Los 6749

Haas, Leo
(1901 Troppau (Opava) - 1983 Ost-Berlin)Der Rattenfänger auf einem Totenschädel

Schätzung
600€ (US$ 682)

Abgabe von Vorgeboten möglich

Los 6749 - Haas, Leo - Der Rattenfänger auf einem Totenschädel - 0 - thumb

Aus dem Katalog
Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts
Auktionsdatum 5.6.2026

Lot 6749, Auction  127, Haas, Leo, Der Rattenfänger auf einem Totenschädel

Der Rattenfänger auf einem Totenschädel.
Feder in Schwarz, hellbraun und grün aquarelliert, auf Velin. 22,5 x 15,8 cm. In der Darstellung unten rechts signiert "Leo Haas", außerhalb der Darstellung unten rechts signiert und datiert "LeoHaas / 1930".

Der Rattenfänger lockt auf seiner Schalmei spielend die ersten neugierigen Nager herbei. Die Szenerie zeigt aber nicht, wie er die Plagegeister aus der Stadt führt, vielmehr sitzt er auf einem riesigen Schädel auf einem Hügel weit über der Stadt. Was auf den ersten Blick wie eine Buchillustration wirken mag, kann aber, kennt man die Künstlervita, auch anders gedeutet werden. Der einer bürgerlichen jüdischen Familie entstammende Maler, Grafiker und Pressezeichner Leo Haas studierte von 1919 bis 1922 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und anschließend bei Emil Orlik und Willy Jaeckel in Berlin. Ab 1926 bis 1938 arbeitete er für verschiedene Illustrierte und als Karikaturist in Wien und in seiner Heimatstadt Opava in der Tschechoslowakei. Weil er deutschen Kommunisten bei der illegalen Überquerung der Grenze geholfen hatte, wurde er 1939 verhaftet und zu Zwangsarbeit verurteilt. Im September 1942 schließlich wurde er zusammen mit seiner Frau in das KZ Theresienstadt deportiert. Haas wurde dort dem Zeichnersaal der technischen Büros unterstellt und musste u.a. Baupläne und Zeichnungen für Propagandamaterial anfertigen. Dem dortigen Künstlerkreis um Bedřich Fritta gelang es, unzählige Werke über den unmenschlichen Lageralltag ins neutrale Ausland zu schmuggeln. Als einer der wenigen Überlebenden verarbeitete Haas, dessen Leidensweg ihn auch in die KZs Sachsenhausen und Auschwitz geführt hatte, das Erlebte und Erlittene nach 1945 in umfangreichen Grafikfolgen. - Liest man die Datierung unseres Blattes "1930", dann drängt sich, nicht zuletzt aufgrund des riesigen Schädels, eine eher allegorische Lesart der Sagengestalt auf. Mit dem Scheitern der Minderheitsregierung des Reichskanzlers Heinrich Brüning und der Auflösung des Reichstags im Juli sowie der Ansetzung von vorgezogenen Neuwahlen für den 14. September 1930 durch Reichspräsident Hindenburg, kam es bei diesen zur Katastrophe für die Demokratie. Die NSDAP, noch 1928 mit 2,6 Prozent eine Splitterpartei, erzielte 18,3 Prozent, konnte die Zahl ihrer Sitze fast verneunfachen und stellte ab jetzt die zweitstärkste Fraktion im Reichstag. So läßt sich die Darstellung von Leo Haas auch als Warnung vor dem „braunen Rattenfänger“ lesen, eine damals unter Kommunisten und Sozialisten durchaus verbreitete Bezeichnung, die aber auch heute wieder zum Grusel Anlaß geben kann.

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.


Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr

Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com

Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge


Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr

Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com

Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge