Los 2625

Lenard, Philipp
20 Briefe und Postkarten+ Beilagen

Schätzung
8.000€ (US$ 8,889)

Abgabe von Vorgeboten möglich

Los 2625 - Lenard, Philipp - 20 Briefe und Postkarten+ Beilagen - 0 - thumb

Aus dem Katalog
Literatur und Autographen
Auktionsdatum 7.10.2020

Lot 2625, Auction  116, Lenard, Philipp, 20 Briefe und Postkarten+ Beilagen

Hass auf Albert Einstein
Lenard, Philipp, österr.-dt. Physiker, Nobelpreisträger, Direktor des Instituts für Physik und Radiologie in Heidelberg, Rechtsextremist und fanatischer Antisemit (1862-1947). Sammlung von 13 eigh. Briefen, 1 eigh. Briefkarte und 6 eigh. Postkarten. Zus. ca. 381/2 S., eng beschrieben. Gr. 4to, 4to, gr. 8vo und 8vo. Heidelberg 1.IV.1910 - 16.XI.1933.
An den Physiker-Kollegen Carl Ramsauer (1879-1955), zu dieser Zeit Ordinarius für Experimentalphysik an der Technischen Hochschule Danzig. Umfang- und inhaltsreiche Briefe, in denen aktuelle physikalische Forschungsergebnisse einschließlich der eigenen Arbeiten über Kathodenstrahlen erörtert werden, aber auch wissenschaftspolitische Themen wie die geplante Vereinigung des "Jahrbuchs der Radioaktivität und Elektronik" mit der von Max Born und Peter Debye geleiteten "Physikalischen Zeitschrift". Lenard wendet sich vehement dagegen, und zwar hauptsächlich wegen des "jüdischen Geistes" der Zeitschrift. Diese Haltung Lenards zieht sich wie ein roter Faden durch seine Briefe und Postkarten: ein wütender Hass auf Albert Einstein und dessen Befürworter Max Planck sowie auf das Judentum im allgemeinen. Dabei versteigt er sich zu wüsten Beschimpfungen, deren Vokabular dem "Stürmer" entnommen sein könnte. Einige Zitate, beginnend mit dem Jahr 1918: "... Wenn der Krieg gut ausgeht, wie es sein soll, eröffnen sich doch gar viel neue Möglichkeiten; man denke nur an die Baltischen Provinzen, Bulgarien, Türkei, was alles viel deutsche Kräfte verlangen und unter gute Umstände einsetzen wird, wenn Deutschland Kraft und Macht gezeigt und behauptet hat. Anderes wird noch hinzukommen bei einem Hindenburg-Tirpitz-Frieden. - Vor allem möchte ich doch sagen, dass ich Ihre akademischen Aussichten für durchaus gut halte ... Die Berliner und Göttinger Ausländerei (auch internationales Judentum scheint dabei recht beteiligt) werden zweifellos auch noch um so mehr Andere, denen die Augen aufgegangen sind, ausser mir bekämpfen, je besser sowohl Lehre als Erfolg dieses Krieges sein werden [Heidelberg 22.IV.1918] ... Nur in Eile wollte ich Ihnen gleich danken für die Mitteilungen und vor allem in der Einstein-Sache nichts versäumen. Es gibt für alle die von Ihnen bemerkten Punkte untrügliche, maassgebliche Beweisstücke in Zeitungen, meist unmittelbar aus Herrn E.'s Feder ... Ich habe ... sogleich an Professor Gehrcke geschrieben, der derlei sammelte, und ausserdem an Justizrat Dr. Class, Vorsitzender des 'Alldeutschen Verbandes', und beide gebeten, alles aufzutreibende Material direkt Ihnen zuzusenden ... Vor 10 Tagen habe ich hier einen Vortrag über die Rel Th. [Relativitäts-Theorie] in überfülltem gr. Hörsaal gehalten auf Aufforderung des D. nat. Handlungsgehilfen-Verbandes, wobei auch die Alldeutschen und der Schutz- u. Trutzbund eingeladen waren. Die Wirkung war ersichtlich gut. - Ich lege auch etwas aus letzter Zeit über den Berliner Mediziner Nicolai bei, mit dem Hr E. sehr innig steht (ebenso wie mit einem der russischen Mordjuden, der übrigens auch bei Rathenau aus u. ein geht), was gut nachweisbar sein muss ... Es wäre überhaupt Zeit, den Mann zusammenfassend öffentlich zu entlarven