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Fontane, Theodor
Brief 1896
Los 2017

Zuschlag
400€ (US$ 392)

Details

- Eigh. Brief m. U. "Th. Fontane". 1 S. 8vo. Berlin 1.I.1896.
An einen Herrn, dem er für Geburtstagsglückwünsche herzlich dankt und diese "durch aufrichtige Wünsche zum neuen Jahr" erwidert.

Fouqué, Friedrich de la Motte
Signiertes Gedicht 1830
Los 2018

Zuschlag
480€ (US$ 471)

Details

Fouqué, Friedrich Baron de la Motte, märkischer Dichter der Romantik (1777-1843). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "FM Fouqué". 3/4 S. 4to. (Wohl Nennhausen 1830).
Familiärer "GeburtsTagGruß Zum Neunten August 1830." Drei Strophen zu je fünf Zeilen: "... Was suchte Wolk und Regen hier /Am heitern Feiertag? / Er galt dem Sohn, dem Kürassier, / Dem er das Exerzieren brach, / Und frei zum Fest ihn sprach ...". Offenbar war der Kürassier wegen schlechten Wetters vom Exerzieren befreit, doch stellte sich zum Geburtstag Sonne ein. Regen und Sonnenschein werden dann von Fouqué als Bild gedeutet, "wie Tochterblick am Heimaths Heerd / Ein Mutterherz verklärt."

Lot 2019, Auction  107, Freiligrath, Ferdinand, Signiertes Porträtfoto 1862

Freiligrath, Ferdinand
Signiertes Porträtfoto 1862
Los 2019

Zuschlag
260€ (US$ 255)

Details

Freiligrath, Ferdinand, Lyriker und Übersetzer, politischer Dichter, Mitarbeiter von Karl Marx, emigrierte nach London (1810-1876). Porträt-Photographie mit eigh. Signatur "F. Freiligrath" und Datum auf der Rückseite. Visit-Format (9,4 x 6 cm). (London) Juni 1862.
Die Aufnahme des Londoner Photographen C. Gilvy zeigt den Dichter in ganzer Figur, in einem Armsessel am Tisch sitzend, gedankenvoll die rechte Hand ans Kinn führend. - Leichte Flecken und Gebrauchsspuren. - Selten.

Frenzel, Karl
Konvolut von 6 Briefen und 1 Gedichtmanuskript
Los 2020

Zuschlag
120€ (US$ 118)

