Los 2542a

Durieux, Tilla
(1880-1971)Typoskript ihrer Memoiren

Zuschlag
26.000€ (US$ 25,490)

Los 2542a - Durieux, Tilla - Typoskript ihrer Memoiren - 0 - thumb

Aus dem Katalog
Literatur, Spazierstöcke und Autographen
Auktionsdatum 12.10.2022

Lot 2542a, Auction  120, Durieux, Tilla, Typoskript ihrer Memoiren

Das unzensierte Original
Durieux, Tilla, Theater- und Filmschauspielerin, überragende Charakterdarstellerin, kluge, intellektuelle Autorin, von vielen Bühnen begehrt, von den berühmtesten Künstlern porträtiert, mit dem Maler Eugen Spiro, dem Kunsthändler und Verleger Paul Cassirer und schließlich mit dem Konzernchef Ludwig Katzenellenbogen verheiratet, emigrierte 1933 in die Schweiz und nach Jugoslawien (1880-1971). Fragmentarisches Typoskript ihrer Lebenserinnerungen. Ca. 340 Bl., einseitig beschrieben und teilweise nachträglich mit Bleistift ungleichmäßig paginiert. Ohne ein Titelblatt. Lose Bl., teils mit handschriftlich beschrifteten Umschlagblättern für die einzelnen Kapitel. O. O. (wohl 1944-1945).
Fragment der wohl ersten Fassung der höchst interessanten und wertvollen Memoiren, von denen 1954 eine sehr stark gekürzte und bearbeitete Ausgabe unter dem Titel "Eine Tür steht offen" und 1971 eine wieder ganz veränderte und durch Fortsetzung ergänzte Version unter dem Titel "Meine ersten 90 Jahre" erschien. Im vorliegenden Typoskript auf mangelhaftem Kriegspapier sind die Kapitel durch beschriftete Umschläge mit I-X, XV und XVII nummeriert; Kapitel X ist bezeichnet: "1910-1911. Pan und Polizeipräsident von Jagow" (entsprechend dem 9. Kapitel in der Buchausgabe von 1954), Kapitel XV lautet: "Krieg und Kgl. Schauspielhaus", und Kapitel XVII ist betitelt: "1917-1918-1919. Schweiz. Revolution" (entsprechend etwa dem 16. Kapitel in der Ausgabe von 1954). Vor allem das letzte Kapitel ist mit zahlreichen, teils großflächigen Streichungen und handschriftlichen Änderungen versehen. Die hier vorliegenden Kapitel entsprechen rein thematisch den Kapiteln "Theaterschule in Wien - Olmütz - Breslau - Paris - Berlin - Paul Cassirer - Neben den Kulissen - Arbeit und Hochzeit - 'Pan' und der Polizeipräsident - Calderon und Freiballon - Krieg und Kgl. Schauspielhaus - 1917/18 Schweiz" der Buchausgabe von 1954. Die Texte jedoch unterscheiden sich ganz erheblich von dieser ersten Buchausgabe. Das vorliegende Originalmanuskript, in dem die Schauspielerin ungehemmt drauflosplaudert und sozusagen "ihrem Herzen Luft macht", wurde, wie ein durchgehender Vergleich ergibt, damals für die Buchausgabe durch eine nicht genannte Person offenbar einer umfassenden Redaktion unterzogen: Alle Kapitel wurden stark gekürzt, ein großer Teil der Anekdoten und Bekenntnisse aus dem Privatleben der Künstlerin wurden entfernt, unzählige sprachliche Formulierungen wurden geändert, geglättet, gekürzt oder korrigiert wie auch die vielen falsch geschriebenen Eigennamen. Dadurch wird zwar in der Buchausgabe der Eindruck einer hochgradig intellektuellen Schauspielerin mit scharfsichtiger Beobachtungsgabe und Urteilsfähigkeit bestätigt und im Klappentext ihr "brillanter" Stil gelobt, aber dieser Stil ist oft nicht identisch mit dem tatsächlichen Wortlaut der Erinnerungen im vorliegenden Typoskript. Hier nimmt Tilla Durieux kein Blatt vor den Mund, scheut sich nicht, Zeitgenossen drastisch zu beschreiben, Städte häßlich zu nennen, Personen mit ihren Schwächen zu schildern (z. B. Paul Cassirers Gewichtsprobleme). All diese Textstellen, die irgendwo Anstoß erregen könnten, sind in der Buchausgabe entweder vollständig getilgt oder geändert und zwar häufig so, dass eine fremde Hand deutlich erkennbar wird, die nicht dem Stil des hier vorliegenden Originals der Künstlerin entspricht. Das vorliegende Typoskript ist also, wenn auch Fragment, eine höchst wertvolle Ergänzung und in mancher Hinsicht auch Korrektur der vorhandenen Buchausgaben der Durieux-Memoiren. Die Darstellung reicht, wenn auch mit Lücken, bis zum Ende des Ersten Weltkriegs und umfaßt die ganze Glanzzeit der Max- Reinhardt-Ära, die Episode am Berliner Königl. Schauspielhaus sowie das konfliktreiche Leben mit den Ehemännern