Los 8018

Klee, Paul
"Landschafts scizze anlässlich einer Bestellung des Compagnie-Chefs"

Zuschlag
15.000€ (US$ 17,241)

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Aus dem Katalog
Moderne Kunst Teil I
Auktionsdatum 28.11.2020

Lot 8018, Auction  116, Klee, Paul, "Landschafts scizze anlässlich einer Bestellung des Compagnie-Chefs"

"Landschafts scizze anlässlich einer Bestellung des Compagnie-Chefs"
Feder und Pinsel in Braun auf Velin, auf Karton aufgezogen. 1917.
10,6 x 21,2 cm.
Oben rechts mit Feder in Schwarz signiert "Klee", links davon mit Bleistift datiert, auf dem Unterlagekarton im Unterrand mit Feder in Schwarz betitelt und links mit der Werknummer "1917/153".
Catalogue Raisonné, Bd. II,1913-1918, Berlin 2000, S. 431 (mit Abb.).

Was für ein Kompagniechef! Mitten im Krieg bestellt er bei einem der bedeutendsten deutschen Expressionisten, der gerade als Schreiber an der Fliegerschule V im bayerischen Gersthofen eingesetzt ist, eine Skizze dieses unwirtlichen Hügelgeländes. Struppige Nadelbäume stehen vereinzelt, manche schief und schräg, eine unwirklich riesenhafte Sonne steht tief am Horizont, umschwebt von feinen Schleierwolken. Die mit lockerem Federstrich gezeichnete Ansicht scheint nur auf den allerersten Blick eine Wiedergabe des Gesehenen. Die von Kämpfen verwüstete Natur evoziert eine beinahe unheimliche Stimmung, und im geistigen Bild erscheint uns die auf- oder untergehende riesige Sonne wie ein roter Feuerball. Der Sonnenkreis taucht als Motiv des nicht fassbaren, endlosen Universums immer wieder in Klees Gemälden und Zeichnungen auf, als Urelement für das Leben, als Energiezentrum und Symbol ewiger Sehnsucht. Klee lässt mit seiner Kunst etwas Neues entstehen, ein inneres Bild findet seinen Weg auf das Zeichenpapier. So notiert er 1923: „Wir stehen aufrecht in der Erde verwurzelt / Ströme bewegen leicht uns hin und her / frei ist nur die Sehnsucht dorthin: zu Monden und Sonnen." (zit. nach: Christina Thomson, in: Das Universum Klee, Ausst.-Kat. Nationalgalerie Berlin, Ostfildern 2008, S. 88). Während die "Landschafts scizze" also die Verheerungen des Krieges zeigt, bietet sie zugleich auch eine Zuflucht von der Wirklichkeit. Uns ebenso wie Klee. Die Erwartungen des "Compagnie-Chefs" mag das Blatt nicht erfüllt haben, denn es bleibt zunächst im Besitz des Künstlers und wird von ihm bald, wahrscheinlich um 1918, als Zeichen seiner Wertschätzung auf Karton aufgezogen und mit Titel und Werknummer versehen.
Paul Klee steht 1917, als unsere „Landschafts scizze“ entsteht, vor seinem künstlerischen Durchbruch. Nach der erfolgreichen Ausstellung in Herwarth Waldens Berliner Galerie "Der Sturm" ist Klee für Theodor Däubler "nach Marcs Tod der bedeutendste Maler der expressionistischen Richtung" (Paul Klee, Das Frühwerk 1883-1922, Ausst.-Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 1979, S. 192). Im Gegensatz zu seinen Malerfreunden August Macke und Franz Marc, die 1914 bzw. 1916 gefallen waren, muss Klee die Grausamkeiten des Krieges nicht an der Front erleben. Er wird erst 1916 eingezogen und kann 1917 als Schreiber in seiner Freizeit zeichnen, gelegentlich sogar im Auftrag seiner Vorgesetzten, wie unsere Zeichnung beweist. "Ich sitze ja warm und sicher", notiert er. "Ich habe diesen Krieg längst in mir gehabt. Daher geht er mich innerlich nichts an." (Tagebucheintrag 1090 vom 27.10.1917 und 952, 1915, zitiert nach: Paul-Klee-Stiftung (Hrsg.), Paul Klee, Tagebücher 1898-1918, Stuttgart u.a. 1988, S. 447 u. 366).

Provenienz: Sturmkollektion, Dezember 1917
Sammlung Braun
Klipstein und Kornfeld Bern, 1963
Elfriede Wirnitzer, Baden-Baden, nach 1963
Hermann Kunst, Bonn
Galerie Gerda Bassenge, Berlin 1994
Galerie Rosenbach, Hannover
Privatsammlung Hannover
Thole Rotermund Kunsthandel, Hamburg, mit dessen Klebeetikett auf der Rahmenrückseite

Literatur: Paul-Klee-Stiftung (Hrsg.), Paul Klee. Catalogue Raisonné, Bd. II,1913-1918, Berlin 2000, S. 431 (mit Abb.)
Hans Konrad Roethel, Paul Klee in München, Bern 1971, S. 114 (Abb. S. 115)

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.

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