Los 6132

Lieder, Friedrich Johann Gottlieb
(gen. Franz, 1780 Potsdam - 1859 Budapest)Selbstbildnis mit grauem Pelzkragen und blauer Schleife

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
9.840€ (US$ 11,442)

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Aus dem Katalog
Gemälde Alter und Neuerer Meister
Auktionsdatum 2.12.2021

Lot 6132, Auction  118, Lieder, Friedrich Johann Gottlieb, Selbstbildnis mit grauem Pelzkragen und blauer Schleife

Selbstbildnis mit grauem Pelzkragen und blauer Schleife.
Öl auf Malkarton. 36 x 29 cm. Verso mit dem Stempel und Etikett des Künstlerbedarfs Franz Theyer, Wien. Um 1850.

Bereits im Jahre 1797 stellte Friedrich Lieder im Alter von nur 17 Jahren erstmals zwei Zeichnungen auf der Berliner Akademieausstellung aus und erregte damit einige Aufmerksamkeit. Im Jahre 1802 machte er erneut durch ein Bildnis Napoleons von sich reden und wechselte im Jahre 1804 zum Studium von Berlin an die École des Beaux-Arts in Paris, wo er Schüler von keinem geringeren als Jacques-Louis David wurde. Schnell etablierte sich der geschickte Portraitist in der Pariser Gesellschaft und heiratete die Tochter des Chevalier d'Ellevaux de Limon. Auch international wurden seine Fähigkeiten als Bildnismaler erkannt, und so erhielt er unter anderem zahlreiche Aufträge des ungarischen Adels und reiste dafür nach Budapest, Preßburg und Tyrnau. Ab dem Jahre 1812 arbeitete er zunächst in Wien, wo er stark von Isabey beeinflusst wurde und auf dem Wiener Kongress mit großem Erfolg als Bildnismaler und Miniaturist tätig war. Dort fiel er unter anderem Fürst Metternich auf, der ihn fortan förderte. Zwischen 1816-19 hielt er sich auf Einladung Wilhelms III. in Berlin auf und wurde zum Hofmaler ernannt. Seine große internationale Bekanntheit sorgte dafür, dass er auch später viele Reisen unternahm, sich aber meist in Wien oder Budapest aufhielt, wo seine Portraits und Bildnisminiaturen vor allem von den Mitgliedern des Hochadels geschätzt wurden.
In vorliegendem Selbstbildnis brilliert der Künstler in der Wiedergabe von Stofflichkeit und modischen Details. Sowohl im Kunsthistorischen Museum Wien als auch in der staatlichen Gemäldesammlung und dem Wiener Belvedere befinden sich weitere Selbstbildnisse des Künstlers, auf denen Lieder sich stets in selbstbewusster Pose mit der Palette vor einem Bild oder in seinem Atelier zeigt. Im Gegensatz zu diesen offiziellen Künstlerportraits, die Lieder in Ausübung seines Berufes zeigen, stellt sich der Künstler hier als arrivierten Bürger und Privatmann dar. Mit wachem Blick sitzt der Künstler in einem Mantel mit elegantem Pelzkragen gekleidet vor einer nicht näher definierten Wand. Raffiniert schmückt eine blaue Schleife den Stehkragen und weist Lieder als äußerst modebewussten Herren im besten Alter aus. Die schon leicht ergrauten Haare kontrastieren wunderbar mit der lebendigen Hautfarbe und dem markanten blonden Schnurrbart. Das im Oval gehaltene Portrait konzentriert den Blick auf die Person und gleichzeitig nutzt Lieder die malerische Gestaltung der Rahmenzwickel für einen gekonnt gestalteten Trompe-l'œil-Effekt. Subtil bringt Lieder so alle seine malerischen Fähigkeiten zur Geltung, ohne vom Hauptmotiv abzulenken. Auffällig ist, dass Lieder in diesem Selbstportrait offensichtlich gezielt die Form der für ihn typischen Brillenfassung mit dem raffiniert gestalteten Nasensteg, die sich auch auf den anderen Selbstportraits findet, abändert und oval gestaltet, um seine Augenform stärker zu betonen. Vermutlich sollte das für den privaten Kontext geschaffene Bildnis eben nicht in erster Linie seine berufliche Relevanz, sondern seine ihm innewohnende Persönlichkeit unmittelbar erfassen und für Familie und Nachwelt erhalten.

Provenienz: Sammlung Alfred Strasser, Wien (Bleistiftanntotation verso sowie erneut "A.S.". Vgl. auch damit wohl korrespondierend die Erwähnung der "Sammlung A. Strasser, Wien" in Thieme-Becker XXIII, S. 204, dort ohne Nennung des Titels).
Privatsammlung E.S. (wohl E. Strasser), Wien.
Kunstauktionshaus "Kärntnerstrasse" Ferdinand Nagler, Auktion am 20. Juni 1944, Los 70, mit Abbildung auf dem Titel.
Privatsammlung Wien.

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.

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