Details

Frenzel, Karl, Berliner Schriftsteller, bedeutender Feuilletonist und Theaterkritiker, 46 Jahre lang Feuilletonredakteur der "Nationalzeitung" und 40 Jahre lang Literatur- und Theaterkritiker der "Deutschen Rundschau" (1827-1914). Konvolut von 6 eigh. Briefen und 1 eigh. Gedichtmanuskript m. U. "Karl Frenzel". Zus. ca. 5 1/2 S., in mikroskopisch kleiner Schrift. Berlin 1861-1901.
An verschiedene Adressaten, jeweils in literarischen Angelegenheiten. Einer Schriftstellerin in Dresden, die ihm ihr neuestes Buch schicken und ihn zugleich wegen eines geeigneten Widmungstextes um Rat fragen wollte, erteilt er Ratschläge. "... So viel hab' ich in Ihrer Widmung kreuz und quer gestrichen, daß ich Sie bitten muß, dieselbe noch einmal abzuschreiben, so wird kein Setzer daraus klug. Schicken Sie das Blatt dann mit einem groben Briefe an Janke, weder mir noch irgendeinem berliner Journalisten ist Ihr Buch zugegangen, wenn man nicht mit der Peitsche hinter diesen Burschen steht, geht's nicht. Ich gebe zwar im Gegensatz zu Gutzkow kaum einen Strohhalm auf die löbliche Kritik - das aber entschuldigt einen Buchhändler gar nicht, zur rechten Zeit gesprochen kann ein gutes Wort immer die öffentliche Aufmerksamkeit auf ein Buch lenken. Was ich bin? fragen Sie freundlichst. Buddhist, liebe Freundin, ich halte das Leben nicht der Mühe wert, die wir uns mit ihm geben. - Daß Sternberg auch an Winckelmann arbeitet, ist allerdings fatal, ein Buch raubt dem andern die Theilnahme ...". Empfiehlt ihr eindringlich als Romanstoff den angeblich von Jesuiten ermordeten Papst Clemens XIV., vormals Giovanni Ganganelli: "... Aufhebung der Jesuiten, Kaiser Joseph II. in Rom, Cagliostro, die Idee eines wirklichen letzten Papstes, nicht nur phantastisch, wie bei Gutzkow - eine sagenerfüllte Herkunft usw. man kann sich nichts besseres wünschen ...". - Einem Freund beurteilt er das Manuskript einer im Stile Felix Dahns gehaltenen Tragödie: "... Die ostgothischen Reckengestalten, die wir uns beim Lesen des Romans sehr wohl vorstellen können, müssen ja auf der Bühne zu mehr als fragwürdigen Figuren zusammenschrumpfen ...". - Einem Professor schreibt er: "Ihren Aufsatz über Gutzkows erste Liebe habe ich mit großem Interesse gelesen und werde ihn im Laufe des April in der Sonntagsbeilage der National-Zeitung zum Abdruck bringen. Sehr bemerkenswerth war für mich die Beziehung, die Sie zwischen der Lucinde des Zauberers, der Seraphine und der realen Leopoldine herstellen ... Das ... Urbild Lucindens war ein Fräulein Luise von Bornstädt, die Gutzkow Mitte der fünfziger Jahre in Dresden kannte. Eine alte Jungfer um die Mitte der vierzig, Dichterin, die eine abenteuerliche Jugend hinter sich hatte ...". - Einem Fräulein in Frankfurt sendet Frenzel ein signiertes Gedicht "Nach dem Ball" und bemerkt dazu: "Vielleicht genügt das anliegende Blatt Ihrem so liebenswürdig ausgesprochenen Wunsche; wenigstens werden Sie dann zu den außerordentlich wenigen Menschen gehören, die ein Gedicht von mir besitzen ...".

Freytag, Gustav
Brief 1853 an Fr. Gerstäcker
Los 2021

Zuschlag
600€ (US$ 588)

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Über den Herzog von Coburg-Gotha
Freytag, Gustav, Schriftsteller und Publizist (1816-1895). Eigh. Brief m. U. "Freytag" sowie mit Adresse und Siegelspur. 21/2 S. Gr. 8vo. Siebleben bei Gotha 5.VIII.1853.
An den Schriftsteller-Kollegen Friedrich Gerstäcker ("gegenwärtig in Europa zu Plagwitz"). "... Der Herzog von Coburg-Gotha hat den lebhaften Wunsch, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen. Er hat von (nicht de te, sondern a te) Ihnen gelesen, interessirte sich lebhaft für Ihre Reisen u. hat sich in diesem Frühjahr sehr viel u. genau nach Ihnen erkundigt. Mich hat er beauftragt, diese persönliche Bekanntschaft zu vermitteln ... Der Herzog ist vom 11ten A. bis gegen Ende des Monats in Reinhardsbrunn u. wir haben von mir aus jeden Tag Gelegenheit ihn zu sprechen. Ich wage Sie zu mir zu bitten, weil ich annehme, daß Sie so am bequemsten u. ungenirtesten den Fürsten kennen lernen, wenn Sie mit mir zu ihm herausfahren. Und es würde Sie nicht reuen seine Bekanntschaft gemacht zu haben, denn er ist ein sehr liebenswürdiger u. gescheuter Herr, der selbst viel Reisen gemacht hat, ein großer Jäger und enthusiastisch für interessante Begebenheiten u. selbstständige Menschen ... Ich bin in der einen Sorge, daß Sie nicht kommen werden, weil Ihnen die Entfernung von Leipzig nach Gotha ehrenrührig gering vorkommt, es ist gegen Ihr Selbstgefühl überhaupt so kurze Strecken zu reisen ... Sehr ungenirt! Keine Gène u. Hofzeremoniell, mein theurer Comanche! ...". - Die bürgerliche Attitüde des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha verursachte bekanntlich zuweilen "Naserümpfen" unter den deutschen Fürsten. - Am Siegel-Ausriss etwas fleckig von einstiger Reparatur mit Tesafilm.

