Los 6622
Kersting, Georg Friedrich
(1785 Güstrow - 1847 Meissen)Bildnis des Dresdener Theologen Franz Volkmar Reinhard im Lehnstuhl, lesend
Schätzung
4.000€ (US$ 4,545)
Abgabe von Vorgeboten möglich
Aus dem Katalog
Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts
Auktionsdatum 5.6.2026


Bildnis des Dresdener Oberhofpredigers D. Franz Volkmar Reinhard, lesend.
Graphit auf Velin, verso teils geschwärzt. 20,2 x 16,9 cm. Unten rechts in Bleistift schwer leserlich signiert "G. K... f", darüber von fremder Hand in schwarzer Feder "G. Kersting fec. Dresdae (1)816", verso in schwarzer Feder von derselben fremden Hand bez. "Reinhardt / Theolog. aus Dresden / starb (1)812. / Hacker und Boetger schreiben von ihm" [= Johann Georg August Hacker (1762 od. 1758 - 1823): Worte an Reinhards Grabe (Leichenpredigt für Franz Volkmar Reinhard),1812; Carl August Böttiger (1760-1835): D. Franz Volkmar Reinhard, gemalt von Georg von Charpentier, Dresden: Verlag d. Arnoldische Buch- und Kunsthandlung, Dresden 1813]. Wz. Honig.
Kerstings Zeichnung stellt den Oberhofprediger D. Franz Volkmar Reinhard (12.3.1753- 6.9.1812) in Ganzfigur lesend, im Sessel sitzend dar. Er wirkte als Professor für Philosophie und Theologie in Wittenberg und seit 1793 in Dresden, vor allem wurde er als Prediger geschätzt, wovon auch die posthume Gesamtausgabe allein seiner Predigten, 42 Bde., 1815-1821, zeugt. Die um exakte Realitätsgenauigkeit bemühte Zeichnung ist, auch hinsichtlich des Figurenmaßes, als direkte Vorzeichnung für Kerstings Bild in der Alten Nationalgalerie Berlin, Inv. Nr. NG 27/63 (Schnell 1994, op.cit., A 30, S. 78-84, S. 302f.) anzusehen, wenn sie auch über das Interieur nichts verrät. Die ohne Pentimenti gezogenen Linien sind nicht durchgedrückt, während verso aber eine große, zum Pausen geeignete Graphitfläche sichtbar ist; vielleicht hat Kersting, wie bei späteren Bildern (A 128, A 143, 144, 144A, 146.1-5, 152, I-III, 169, 198) noch greifbar, eine Transparentpause zum Übertragen benutzt. Im Gemälde zeigt er den Theologen in seiner Studierstube, in Bildkonstruktion, Stilistik und Farbigkeit den Atelierbildern von 1811/12 entsprechend. 1813 stand das Bild zum Verkauf. „Er [= Kersting] wird gerne Bestellung darauf annehmen.“, heißt es in der oben genannten Gedenkschrift für Reinhard, S. 49, Anm. 17, die der in Weimar und ab 1804 zunehmend in Dresden als Kulturfunktionär und Kritiker, seit 1814 sogar als Direktor der Antiken- und Meng'schen Gipssammlung tätige Carl August Böttiger (1760-1835) verfasste.
Ich habe in meiner Monographie mit Œuvrekatalog, 1995, S. 78-84, historisch plausibel gemacht, dass Böttiger in Dresden als Freimaurer höchstwahrscheinlich dem erst seit 1810 in Dresden lebenden, noch wenig prominenten Freimaurer Kersting, dessen sämtliche Interieurbilder als Chiffren freimaurerischen Lebensentwurfs begriffen werden müssen (Schnell, 1995, Kap. B IV. bes. S.156-160), das Bild angeregt hat, für das er hier warb.
Reinhard selbst war kein Freimaurer, hatte aber als Zensor zugunsten der kontrovers diskutierten von Carl Christian Krause herausgegebenen Die drei ältesten Kunsturkunden der Freimaurer- Brüderschaft, 1810-1813 positiv entschieden.
Das Gemälde war 1816 in der Dresdner Akademieausstellung als Nr. 193 ausgestellt, worauf sich die Beschriftung der Zeichnung von fremder Hand bezieht, die aber keine korrekte Datierung der Zeichnung und des Gemäldes ist. Zu dem Zeitpunkt lebte Kersting bereits in Warschau, so dass er es von dort wohl kaum eingeliefert haben dürfte, sondern die Ausstellungsbeteiligung wahrscheinlich durch Böttiger, den er später auch porträtierte (A 131; seit kurzem Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett), veranlasst wurde.
Ob Kersting Reinhard noch zu Lebzeiten zeichnen konnte, ist bei dessen schlechtem Gesundheitszustand offen, von ihm für den Profilkopf genutzte Münzbilder sind denkbar (Schnell, 1994, S. 78, Anm. 1, Abb. 19). Reinhards angegriffene Konstitution, besonders nach einem Beinbruch 1803, ist aber verbal überliefert und von Kersting erfasst, indem er ihn mit einer gewissen Körperlosigkeit in der nur als Umriss gegebenen Sesselschale verschwinden lässt.
Da mir erst jetzt endlich eine Autopsie der Zeichnung möglich war, ordne ich die Zeichnung als A 29a in meinem nie abzuschließenden Œuvrekatalog von 1994 vor dem Gemälde A 30 ein, was ich zuvor, da ohne jeden Fotobeleg, nicht verantworten konnte und sie unter den genannten, aber nicht prüfbaren Werken als C 7 aufführte.
Werner Schnell
Provenienz: Alfred Stix, Wien (Lugt 2317a).
Sammlung Walter Bauer, Fulda.
Literatur: Ausst. Kat. Deutsche Zeichenkunst aus zwei Jahrhunderten, 1760-1960. Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphik aus der Sammlung W. B., Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Karlsruhe 1967, Nr. 44.
Werner Schnell: Georg Friedrich Kersting (1785-1847). Das zeichnerische und malerische Werk mit Œuvrekatalog, Berlin 1994, S. 354-355, Nr. C 7 (fortan in dem von Werner Schnell weitergeführten, unveröffentlichten Werkverzeichnis als Nr. 29a).
Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.
Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin
Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr
Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com
Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge
Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin
Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr
Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com
Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge