Los 6359

Tischbein, Johann Heinrich Wilhelm
(der "Goethe-Tischbein", 1751 Haina - 1829 Eutin)Zwei Leoparden mit ihren Jungen vor einer Höhle

Schätzung
18.000€ (US$ 20,455)

Abgabe von Vorgeboten möglich

Los 6359 - Tischbein, Johann Heinrich Wilhelm - Zwei Leoparden mit ihren Jungen vor einer Höhle - 0 - thumb

Aus dem Katalog
Horizonte – Zauber ferner Welten
Auktionsdatum 4.6.2026

Lot 6359, Auction  127, Tischbein, Johann Heinrich Wilhelm, Zwei Leoparden mit ihren Jungen vor einer Höhle

Zwei Leoparden mit ihren Jungen vor einer Höhle.
Schwarze Kreide, Feder in Braun, Aquarell, weiß gehöht, in zeitgenössischer Montierung. 32,1 x 40,8 cm. Um 1810-20.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts konnte man in Kassel Wundersames bestaunen: ein gutes Dutzend Affen, allerlei exotische Vögel, darunter Papageien und Pelikane, ein weißes Kamel, Mufflons aus der fernen Insel Korsika, und natürlich der größte Blickfang - ein indischer Elefant. Versammelt waren sie mit vielen anderen Tieren in der Menagerie der Grafen von Hessen-Kassel. Dort wohnte seit 1771 auch ein Leopardenpaar, das sich - unüblich für die damalige Zeit in Europa - rasch vermehrte. Vielleicht waren es diese Raubkatzen, die Tischbein sah, als er in Kassel seinen älteren Bruder Johann Heinrich besuchte, der dort die Gemäldegalerie leitete. In Kassel sah Tischbein sicherlich auch die Leoparden auf Johann Heinrich Roos' monumentalem Tierstück, das viele Exemplare der gräflichen Menagerie abbildet. Und von seinem Bruder besaß Tischbein auch eine Radierung, die eine Leopardin mit ihren beiden Jungen zeigt. Es mögen diese unterschiedlichen Eindrücke gewesen sein, die Tischbein zu vorliegender Zeichnung inspirierten.
Die Tierwelt studierte Tischbein geradezu obsessiv, sie bildet einen der motivischen Schwerpunkte in seinem zeichnerischen Werk. Kennzeichnend ist dabei weniger der Naturalismus als vielmehr die ausgeprägte charakterliche Ausdruckskraft der Tiere. Tischbein war tief beeinflusst von der Physiognomielehre Johann Kaspar Lavaters und anderer Zeitgenossen. Er übertrug deren Prinzipien auf die Tierwelt in der Überzeugung, dass man Analogien zwischen tierischen und menschlichen Wesensarten sichtbar machen könne. Auch auf unserem Blatt zeigen die Gesichter der Raubkatzen fast menschlich anmutende Gemütsregungen. Wirkt die über ihren Jungen stehende Leopardin nicht etwa hilfesuchend, der liegende Leopard gar mürrisch? Tischbein vertrat die Auffassung, der Charakter eines Menschen lasse sich aus der Ähnlichkeit mit bestimmten Tieren erschließen - so sei ein schafähnlicher Mensch sanftmütig, ein löwenähnlicher stolz und wild. Hieraus erwuchs eine wunderbare Sammlung von rund 700 Tierzeichnungen, unter denen das vorliegendes Blatt eines der künstlerisch vollendetsten Beispiele darstellt.

Provenienz: Bis 2003 in der Privatbibliothek der Großherzöge von Oldenburg.
Deren Auktion bei Christie's, New York: Drawings by J. H. W. Tischbein, Auktion am 22. Januar 2003, Los 131 (mit dem für die Werke aus dieser Auktion entworfenen Stempel, Lugt 5025).
Privatsammlung Schweiz.

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.


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