Frisch, Max
Brief 1966 an Ingeborg Schnack
Los 2022

Zuschlag
180€ (US$ 176)

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Frisch, Max, Schweizer Schriftsteller (1911-1991). Masch. Brief mit eigh. U. "Max Frisch". 2/3 S. Gr. 4to. Berzona 7.VI.1966.
An die Bibliothekarin und Historikerin Dr. Ingeborg Schnack in Marburg, die ihn zu einer Dichterlesung eingeladen hatte. "... es wird immer schlimmer. Mein dringendstes Bedürfnis: nicht an einem öffentlichen Pult zu stehen. Wenn nicht arbeiten, dann lesen; wenn nicht lesen, dann trinken oder Gespräch oder schwimmen, auch Pingpong. Ich verbringe jetzt mein überreifes Mannesalter mit schroff-höflichen Absagen, mit inständigen Bitten um Nachsicht, zunehmend vorsichtig mit Versprechen auf lange Sicht; es hat sich nämlich herausgestellt, dass das nächste Jahr, wenn es da ist, genau so kurz ist wie das laufende ...".

Gentz, Friedrich von
Brief 1819
Los 2024

Zuschlag
280€ (US$ 275)

Details

Gentz, Friedrich von, dt.-österr. Politiker und Publizist, Staatstheoretiker, Berater Metternichs (1764-1832). Eigh. Brief m. U. "Gentz". 11/3 S. 4to. Karlsbad 25.VIII. (1819).
An einen Herrn, dem er ein Paket Manuskripte als für seine Zeitschrift unbrauchbar zurückschickt. "... Ob ich gleich keinesweges gar wünsche, unsere bisherige Communication abzubrechen, so muß ich doch E. Wohlgeboren ergebenst bitten, mir künftig nur solche Artikel, die ich entweder selbst antrage (diese dann aber auch in möglichst kurzer Zeit) oder solche, die in irgend einem - guten oder bösen - Sinne ein schon anerkanntes Interesse haben, oder aber großes Aufsehen machen, gefälligst zu übersenden. Schriften über franz. Administration pp die doch in der Regel nicht viel bedeuten, und die ich bey meiner durch Geschäfte äußerst beschränkten Zeit nicht lesen kann, taugen nichts für mich ...".

Glassbrenner, Adolf
2 Briefe 1848, 1871
Los 2025

Zuschlag
800€ (US$ 784)

Details

Glassbrenner, Adolf, Berliner politischer Schriftsteller, Satiriker und Publizist, Herausgeber der "Berliner Montags-Zeitung" (1810-1876). 2 eigh. Briefe m. U. "Ad. Glassbrenner". Zus. 2 S. Gr. 8vo. Berlin 5.X.1848 und 24.X.1871.
An Dr. Hermann Kletke, Chefredakteur der Vossischen Zeitung in Berlin, jeweils mit der Bitte, von Glassbrenner eingesandte Notizen in die Vossische Zeitung aufzunehmen: einen Bühnenerfolg seiner Frau, der Schauspielerin Adele Peroni-Glassbrenner (1848), bzw. eine "Schiller-Notiz" aus seiner "Montags-Zeitung" sowie einen Bericht, den ihm der Polizeipräsident v. Wurmb mit dem Ersuchen gesandt habe, ihn zum Druck zu befördern (1871). - Beide mit Briefkopf "Redaction der Berliner Montags-Zeitung".