Spiro und Cassirer. - Es fehlen ein Titelblatt sowie die paginierten Seiten 2-5, 54 und 179; andererseits sind ca. 85 Bl. laufenden Textes und weitere Blätter mit Textvarianten unpaginiert eingeschoben. Die Kapitel-Umschäge jeweils mit Vermerk "Durchdruck II" (was aber nicht immer zutrifft). Einige Bl. mit z. T. stärkeren Randschäden. - Trotz dieser Mängel ist das vorliegende umfangreiche Typoskript mit seinen großenteils unbekannten Texten und dem unredigierten "Originalton" der zeitlebens umschwärmten Schauspielerin ein ebenso informatives wie unterhaltsames und kostbares Beispiel theater- und zeithistorischer Erinnerungen, das in seinen treffenden Schilderungen und Urteilen über den größten Teil der bekannten Schauspieler-Memoiren weit hinausragt. - Zahlreiche Beilagen: 6 Bl. handschriftliche Listen der von Tilla Durieux gespielten Rollen; ein Teil des Scheidungsvertrags zwischen Ludwig Katzenellenbogen und seiner Frau Estelle (Berlin 19.XII.1928); 2 Listen der Gemälde im Besitz Katzenellenbogen-Durieux; 5 Typoskripte verschiedener Autoren mit 4 Theaterstücken und 1 Roman; diverse Typoskripte mit Abschriften von Gedichten für Frau Durieux' Vortragsabende und weitere Schriftstücke; ferner ca. 100 Porträt- und Rollenfoto-Postkarten (jeweils fotografische Original-Abzüge) der Künstlerin aus frühen und späten Jahren, überwiegend Altersporträts, aber z. B. auch Bilder von ihrer Tätigkeit als Krankenschwester im Ersten Weltkrieg. Schließlich eine größere Anzahl kleiner Privatfotos von und mit Freunden und Bekannten. – Provenienz:
Die Dokumente gingen von der Künstlerin an Ihre Freundin Hertha Olga Kučera (1902-1984), mit der Sie auch noch aus Deutschland einen regen Briefwechsel unterhielt. Hertha Kučera war die Schwiegertochter des berühmten kroatischen Astronomen Oton Kučera (1857-1931) und dessen Frau Jelena (Jelka) Kučera sowie die zweite Ehefrau deren Sohn Vlaho Kučera (1898-1983). Wahrscheinlich hatte Tilla Durieux ihr die Briefe als Andenken geschenkt, denn sie finden sich nicht als inventarisiert in der sog. „Protected Collection“, die unter der Museums of the Department of Art and Culture of the Ministry of Education of the Federal Republic of Croatia direkt nach Ende des Krieges eingezogen worden waren. Vielmehr befanden sich die Unterlagen im Privatbesitz der Kučera-Familie bzw. dann physisch auch in Deutschland.
Lediglich die Kunstwerke, die unter dem Protektorat des Kroatischen Staates (Jugoslawien) standen, stellte Tilla Durieux dann auch in Zagreb in einer Dauerausstellung öffentlich aus, die Briefe und sonstigen schriftlichen Unterlagen waren auch hier nicht Teil der Sammlung (vgl. dazu MK-UZKB-KOMZA, Privatne zbirke, Zlata Lubienski Collection, document no. 25406-III-1- 1945, of November 13th , 1945. 22 MK-UZKB-KOMZA, Privatne zbirke, Zlata Lubienski Collection, document no. 315-1945; SLADE ŠILOVIĆ 1995, pp. 73-81. 23 GZZSKIP-DTD, document no. 02-1028/1-1967. Decision of registration of Tilla Durieux collection in Nation register of moveable Cultural Heritage, of November 9th, 1967. In 1948 a list of items in the collection was made).
So waren die originalen Typoskripte der Memoiren der Durieux, die die Grundlage waren für die Publikation (1954 eine sehr stark gekürzte und bearbeitete Ausgabe unter dem Titel "Eine Tür steht offen" und 1971 eine wieder ganz veränderte und durch Fortsetzung ergänzte "Meine ersten 90 Jahre"), auch teilweise erst nach dem Kriege in Berlin entstanden, wo sie dem Verlag als Grundlage dienten, sie befanden sich also zusammen mit den anderen Dokumenten in Deutschland.
Die rechtmäßigen Eigentümer der uns vorliegenden Dokumente, die Erben der Kučera-Familie, verkauften sie, nachdem die Dokumente zunächst dem genannten Museum in Zagreb angeboten worden waren. Über den Verkauf gibt es von einem staatlich vereidigten Notar („Republika Hrvatska Zabreb Za vršitelja dužnosti bilježnika predsjed“) eine Urkunde, die nicht nur das Eigentumsrecht der Kučera-Familie bestätigt, sondern auch den Verkauf der sich schon in Deutschland befindenden Dokumente offiziell bestätigt (auf Anfrage in Kopie erhältlich).

