Los 1019

Job
Dises büchlin sagt. Straßburg, Bartholomäus Kistler, 1498.

Schätzung
22.000€ (US$ 23,158)

Abgabe von Vorgeboten möglich

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Aus dem Katalog
Wertvolle Bücher
Auktionsdatum 11.10.2022

Lot 1019, Auction  120, Job, Dises büchlin sagt. Straßburg, Bartholomäus Kistler, 1498.

Hiobs Elend in wechselnd
zusammengestellten Holzschnitten

Job - Von dem heiligen Job. "Dises büchlin sagt von dem heyligen Job". Mit Vorstücken des Heiligen Hieronymus. 46 nn. Bl. 2 Spalten. 29-30 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 14 x 10,6 cm. Format: 20,4 x 14,4 cm. Mit einigen, bis 5-zeiligen Holzschnittinitialen, Initialspatien mit Repräsentanten-Buchstaben sowie 32 (2 ganzseitigen) Textholzschnitten, gedruckt von 13 Stöcken. Moderner Pergamentband unter Verwendung eines Manuskriptfragments des 15. Jahrhunderts mit großer farbiger Initiale auf Goldgrund. In modernem grünem Leinenschuber mit goldgeprägtem RSchild. Straßburg, Bartholomäus Kistler, 1498.
Hain 9377. GW 8368. Goff J-221. Schramm 4328. Günther, Early printed bibles, 13. VB 2547. Schäfer 159. ISTC ij00221000. – Erste Einzelausgabe des biblischen Buches Hiob in deutscher Sprache. Hinsichtlich Orthographie und Syntax unterscheidet sich die Textversion nur geringfügig von Grüningers deutscher Bibel von 1485 (ISTC ib00633000). Die Textfassung ist identisch mit zwei alttestamentlichen Handschriften in München (Bayerische Staatsbibliothek, cgm 221 und cgm 503), beide datiert 1463 (siehe GW 8368).

In den spätmittelalterlichen Stundenbüchern, der bevorzugten Form des Laiengebetbuchs, begleitete die Hiob-Geschichte gewöhnlich Totenoffizium. In den gedruckten Ausgaben dieser Bücher illustrierten kleine Szenen, die mit den neun Lektionen aus dem gleichnamigen biblischen Buch korrespondieren, das bedauernswerte Schicksal Hiobs. Der Text war höchst populär und wurde in frommen Haushalten häufig gelesen, ebenso wie er bei der Totenwache für einen Verstorbenen zum Gedenken vorgetragen wurde. Untersuchungen belegen, dass das Totenoffizium der am häufigsten konsultierte Text im Stundenbüchern war. Der Tod war ein allgegenwärtiges Phänomen im mittelalterlichen Leben und daher war es naheliegend, stets vorbereitet zu sein, um dem Fegefeuer oder der Verdamnis in der Hölle zur entgehen. Der in seinem Glauben unerschütterlich fromme Hiob galt somit als eines der besten Vorbilder: Selbst als ihm ohne plausiblen Grund alles genommen wurde, bestand er darauf, für seine angeblichen Sünden zu büßen und Sühne zu leisten.

So war dieses "Hiob-Büchlein" ein großes Desideratum, herausgelöst aus dem biblischen Kontext und als separate und erschwingliche Ausgabe gedruckt. Vermutlich liegt hierin der Grund, warum nur wenige Exemplare dieses Druckes erhalten sind: Sie wurden von ihren Besitzern immer wieder gelesen. Es ist daher ein bemerkenswert glücklicher Umstand, dass das vorliegende Exemplar, noch dazu in außergewöhnlich gutem Zustand ohne jeglichen Verlust von Blättern, bis in unsere Zeit bewahrt wurde. Lediglich vier andere Exemplare sind weltweit in öffentlichten Bibliotheken nachweisbar (vgl. ISTC), auch im Handel tauchte in den letzten 40 Jahren kein Exemplar jemals auf.