Lot 2026, Auction  107, Goethe, Johann Wolfgang von, Eigenhänd. Billet 1816

Goethe, Johann Wolfgang von
Eigenhänd. Billet 1816
Los 2026

Zuschlag
4.200€ (US$ 4,118)

Details

Goethe, Johann Wolfgang von, Dichter, Naturforscher und Staatsmann (1749-1832). Eigh. Billet m. U. "G.". 1 S. (Doppelblatt). Quer-schmal-8vo. Auf ein mit grüner Seide bezogenes Kartonblatt montiert. (Weimar) 11.I.1816.
An den Weimarer Hofkapellmeister August Eberhard Müller (1767-1817). "Da wir die schöne Stimme des H. Eduard Genast noch in Reserve haben; so sollten wir diese Blätter nicht nur beybehalten, sondern dem Priester Liede mehr Extension geben. G." - Sophien-Ausgabe 4. Abt., 26. Bd, Nr 7266 (ungenau). - Auf der Rückseite des Untersatzkartons ist ein Ausschnitt aus einem alten Antiquariatskatalog mit der Beschreibung des Blattes montiert, in der - wohl nach der Sophien-Ausgabe - der Hofkammerrat und Hoftheater-Verwaltungsdirektor Franz Kirms als Adressat angegeben ist. Doch findet sich auf der schwer zugänglichen Rückseite des ersten Blattes ein Vermerk von alter Hand: "Goethe hat dieses Billet an den Kapellmeister A. E. Müller geschrieben". Da es plausibel erscheint, daß bei einer musikalischen Einstudierung eher der Hofkapellmeister als der Verwaltungsdirektor tätig ist, kann also hier die Sophien-Ausgabe korrigiert werden. - Am 7. und 8. Februar wurde in Weimar Goethes musikalisch-patriotisches Festspiel "Des Epimenides Erwachen" aufgeführt, das im 9. Auftritt des 2. Aktes auch das Lied eines Priesters enthält. - Der Untersatz an den Rändern fleckig.

Goethe, Johann Wolfgang von
Brief 1820
Los 2027

Zuschlag
3.800€ (US$ 3,725)

Details

- Brief m. U. "ergebenst JWv Goethe". 2 S. 4to. Weimar 11.XI.1820.
An den Buchändler und Verleger Carl Friedrich Ernst Frommann (1765-1837) in Jena, "für freundliche Zuschrift und Sendung schönstens dankend und die erhaltenen 8 Velinpapier / 12 Schreibpapier Morphologie pp. I.3. quittirend vermelde, daß auf erhaltenen Brief des Herrn von Cotta, welcher den Abdruck der Wanderjahre billigt, sogleich einen ziemlichen Theil des Manuscriptes in Ordnung gebracht, wie denn etwa zu 12 gedruckten Bogen vorräthig liegen mag. Das Ganze möchte wohl über dreysig Bogen betragen; der Anfang kann nach Belieben geschehen. Die Revision vom Bogen 4. Kunst und Alterthum, folgt zugleich zurück, die beyden folgenden erwarte und an fernerem Manuscript soll es nicht fehlen. - Hofrath Meyer ist angekommen, sehr zufrieden von seinem Berliner Aufenthalt, voll Verwunderung über dortige Kunstschätze und Kunstthätigkeit; davon wird denn manches zur Sprache kommen. - Die Meinigen hab ich wohl angetroffen und gar manche häusliche Bequemlichkeit gefunden, doch vermiße die Aussicht auf die Berge und gute Nachbarschaft ...". Ferner über die Erkrankung der Großherzogin. - "Vermisse die Aussicht": Goethe hatte sich vom 20. Oktober bis 3. November in Jena aufgehalten. Bei Frommann wurden Goethes Werke für den Cotta-Verlag gedruckt. Das Haus des Verlegers war nach 1800 der literarische Mittelpunkt Jenas, und Goethe lernte dort Frommanns Pflegetochter Minna Herzlieb kennen. - Sophien-Ausgabe 4. Abt., 34. Bd., Nr 10 (ungenau).

