Los 2628

Karl V., röm.-dt. Kaiser
Brief 1553 an die Stadt Braunschweig

Zuschlag
6.000€ (US$ 6,897)

Los 2628 - Karl V., röm.-dt. Kaiser - Brief 1553 an die Stadt Braunschweig - 0 - thumb

Aus dem Katalog
Literatur und Autographen
Auktionsdatum 14.4.2021

Lot 2628, Auction  117, Karl V., röm.-dt. Kaiser, Brief 1553 an die Stadt Braunschweig

"friden, rhue, vnnd ainigkait"
Karl V., röm.-dt. Kaiser, als Karl I. auch König von Spanien, einer der mächtigsten Herrscher der frühen Neuzeit (1500-1558). Brief m. U. "carolus" (Signaturstempel?). 5 S. auf 2 Doppelbl. mit Adresse. Mitunterzeichnet (Paraphe) von Anton Perrenot Kardinal von Granvella. Folio. Diedenhofen 9.I.1553.
Umfangreicher politischer Brief an Bürgermeister und Rat der Stadt Braunschweig. Die selbstbewußte, wehrhafte Stadt, seit 1528 protestantisch, lag im Dauerkonflikt mit dem katholischen, unbeirrt kaisertreuen Herzog Heinrich dem Jüngeren von Braunschweig-Wolfenbüttel, der zwar 1542 durch Truppen des Schmalkaldischen Bundes vertrieben und später inhaftiert worden war, aber nach dem Sieg des Kaisers in der Schlacht bei Mühlberg 1547 zurückgekehrt und das Herzogtum, mit Ausnahme der rebellischen Stadt Braunschweig, gewaltsam zu rekatholisieren bemüht war. Zugleich zog Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach, der zuerst auf Seiten des Kaisers gekämpft, aber 1547 die Seiten gewechselt und den sog. Fürstenaufstand angezettelt hatte, mit einem Söldnerheer durch Franken und angrenzende Gebiete und plünderte die Bischofssitze und diverse Reichsstädte im sog. Zweiten Markgrafenkrieg. Daher sammelte sich unter dem Oberbefehl des Kurfürsten Moritz von Sachsen ein bundesständisches Heer, um dem jetzt auf protestantischer Seite agierenden Markgrafen entgegenzutreten. In dieser Situation hatte sich die Stadt Braunschweig an Karl V. gewandt und um friedenstiftende Maßnahmen gebeten. Der Kaiser antwortet mit dem vorliegenden, sehr ausführlichen Schreiben.
"... wissen Euch darauf gnediger Mainung nit zu verhalten, das wir gleichwol anfencklich bericht worden das solch Kriegsvolck fuernemblich wider vnns vnnd andere gehorsame Stende des hailigen Reichs, auch vnserm Vheind dem Konig von Franckreich zu guetem aufgebracht worden, wie sich dan gemelt Kriegsvolck In etlichen Iren Absag briefen außtrucklich auf gedachten Konig beruefft vnnd daruber nit allain berurten Hertzog Henrichen Sonder auch etliche anndere vnnsere und des hailigen Reichs Stende mit denen sie doch sonst in unguetem gar nichts zu schaffen gehabt, mit Brandtschatzung vnnd In annderweg gantz beschwerlich angegriffen, unnd beschediget haben solle ...
So habt Ir selbs leichtlich zugedencken, das vnnser hievor an Euch und anndere beschehne gnedige warnung, vnnd vermanungen, nit allain nit unzeitlich, sonder auch wir nochmals auf demselben also zuverharren nit geringe, sonder gantz notwendige vnvermeidliche vrsach haben. Dan wir seyen der gantz gnedigen Zuversicht, da sich Jemandts gedachts vnnsers Vheindts des konigs von Franckreich, one alle befuegte vrsach wider vnns anrennen, vnnd daruber auch anndere vndchuldige Stend, so sonst mit der sachen gar nichts, sonnder vil mer mit Inen selbs, vnnd gemainen des Hailigen Reichs obliegen zu schaffen, muetwilliger weise vberfallen vnnd In seinen anhang wider vnns als das Haupt dringen, vnnd nottingen wolt. Das Ir vnnd anndere gehorsame Stendt, vnnd Stett solchem nit allain kainen beyfall geben, Sonnder auch als vnnsern, vnnd des Reichs getreuen Vnderthanen wol ansteet, vnnd gepürt, auf die weg trachten helffen wurdet, dardurch das Hailige Reich Teutscher Nation, vnnd desselbigen gehorsame Stende In geliebten friden, rhue, vnnd ainigkait erhalten werden mogen.
Sofern es aber bey berurtem Kriegsvolck allain vmb das Zuthun, das die Obersten desselben vorhabens seind durch solche Kriegshandlung, das Irige von Herzog Henrichen widerumb zu bekhomen, darin hetten gleichwol vnnsers erachtens wol anndere vnnd glimpflichere wege ... gefunden werden mögen; Also das es dieser mercklichen vnrhue nit bedorffte, vnnd der armen Leüth darunder wol verschonet worden were.
Dan wie ganz statlich sich etlich Chur- vnd Fürsten, zum thail auf vnnser vorgeends Commission, vnd zum thail für sich selbs In die hanndlung geschlagen, vnnd allen moglichen fleyß angewendet, Ine Herzog Hainrichen nit allain mit den Herren, vnnd vom Adel so umb Recuperation Irer gueter bisher angehalten, Sonder auch mit Euch selbs guetlich zuvergleichen, vnnd zuvertragen ...". Ermahnt sie dann mit vielerlei Argumenten, sich mit dem Herzog zu einigen, und erklärt, dass er den Markgrafen Johann von Brandenburg-Küstrin (1513-1571) gebeten habe, sich als Vermittler zu betätigen. - Sieben Monate später wurde Albrecht Alcibiades bei Sievershausen in der blutigsten Schlacht der ganzen Reformationszeit von den Kaiserlichen geschlagen, so dass die mit ihm verbündete Stadt Braunschweig sich dem Herzog Heinrich unterwerfen und seine Landeshoheit anerkennen mußte. Der Sieg wurde mit schweren Opfern erkämpft: Unter den 600 gefallenen Adligen waren zwei Söhne Herzog Heinrichs und der Kurfürst Moritz von Sachsen. - Die Blätter des Briefes in späterer Zeit mit kleinem Nummernstempel versehen. Das gleichmäßige Schwarz der Signatur des Kaisers läßt vermuten, dass es sich hier um einen von ihm veranlaßten Signaturstempel handelt; jedenfalls entspricht unsere Version der zweiten der beiden bei Geigy-Hagenbach abgebildeten üblichen Unterschriften des Kaisers. - Gut erhaltener, großer und wichtiger Brief Karls V. in seinem Bemühen, die unversöhnlichen europäischen Parteien in den Wirren der Reformationskriege zu Friedensverhandlungen zu bewegen.

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