Los 6674
Bresdin, Rodolphe
(1825 Ingrande - 1885 Sèvres)Phantastische mittelalterliche Stadt mit Kathedrale
Schätzung
15.000€ (US$ 17,045)
Abgabe von Vorgeboten möglich
Aus dem Katalog
Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts
Auktionsdatum 5.6.2026


Phantastische mittelalterliche Stadt mit Kathedrale.
Schwarze Feder auf hellbraunem Transparentpapier, auf dünnem Karton kaschiert. 8,4 x 13 cm. Unten mittig signiert und datiert "Rodolphe Bresdin 1865", abermals signiert auf der Mauer des Hauses vorne rechts, verso auf dem Passepartout ein altes Papierfragment mit Federannotation "Ce dessin à la plume de Rodolphe Bresdin dit 'Chien-Caillou' a appartenu à J. K. Huysman qui l'a légue à son ami Georges Landry".
Die schwarze Linie beschreibt in den Zeichnungen und Drucken des enigmatischen Grafikers Rodolphe Bresdin mehr als nur Konturen und Formen. In dichten und zugleich filigranen Gefügen entwickelt sie ein Eigenleben voll suggestiver Kraft. Zwischen Romantik und Symbolismus, Phantastik und Mystizismus oszillierend, sind die daraus resultierenden Traumbilder im Kunstpanorama der Zeit einzigartige Schöpfungen, die sich gängigen Zuordnungen entziehen. Erfolg war Bresdin damit zu Lebzeiten jedoch nicht beschieden. Obgleich sich ein kleiner Kreis von Bewunderern um ihn bemühte, darunter vor allem ihm geistig verwandte Schriftsteller wie Charles Baudelaire, Théodore de Banville und Victor Hugo, war er weniger als Grafiker, denn als „celebrité de la rue", als eigenwilliger Einzelgänger und Bohemien unter all jenen bekannt, die das Exzentrische schätzten. Erst 1908 wurde sein Werk durch eine Retrospektive dem breiten Publikum bekannt. Heute gilt er als visionärer Künstler und einer der ideellen Vorläufer surrealistischer Strömungen.
Bresdin besuchte keine Akademie und schulte sich autodidaktisch an den Blättern nordalpiner Renaissance-Meister. Die Vorbildfunktion alter Kunst ist auch in unserer Zeichnung evident, deren grafischer Duktus mit den vorherrschenden Parallellinien stark an Dürers Eisenradierungen erinnert. Wie für Bresdin üblich, ist sie mit feiner Feder auf transparentem Papier ausgeführt. In seiner künstlerischen Praxis spielen das Übertragen und Überarbeiten von Kompositionen eine wichtige Rolle, weshalb dieses Papier (franz. papier calque) im gezeichneten Œuvre vorherrscht.
Die detailreich herausgearbeitete Stadt ist ein reines Phantasiegebilde, vielleicht ein Echo mittelalterlicher Orte wie Montrelais, dem Städtchen an der Loire, in dessen Nähe Bresdin aufwuchs. Eine weitere Version der Komposition, ebenfalls 1865 datiert, wurde 2019 in Frankreich versteigert. Eng verwandt mit diesen beiden Blättern ist eine Reihe von weiteren Stadtansichten aus den 1860er Jahren, etwa in der Bibliothèque Nationale in Paris (Inv. Reserve EF-362 (1)-FOL) und dem Metropolitan Museum in New York (Inv. 51.504.55).
Zeichnungen von Rodolphe Bresdin sind auf dem Kunstmarkt selten, da sich viele Blätter heute in musealem Besitz befinden. Dort verwahrte Werkkomplexe stammen meist aus den Sammlungen von Freunden und Förderern, die den mittellosen Künstler durch Ankäufe unterstützten oder die Blätter von diesem als Present erhielten. Aus solchem Besitz kommt auch unser Werk, das laut anliegender Annotation dem Romancier und Kunstkritiker Karl Joris Huymans gehörte. In dessen schriftstellerischen Unternehmungen nahm die kritische Auseinandersetzung mit der Kunst seiner Zeit eine herausragende Stellung ein. Seine Verehrung für Bresdins Kunst verewigte Hyusmans in Form einer furiosen Beschreibung der berühmtesten Radierungen des Künstlers im Roman À rebous aus dem Jahr 1884.
Provenienz: Laut Annotation aus der Sammlung bzw. dem Nachlass des Schriftstellers Joris-Karl Huysmans (1848-1907), Paris.
Von diesem vermacht an den Freund Georges Landry.
Hauswedell & Nolte, Hamburg, Auktion am 8. Dezember 2001, Los 492.
Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.
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