Lot 2028, Auction  107, Carus, Carl Gustav, Brief + Beigaben

Carus, Carl Gustav
Brief + Beigaben
Los 2028

Zuschlag
450€ (US$ 441)

Details

- Carus, Carl Gustav, Freund Goethes, Arzt, Naturforscher, Philosoph, Schriftsteller und Maler (1789-1869). Eigh. Brief m. U. "Carus" und Adresse. 1 S. 8vo. (Dresden, wohl 1851).
An den Maler Karl Christian Vogel von Vogelstein, Professor an der Dresdener Akademie (1788-1868). "Der mir von Quetelet in Brüßel sehr empfohlene Maler Herr Valerio aus Paris wird Mittwoch mit uns eßen und seine interessanten Aquarell Bilder mitbringen. Es würde uns nun sehr freuen, wenn Sie, verehrter Herr und Freund, dabei uns auch das Vergnügen Ihrer Gegenwart schenkten. Wir würden wegen der kurzen Tage 1/2 2 eßen damit man nachher noch zur Betrachtung der Zeichnungen Licht hätte ...". - Der belgische Astronom und Statistiker Adolphe Quetelet (1796-1874) gilt als Begründer der Sozialstatistik. Der auf ethnographische Themen spezialisierte Maler Théodore Valério (1819-1879) bereiste Deutschland 1836 und 1851. - Beiliegend Carus' gedruckte Visitenkarte mit handschriftlichem Zusatz: "Dem verehrten Jubilar und lieben alten Freund sendet [Hofrath Dr. Carus] mit Frau und Schwester beifolgendes Ruheplätzchen für Pillnitz zum recht langen Gebrauch!" - Ferner beigegeben ein eigh. Rezept des Arztes Carus für den Grafen Bose ("Spirit. scl. amoniac ... zum Riechen"), unterzeichnet "DC" (für "Doctor Carus"), Dresden 25.IX.1861.

Lot 2029, Auction  107, Eckermann, Johann Peter, Brief 1823

Eckermann, Johann Peter
Brief 1823
Los 2029

Zuschlag
3.600€ (US$ 3,529)

