mit Hunderten von kleineren und zahlreichen großen Textholzschnitten. (Ebenda 1556). - Ein größerer Einriss, ein Ausschnitt (Textverlust), sonst vollständig, minimal feuchtrandig, kaum fleckig.
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