Los 6332

Arcimboldo, Giuseppe - zugeschrieben
(um 1530-1593, Mailand)Der Vogelfänger

Ergebnis
51.660€ (US$ 59,379) *

Los 6332 - Arcimboldo, Giuseppe - zugeschrieben - Der Vogelfänger - 0 - thumbLos 6332 - Arcimboldo, Giuseppe - zugeschrieben - Der Vogelfänger - 1 - thumbLos 6332 - Arcimboldo, Giuseppe - zugeschrieben - Der Vogelfänger - 2 - thumb

Detail-Zoom:

Aus dem Katalog
Über das Leben hinaus – Die Sammlung Louis Peters, Köln
Auktionsdatum 10. Juni 2021

Lot 6332, Auction  117, Arcimboldo, Giuseppe - zugeschrieben, Der Vogelfänger

zugeschrieben. Der Vogelfänger.
Öl auf Leinwand, doubliert. 125 x 70,5 cm. Um 1570.

Das Staunen, das die Originalität und die Bizarrerie der Inventionen Giuseppe Arcimboldos hervorrief, bescherte dem gebürtigen Mailänder bereits zu Lebzeiten enormen Erfolg an den kaiserlichen Höfen in Wien und Prag. Seine Werke bedienten den Geschmack humanistisch gebildeter Auftraggeber, die einerseits die phantasievolle Spitzfindigkeit, andererseits die naturwissenschaftliche Exaktheit der Kompositbilder schätzten. Die aus Viktualien, Objekten der Flora und Fauna, aber auch aus Alltagsgegenständen zusammengesetzten Figuren wirkten und wirken bis heute fremdartig und gleichzeitig fesselnd. Je nach Betrachtungsweise und Standpunkt zerfällt das Bild in seine Einzelteile oder fügt sich zu einer Gesamterscheinung zusammen. So viel Aufmerksamkeit und Vertiefung das Entschlüsseln der minutiösen Details verlangt, umso unmittelbarer und müheloser ist die Figur als Ganzes lesbar. Das Auge, der Geist sind im steten Kippen begriffen und in diesem Prozess der Fragmentierung und Addition gefangen.
In vorliegendem Werk sind es Vögel verschiedenster Couleur, die zueinander in Beziehung gesetzt einen alptraumhaften Vogelfänger formen. Berufsnahe Objekte, die Vertreter ihrer Zunft stilisieren, finden sich beispielsweise auch beim Juristen (1566) oder dem Kellermeister (1574). Geflügel verwendete Arcimboldo dagegen zuvor in seiner berühmten Serie derVier Elemente (1566) für das Element der Luft. Hier sind es etwa zwei Blaumeisen, die die Augen und Wangen bilden, der rechte Unterarm entpuppt sich als Eichelhäher, der linke besteht aus einer Türkentaube und einem blaugefiedertem Papagei. Der sich prominent wölbende Bauch sowie das stattliche Gemächt werden von einer Stockente dargestellt. Es ist eine Synthese aus realistischer und phantastischer Welt. Uns vertraute, diesseitige Tiere metamorphosieren vor unserem Auge in ein Ungeheuer, ein befremdliches Wesen, das nicht von dieser Dimension ist.
Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass Arcimboldos Werk in den Zwanziger- und Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts von den Surrealisten und Dadaisten wiederentdeckt wurde. Sie sahen in den erfindungsreichen Vexierbildern visionäre Vorläufer ihrer eigenen Arbeit. Winfried Konnertz geht sogar so weit, in unserem Vogelfänger eine direkte Inspiration für Max Ernsts Serie der Horden zu sehen (vgl. Le Musée sentimental de Cologne, op.cit., S. 64). Tatsächlich befand sich das Gemälde ehemals im Besitz des Kölner Künstlers Robert Schuppner, einem engen Freund von Max Ernst. Wenn man Ernsts Barbaren von 1937, heute im New Yorker Metropolitan Museum, zum Vergleich heranzieht, ist man dazu geneigt, den vogelartigen Wesen im Bild Verwandtschaft mit unserer Kreatur zuzusprechen. Sie eint der Zwiespalt zwischen Vertrautem und Befremdlichem, der groteske Humor verbunden mit künstlerischem Spieltrieb, die Arcimboldo zum Meister seines Genres machten.

Provenienz: Sammlung Robert Schuppner (1896-1966), Köln.
Lempertz, Köln, Auktion am 26. November 1970, Los 12.

Literatur: Benno Geiger: Die skurrilen Gemälde des Giuseppe Arcimboldi (1527-1593), Wiesbaden 1960, Abb. 83 (als Giuseppe Arcimboldo).
Le Musée sentimental de Cologne. Entwurf zu einem Lexikon von Reliquien und Relikten aus zwei Jahrtausenden, Ausst.Kat. Kölnischer Kunstverein, Köln 1979, S. 64 mit Abb. (als Giuseppe Arcimboldo).
Winfried Konnertz: Max Ernst: Zeichnungen, Aquarelle, Übermalungen, Frottagen, Köln 1980, S. 219, Abb. 180 (als Giuseppe Arcimboldo zugeschrieben).
Il Bello e le bestie. Metamorfosi, artifici e ibridi dal mito all'immaginario scientifico, Ausst.Kat. Museo di Arte Moderna e Contemporanea di Trento e Rovereto (MART) 2004. Mailand 2004, S. 226 mit Farbabb. (als Giuseppe Arcimboldo).
Une Image peut en cacher une autre. Arcimboldo Dali Raetz, Ausst.Kat. Galeries nationales Grand Palais 2009, Paris 2009, S. 82, Kat. 49 mit Farbabb. S. 83 (als École de Giuseppe Arcimboldo).

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.

* Alle Angaben inkl. 23% Regelaufgeld ohne MwSt. und ohne Gewähr – Irrtum vorbehalten.


Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr

Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com

Impressum
Datenschutzerklärung
© 2021 Galerie Gerda Bassenge


Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr

Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com

Impressum
Datenschutzerklärung
© 2021 Galerie Gerda Bassenge