als 'Deutschen' (damit auch den Geist der Berliner Akademie, der gründlich ihr törichter Fach-Schädel gewaschen gehörte) [3.III.1922] ... Zur Einstein-Sache hoffe ich, dass Sie Material erhalten haben. Die Geschäftsstelle des 'Alldeutschen Verbandes' hat sogleich an 3 andere Stellen unsere Bitte weitergegeben: Hammerverlag, 'D. völk. Schutz- u. Trutzbund' und 'Deutsche Zeitung' ..." [17.III.1922]. Über Ramsauers "eben erscheinende Edelgas-Arbeit": "... Finde sie wieder gut geschrieben mit Ausnahme der Behandlung des Herrn James [Franck], die mir selbst jetzt, nach Hinzufügung des von mir vorgeschlagenen Schlusssatzes ... zu milde - fast oder sogar irreführend mild - vorkommt. Ich fürchte der Gestank des Juden-Schweinestalls wird uns erstickt haben, ehe wir die nötigen Ausräucherungsmittel und Gasmasken uns angeschafft haben werden. Siehe doch Rathenau. - Dass es Ihnen gelungen ist, den Einstein-Unfug von Danzig fern zu halten, ist ein grosses Verdienst [5.IV.1922] ... Ich bitte um Sendung des Einstein-Juden-Blättchens, das ich als Material zur Verfügung gestellt hatte; es wird mir jetzt vonnöten sein ... Ich möchte die Sachen bei der Hand haben, weil bei der 'Deutschen' Phys. Ges. in Leipzig wieder eine Juden-Pest-Beule aufgehen soll im Herbst (grosser Einstein-Rummel). Der deutsche Vorsitzende hat die Pest eben doch nicht heilen können. Ob es ihm gelingt in Würzburg James (!) Franck als seinen zweiten Nachfolger zu verhindern, ist auch wohl noch nicht ganz sicher ... Der Judeneinfluss ist überall so intensiv und missbraucht wissenschaftlichen Standpunkt so gröblich (wie z. B. Sommerfeld u. sein Buch und viele seiner Rassegenossen, die tun als wäre vor und ausser Einstein, Franck usw gar nichts da), dass dagegen offenbar ... nicht mehr anders aufzukommen ist, als indem man die Einseitigkeit des planmässigen Einander-Hochlobens dieser Sippe an Beispielen offen aufdeckt [15.V.1922] ... Was die Berufungsangelegenheiten betrifft, so habe ich nicht so viel Einfluss als wir wohl zuerst dachten. Planck ist noch immer stark am Werk, und so ziehe ich mich so weit zurück als ich in Ruhe gelassen werde und wohl auch noch weiter. Möge dieser Haupt-Pfleger des Judengeistes alle Verantwortung haben für Alles, was er schon in Jahrzehnten angerichtet hat ..." [3.X.1933]. - Nennt viele weitere Fachkollegen, erörtert Berufungs- und andere Universitäts-Angelegenheiten sowie Aufsätze in Fachzeitschriften. - Beiliegend die Durchschrift eines Briefes von Lenard an den Vorsitzenden der "Deutschen Physikalischen Gesellschaft", Max Wien in Jena, mit der Beschwerde darüber, dass im neuesten Heft der Gesellschaft ein Aufsatz in englischer Sprache erschienen sei (9.V.1925); 3 handschriftliche Konzepte Ramsauers zu Briefen an Lenard; 1 eigh. Brief (Heidelberg 8.IV.1947) der Physikerin Isolde Hausser, Abteilungsleiterin am Kaiser-Wilhelm- (Max-Planck-) Institut für medizinische Forschung in Heidelberg (1889-1951), an Ramsauer mit Auskünften über Philipp Lenards Adresse und den Tod seiner Frau . - Die Tatsache, dass ein Mann, der seinen aggressiven Antisemitismus so öffentlich zur Schau stellte, für den Nobelpreis ausgewählt wurde, liegt wohl einerseits daran, dass dies bereits 1905 geschah, andererseits, dass einer solchen Haltung in der Gesellschaft seiner Zeit von einer Mehrheit nicht ernsthaft widersprochen wurde. - Erschütternde Dokumente zu Hass und Mißgunst selbst auf so neutral scheinendem Gebiet wie der physikalischen Wissenschaft.


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