Üppige 32 Textholzschnitte illustrieren die Geschichte Hiobs (freilich mit mehreren Wiederholungen). So dient der erste Holzschnitt auf Blatt a1verso als Frontispiz und nimmt die ganze Seite ein (wiederholt a5verso). Hier wird alles Unglück zusammengefasst, das Hiob widerfahren ist. Ein Bote teilt dem wohlhabenden und gottesfürchtigen Gutsbesitzer mit, dass sein gesamter Besitz verloren gegangen ist. Alle seine Herden wurden gestohlen, sein Haus ist abgebrannt, und seine sieben Kinder sind gestorben. All das wegen einer zufälligen Wette zwischen Satan und Gott, bei der geprüft wurde, ob Hiob seinen Glauben verlieren würde, sobald er in Not und Bedrängnis geriet.

Die anderen Holzschnitte sind fast halbseitig und in den Schriftspiegel eingepasst. Die meisten setzen sich aus jeweils zwei kleineren Schnitten in verschiedenen Kombinationen zusammen, so dass aus neun kleinen Holzschnitten elf verschiedene seitenbreite Illustrationen entstanden sind. Es war der Straßburger Drucker Johann Grüninger, der diese sparsame Technik in Straßburg eingeführt hatte.

Auch der Drucker Bartholomäus Kistler verwendete den typischen Straßburger Holzschnittstil mit schmalen Schraffuren, wenn auch nicht in der hohen künstlerischen Qualität von Grüningers Büchern. Der Künstler des vorliegenden Buches wird manchmal als "Meister der Werkstatt Kistler-Hupfuff" bezeichnet. Auch wenn seine Identität ein Rätsel bleibt, schlägt Arnim vor, dass er mit Hans Schrotbank (1460-1503) in Verbindung gebracht werden kann, über den wir jedoch gut wie nichts wissen. Ein populärer Einzelblattdruck von 1490 (ISTC is00330490), der zwei männliche Büsten zeigt und der Schrotbanks Signatur trägt, hat in der Tat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Stil der vorliegenden Schnitte. Möglicherweise handelt es sich um ein Werk Bartholomäus Kistlers selbst (Arnim 1984, Nr. 210, Anm. 7). Der Drucker ist auch als Maler, Buchmaler und Schreiber nachgewiesen. Ob er die Holzschnitte für seine eigenen Ausgaben selbst schuf, konnte aber bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden. Kistler stammte aus Speyer. 1486 beantragte er das Bürgerrecht in Straßburg, wo seine Tätigkeit bis 1509 belegt ist.

. – Teils leicht gebräunt, minimal braunfleckig und hin und wieder leicht feuchtschattig, meist aber nur an den äußeren Rändern, noch bemerkenswert breitrandiges Exemplar. Für den Einband wurde das Fragment eines Blattes aus einem Missale des frühen 15. Jahrhunderts verwendet mit dem Textanfang: "Domine in tua miesricordia seperavi", der Messeeingang des ersten Sonntags nach Trinitatis, hier mit einer 10-zeiligen Initiale "D" in grünem Akanthusblattwerk mit roséfarbener Blumenfüllung in schwarzer Federzeichnung in einem Rautenraster vor punziertem quadratischen Goldgrund und einem blauen und Roten Aushänger, der blaue mit einem apotrophäischen Monsterkopf. Auch die Vorsatzpapiere aus einem lateinischen Manuskript des 15. Jahrhunderts auf Papier sind bemerkenswert.

Provenienz: Das Exemplar stammt aus der Münchner Auktion vom Karl & Faber (Auktion 7/57 vom 3. Mai 1933), dann im Besitz des Konsuls Rinderknecht (vgl. Arnim), von da ging es an den Sammler Ulco Proost (1885-1966) in Amsterdam, dessen Bücher bei Beijers in Utrecht versteigert wurden (7.-8. November 1967, Los 1358). Hier erwarb es Martin Breslauer, und von diesem kam es in die Sammlung Otto Schäfers in Schweinfurt (OS 624, erworben 1968).


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