** English **

Provenance:
The documents were sent by the artist to her friend Hertha Olga Kučera (1902-1984), with whom she also maintained a lively correspondence from Germany. Hertha Kučera was the daughter-in-law of the famous Croatian astronomer Oton Kučera (1857-1931) and his wife Jelena (Jelka) Kučera and the second wife of their son Vlaho Kučera (1898-1983). Tilla Durieux had probably given her the letters as a souvenir, because they are not found as inventoried in the so-called "Protected Collection", which had been confiscated under the Museums of the Department of Art and Culture of the Ministry of Education of the Federal Republic of Croatia immediately after the end of the war. Rather, the documents were legally in the private possession of the Kučera family or then physically also in Germany.
Only the works of art that were under the protectorate of the Croatian state (Yugoslavia) were then publicly exhibited by Tilla Durieux in a permanent exhibition in Zagreb; the letters and other written documents were not part of the collection here either (cf. MK-UZKB-KOMZA, Privatne zbirke, Zlata Lubienski Collection, document no. 25406-III-1- 1945, of November 13th , 1945. 22 MK-UZKB-KOMZA, Privatne zbirke, Zlata Lubienski Collection, document no. 315-1945; SLADE ŠILOVIĆ 1995, pp. 73-81. 23 GZZSKIP-DTD, document no. 02-1028/1-1967. Decision of registration of Tilla Durieux collection in Nation register of moveable Cultural Heritage, of November 9th, 1967. In 1948 a list of items in the collection was made).
Thus the original typescripts of Durieux's memoirs, which were the basis for the publication (in 1954 a very much abridged and edited edition under the title "A Door Stands Open" and in 1971 a "My First 90 Years", again completely changed and supplemented by continuation), were also partly written after the war in Berlin (after 1951) where they served as the basis for the publishing house, so they were in Germany together with the other documents.
The rightful owners of the documents in our possession, the heirs of the Kučera family, sold them after the documents had first been offered to the aforementioned museum in Zagreb. There is a deed from a state-sworn notary ("Republika Hrvatska Zabreb Za vršitelja dužnosti bilježnika predsjed") confirming not only the ownership of the Kučera family, but also officially confirming the sale of the documents already in Germany (copy available on request).

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