Los 6414

Scheffer von Leonhardshoff, Johann Evangelist
(gen. Il Raffaelino, 1795-1822, Wien)Die tote hl. Caecilia

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
20.910€ (US$ 24,314)

Los 6414 - Scheffer von Leonhardshoff, Johann Evangelist - Die tote hl. Caecilia - 0 - thumbExtragroße Abbildung

Aus dem Katalog
Auf Papier gezeichnet – In Kupfer gestochen
Auktionsdatum 2.12.2021

Lot 6414, Auction  118, Scheffer von Leonhardshoff, Johann Evangelist, Die tote hl. Caecilia

Die tote heilige Caecilia.
Schwarze Kreide, teils weiß gehöht (partiell oxidiert), oben halbrund abgeschlossen. 29,2 x 40,5 cm. Um 1820-21.

Zwischen 1820 und 1821 schuf Johann Evangelist Scheffer von Leonhardshoff sein monumentales Gemälde „Die tote heilige Caecilia (Römische Fassung, Belvedere Museum Wien, Inv.Nr. 2244). Eine zweite, etwas kleinere Version entstand kurz darauf (Klosterneuburg, Stiftsmuseum, Inv.Nr. G 397). Vorliegende Zeichnung diente vermutlich der Lithographie von 1821 als Vorlage, die Scheffer selbst auch in Stein zeichnete (siehe Los 6415).
Sein Gönner Fürstbischof Xaver Salm-Reifferscheidt ermöglichte Scheffer 1814-16 einen Studienaufenthalt in Italien, wo er in engem Anschluss an Friedrich Overbeck im Kreis der Nazarener lebte und arbeitete. Im Oktober 1815 wurde er in den Lukasbund aufgenommen. Den Klassizismus ablehnend, hatten sie die Malerei Raffaels zu ihrem Ideal erhoben. Von Raffael übernahm Scheffer etwa das Prinzip der Dreieckskomposition seiner Figuren. Nicht nur deshalb gaben die Lukasbrüder, die in Scheffer aufgrund seiner hohen Begabung eine Wiedergeburt Raffaels sahen, den Beinamen „Il Raffaelino“.
Die Darstellung der Heiligen Cäcilia entstand in Anlehnung an Stefano Madernos Mamorskulptur in der Kirche Santa Cecilia in Trastevere, welche die Heilige und Märtyrerin im Moment ihres Todes zeigt. Cäcilia liegt mit leicht angewinkelten Beinen dem Betrachter zugewandt auf dem Erdboden, ihr Kopf ist sanft nach vorne gesunken, die Arme hat sie überkreuzt von sich gestreckt. Die Haltung der Hände und Finger bezeugt die Einheit und Dreifaltigkeit zu Gott und erinnert daran, dass Cäcilia für ihren Glauben gestorben ist und referiert zugleich auch auf ihr Orgelspiel und ihre Aufgabe als Patronin der Musik. Sind Haltung und Gesten im Prinzip dieselben wie bei Maderno, zeigt uns Scheffer jedoch das Gesicht der Heiligen, mit geschlossenen Augen ruht sie sanft auf dem Boden, im Nacken, kaum sichtbar, die Spuren ihrer Marter. Zwei Engel wachen über ihr, einer hält einen Palmwedel als Zeichen des Sieges über den Tod.
Die fortschreitende Krankheit führte den jungen Künstler zu einer fast visionären Frömmigkeit, die vielfach die Grenze zwischen Realität und Imagination auflöste. Aus Tagebucheinträgen ist bekannt, dass der schwerkranke Scheffer sich mit Todesgedanken und -motiven beschäftigte und auch seine Liebessehnsucht ausdrückte. Das Gemälde der Heiligen Cäcilia ist dabei auch eine Projektion seiner unerfüllten Zuneigung zu der verheirateten Cäcilia Bontzak. In schweren Krankheitsphasen kümmerte sie sich um Scheffer als er in Klagenfurt war, bevor er 1820-21 zurück nach Rom geht und dort sein Hauptwerk, "Die tote heilige Caelilia" malte. Dieser Interpretation entspricht auch die Widmung auf der Erstfassung seiner Lithographie: „Meiner verehrten Pflegemutter Cäcilia Bontzak gebne Bündsdorf aus kindlicher Erfurcht und Dankbarkeit gewidmet von J. von Ritter Scheffer Leonhartsdorf, den 22ten November 1821“. Die erhoffte Inbesitznahme der unerreichbaren Geliebten blieb bei Scheffer jedoch auf das Bild beschränkt.
Im Sommer 1821 kehrte der Künstler nach verschiedenen Reisen nach Wien zurück und erlag am 12. Januar 1822 seinen Krankheitsleiden.

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.

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