Los 6375

Führich, Joseph von
(1800 Kratzau - 1876 Wien)Bildnis des Malers Adolf Zimmermann

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
61.500€ (US$ 71,512)

Los 6375 - Führich, Joseph von - Bildnis des Malers Adolf Zimmermann - 0 - thumbExtragroße Abbildung

Aus dem Katalog
Auf Papier gezeichnet – In Kupfer gestochen
Auktionsdatum 2.12.2021

Lot 6375, Auction  118, Führich, Joseph von, Bildnis des Malers Adolf Zimmermann

Bildnis des Malers Adolf Zimmermann.
Bleistift auf Velin. 20,3 x 26,6 cm. Am oberen Rand in Bleistift bez. "Der Tirann" sowie an der oberen rechten Ecke die Nummer "85". Um 1828/29.

Im Sommer des Jahres 1829 besteigen Joseph Führich und Adolf Zimmermann eine zweirudrige Barke, um von Neapel auf die Insel Capri überzusetzen. Das ungünstige Wetter, vor dem die zwei italienischen Ruderer gewarnt hatten, hält die beiden Künstler jedoch nicht ab, die Reise zu wagen. Und so erreichen die beiden nach dramatischer Fahrt, während der sie sich an den Schiffsboden klammern und Stoßgebete aussenden, schließlich die "feenhafte" Insel Capri. Diese Reise an den Golf von Neapel, die Führich noch später in seinen Lebenserinnerungen farbenfroh schildert, war sicherlich einer der Glanzpunkte des Italienaufenthaltes beider Künstler, die sich in Rom kennengelernt hatten. Führich, der im Januar 1827 in die Ewige Stadt gekommen war, befand sich im Sommer 1828 nach dem Weggang einiger enger Wegbegleiter aus Rom, wie etwa Adalbert Waagen und Johann Carl Schulz, in trauriger Verfassung. Er schreibt: "Ich bin jetzt im Ganzen sehr vereinsamt. Viele meiner näheren Bekannten gehen oder sind schon fort, viele sind auf dem Lande, so daß ich manchmal recht melancholisch werde; unsere gemeinschaftlichen Spaziergänge des Sonntags oder gegen Abend mache ich nun allein [...]" (Hans Geller, Ernste Künstler fröhliche Menschen, München S. 44). In dieser Zeit nun scheinen die freundschaftlichen Bande zwischen Führich und Zimmermann, der bereits seit Ende 1825 als Stipendiat der Dresdener Akademie in Rom weilte, enger zu werden. Die abendlichen Spaziergänge, die oft über das Forum, das Kolosseum und das Kapitol in das Caffe Greco führten, unternehmen die beiden jetzt gemeinsam. Wenn die zwei Künstler miteinander allein sind, dann sprechen sie in ihrem "heimathlichen deutschen Dialect", den Zimmermann, der gerade nur 80 km von Führichs Geburtsstadt Kratzau entfernt aus Lodenau bei Görlitz stammt, vorzüglich beherrscht. Und so spricht auch aus unserem Portrait, das Führich von seinem Freund Adolf Zimmermann gemacht, eine große Vertrautheit zwischen den beiden Künstlern. Führich wählt für sein Bildnis ein Querformat und platziert die Zeichnung des Portraitkopfs knapp links der Mitte auf das Papier. Mit wohl gesetzten Strichen skizziert Führich das Antlitz Zimmermanns, bei dem besonders der wache Blick des Dargestellten auffällt. Anstelle des Taufnamens notiert Führich in liebevoller Zuneigung den Spitznamen des Dargestellten "Der Tirann", was man wohl als scherzhafte Anspielung auf ein etwas dominantes Wesen Zimmermanns verstehen darf. Entsprechend der romantischen Tradition des gegenseitigen Freundschaftsbildes hat auch Adolf Zimmermann ein Bildnis von Führich angefertigt, das sich ebenfalls in der Sammlung Hans Geller befand. Es zeigt den Maler ganz klassisch im Dreiviertelportrait mit seinen Markenzeichen Brille und Kappe elegant im gestreiften Habit mit weißer Halsbinde. Berührend ist auch hier die vom Zeichner hinzugefügte Annotation "Vera Efigies von Führich Wenzels Jungen aus Kratzau im Böhmerlande, eines jungen hoffnungsvollen Künstlers nach dem Leben von seinem Freunde Adolph Zimmermann dem Tirannen in Rom".

Provenienz: Aus dem Besitz des Dargestellten Adolf Zimmermann (1799-1856).
Durch Erbfolge an dessen Urenkel Hans Geller (1894-1962), Dresden.

Literatur: Hans Geller: Die Bildnisse der deutschen Künstler in Rom 1800 - 1830. Berlin 1952, S. 118, Nr. 1596 mit Abb. (die Abbildung in der Publikation ist beschnitten).

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.

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