Los 1212
Vislicza, Michael de
Ephemeridiarium Anni Christi 1536.
Schätzung
6.000€ (US$ 6,818)
Abgabe von Vorgeboten möglich
Aus dem Katalog
Alte Drucke und Handschriften
Auktionsdatum 14.4.2026

Aus dem Katalog
Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 14.–15. April, 2026


Polnisches Rarissimum: lateinisch-polnisches Kalendarium von allergrößter Seltenheit
Vislicza, Michael de (Michal z Wiślicy). Ephemeridiarium Anni Christi 1536. per Magistrum Michaelem a Visticza. In celebri studio Cracoviense diligentia ordinatum. 16 nn. Bl. Mit großer Holzschnitt-Titelvignette und 12 Textholzschnitten. Ca. 11 x 7,5 cm. Moderner Pergamentband unter Verwendung eines Handschriftenfragment des 13. Jahrhunderts. (Krakau, Matthias Scharffenberg, 1536 [i. e. 1535]).
Hübsches kleines Kalendarium mit dem Titel "Ephemeridiarium", einer Zusammensetzung aus "Ephemerides" (Zeitberechnung auf Basis der Positionsbestimmungen von Himmelskörpern) und und "Diarium" (Kalender mit Mondphasen, Zodiakus etc.). Nach der "Configurationum Lune cum Sole et planetis ennaratio" folgen die Monate in lateinische und polnischer Sprache "Januarius. Styczeń. habet dies.xxxi.", "Februarius. Luty. habet dies.xxix." etc. Die kleinen Querholzschnitte zeigen typische, den Jahreszeiten zugeordnete Szenen wie Eggen, Aussaat, Mähnen, Pflügen, Weinkeltern, Jagd und winterliches Festmahl. Darunter jeweils der Heiligenkalender mit den prominenten Heiligen der römisch-katholischen Kirche, aber auch vielen polnischen Lokalheiligen wie dem Heiligen Adalbert von Prag (23. April), Stanislaus von Krakau (8. Mai) etc.
Zusammengestellt wurde dieser äußerst seltene Krakauer Kalender für das Jahr 1536 von Michal z Wiślicy, Professor für Astrologie und Theologie an der Krakauer Akademie, und in der Werkstatt von Maciej Szarffenberg (Matthias Scharffenberg) gedruckt, einem der führenden Drucker Krakaus in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Wie andere Almanache und Prognostika jener Zeit wurde er höchstwahrscheinlich bereits im letzten Teil des Vorjahres produziert - in diesem Fall Ende 1535 -, damit Exemplare bereits zu Beginn des Jahres 1536 verfügbar waren, auch wenn das Kolophon selbst "anno Domini 1536" angibt.
Der Titelholzschnitt zeigt den polnischen König Siegismund I. den Alten (Zygmunt I Stary), König von Polen von 1506 bis 1548 und Großfürst von Litauen: "SIGISMUND.I.R[EX] PO(LONIAE) 1532". Die Holzschnitte sind ebenfalls winzig im Stock datiert. Es handelt sich um eine eindrucksvolle und ausgesprochen repräsentative Darstellung des Monarchen, zu Lebzeiten entstanden und eine der bedeutendsten königlichen Bildnisse des frühen polnischen Buchdrucks. Die zwölf Monatsdarstellungen zeigen typische jahreszeitliche Arbeiten und bilden einen kohärenten ikonographischen Zyklus, wie er für die Krakauer Kalendertradition der 1530er Jahre charakteristisch ist.
Der Inhalt folgt der etablierten Struktur der Krakauer Prognostica. Auf der Rückseite der Titelseite findet sich eine Erklärung der astrologischen und typographischen Zeichen. Es folgt ein ausführlicher Überblick über die wichtigsten lunarischen und planetarischen Konstellationen des Jahres, einschließlich der "glücklichen Zahl", günstigen und ungünstigen Tage sowie medizinischer Hinweise wie empfohlene Aderlasszeiten. Der eigentliche Kalender - der zentrale Teil des Büchleins - enthält für jeden Tag die liturgisch relevanten Heiligenfeste, die Mondposition im Tierkreis sowie die bedeutenden planetarischen Aspekte. Kurze Versmaximen beschließen jeden Monat. Das letzte Blatt zeigt ein Diagramm der für 1536 erwarteten Mondfinsternisse mit erklärendem Text sowie das Impressum "In Cracovia, anno Domini 1536". – Das Exemplar wurde ursprünglich als Einbandmakulatur in einem historischen Band genutzt und später vorsichtig entnommen und konserviert. Spuren dieser früheren Verwendung - vereinzelt Klebstoffreste und kleine Randverluste, mehrere Wurmschäden und einige Ausrisse bzw. Löcher und Fehlstellen durch Abrieb (teilweise mit Text und Bildverlusten, meist von den äußeren Rändern her), fleckig, gebräunt und teils mit Randansetzungen und Füllungen sorgsam restauriert. Die Holzschnitte sind insgesamt gut erhalten; kleinere Randverluste an einigen äußeren Rahmen - durch die frühere Verwendung als Einbandmaterial - wurden fachkundig verstärkt und beeinträchtigen weder Lesbarkeit noch Gesamteindruck. - sind noch sichtbar, wurden aber durch Faservestärkung professionell stabilisiert. Alle Blätter sind vollständig, der Druck ist klar, und das Papier hat seine frische Anmutung bewahrt. Heute ist das Werk in ein einzelnes Pergamentfragment des 12. oder 13. Jahrhunderts gebunden, geschrieben in regelmäßiger Rotunda und enthaltend einen Teil des Hieronymus-Kommentars zu Matthäus 15 - ein typisches, historisch stimmiges Beispiel mittelalterlicher Handschriftenmakulatur.
Von allergrößter Seltenheit. So konnte nur ein einziges weiteres Exemplar nachgewiesen werden: in der Kolekcja Krystyny Piórkowskiej der Polnischen Nationatlbibliothek zu Warschau (Biblioteka Narodowa, Magazyn Starych Druków, SD XVI.O.6549). Beide nachweisbaren (vorliegendes und das genannte) stammen aus demselben historischen Einbandfund. Ein Exemplar wurde 2024 in Budapest öffentlich versteigert und gelangte anschließend in die polnische Nationalbibliothek. Das vorliegende Exemplar ist das zweite und einzige weitere vollständige bekannte Stück. Es stellt ein seltenes und bedeutendes Zeugnis der frühen polnischen Druckgeschichte sowie der astrologischen und akademischen Traditionen der Krakauer Akademie dar.
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