Details

Eckermann und die Theatromanie
- Eckermann, Johann Peter, Schriftsteller, Goethes enger Vertrauter und Mitarbeiter, Herausgeber seiner berühmten "Gespräche mit Goethe" (1792-1854). 2 eigh. Briefe, einer m. U. "Eckermann". Zus. 191/2 S. 4to. Hannover 1.II.1823 bzw. Empelde bei Hannover 17.II.1823.
Sehr umfangreiche und frühe Briefe Eckermanns, geschrieben, noch bevor er (vier Monate später) zum ersten Mal Goethe begegnete. Beide Schreiben an einen Bekannten in Weimar, wegen eines schwer erziehbaren jungen Mannes mit Drang zum Theater, den Eckermann vier Jahre lang pädagogisch betreut hatte. Schließlich hatte er jedoch seine erfolglosen Bemühungen aufgegeben und den aufsässigen Knaben an dessen schwer geprüfte Familie nach Hannover zurückgeschickt. Doch war der Theaterbegierige offenbar daraufhin in Weimar aufgetaucht, und auf diese Nachricht antwortet Eckermann mit dem zweiten der vorliegenden Briefe, der nicht weniger als 12 Quartseiten umfaßt: "... möchte ich Ihnen zunächst meine freudige Theilnahme darüber zu erkennen geben, daß ein mitunter liebenswürdiger junger Mensch glücklich aus Ihrer Nähe gebracht ist, dessen Leichtsinn und ungebärdiges Wesen überall Mühe und Verwirrung anrichtet wohin er nur tritt. Ich kann dieses mit voller Überzeugung aussprechen indem ich seit den vier Jahren daß ich mich seiner Leitung angenommen, nur Erfahrungen solcher Art an ihm gemacht, nichts als unsägliche Last an ihm gehabt habe und in meinen eigenen Bestrebungen auf das unangenehmste fortwährend durch ihn behindert worden ... Eine so erregbare Natur wie Sie zu seyn scheinen ist für ein Naturell wie das des bewußten jungen Mannes nicht gemacht. Dieses bey mir selbst fühlend war ich schon früher willens Ihnen das ganze Verhältniß unmittelbar aufzudecken und ich hätte es auch sicher gethan, wenn es mir nicht möglich geworden wäre im Namen der Mutter alles abzumachen. Nun ist es gut daß die Sache ein so baldiges und so erwünschtes Ende genommen hat ...".
Es folgt dann über 9 Seiten eine geradezu in Romanform abgefaßte Schilderung Eckermanns von seiner letzten Begegnung mit dem jungen Mann, der unbedingt zum Theater wollte, sich auf Eckermanns Empfehlung und mit dessen Geld nach Braunschweig begab, um sich bei dem dortigen Theaterdirektor Ernst August Friedrich Klingemann zu bewerben, aber abgewiesen wurde und sich daraufhin der Sophie-Waltherschen Wandertruppe anschloß. - In verschiedener Hinsicht höchst interessanter Brief: Es handelt sich um ein sehr frühes Schreiben Eckermanns, noch vor der Bekanntschaft mit Goethe; die sehr umfangreiche psychologische Studie verrät viel über Eckermanns Wesen und Charakter; er zeigt ferner, daß Eckermann durchaus zu literarischer Arbeit, ja zu spannender Erzählung fähig ist. Und schließlich deutet er auch die ärmliche wirtschaftliche Situation des Schreibers an: das billige, etwas gebräunte Papier, das er zum Schreiben benutzt, neigt dazu, an den Querfalten einzureißen, wie dies auch hier leider der Fall ist. - Der erste Brief (1. Februar 1823) ist zwar in Eckermanns Handschrift, aber - aus Hannover - offenbar im Auftrag der Mutter des rebellischen Zöglings geschrieben, die als "Ihre ergebenste Dienerin B. Kiesewetter" unterzeichnet, gleichfalls ausführlich die Probleme mit dem jungen Mann schildert und die "unsägliche Mühe" bedauert, die dem Adressaten und seiner Frau mit dem schwierigen Jungen entstanden sei. - Bei Eckermanns eigenem Brief die Querfalten weitgehend durchgetrennt.

Lot 2030, Auction  107, Herzlieb, Wilhelmine, Brief an Friedrich Frommann

Herzlieb, Wilhelmine
Brief an Friedrich Frommann
Los 2030

Zuschlag
1.200€ (US$ 1,176)

Details

- Herzlieb, Wilhelmine (gen. Minchen, verheir. Walch), Ziehtochter des Verlegers Frommann in Züllichau, von Goethe (und anderen) poetisch angeschwärmt, möglicherweise das Vorbild für die Ottilie in Goethes "Wahlverwandtschaften" (1789-1865, starb in geistiger Umnachtung). Eigh. Brief m. U. "Deine Minna" sowie mit Adresse und Siegel "W". 1/2 S. 4to. O. O. u. D. [wohl Jena um 1830].
An ihren Pflegevater, den Jenaer Buchhändler Karl Friedrich Frommann (hier in Leipzig) mit der Bitte, für Frau von Ziegesar [Luise Freifrau von Z., geb. von Stein, frühere Hofdame der Herzogin Anna Amalia], in deren "freundlichem Stübchen" sie sitze, Kleiderstoff aus Leipzig mitzubringen. "Du erlaubst wohl mein lieber Vater daß ich Dir im Nahmen unserer lieben Frau von Zigesar eine Bitte thue, ungeachtet Du schon mit einem Fuß im Wagen bist; aber sie wünscht es so sehr, daß Du ihr von beiliegender Probe noch 21/2 E[llen] von Holberg bringen oder schicken mögtest, sie muß sie noch zum Kleide daß sie auch von Holberg hat haben ...". - Selten.

Goncourt, Edmond de
Brief 1895 an Albert Carré
Los 2031

Zuschlag
160€ (US$ 157)

Details

Goncourt, Edmond de, franz. Schriftsteller, gilt gemeinsam mit seinem Bruder als Mitbegründer des literar. Naturalismus, Namensgeber des "Prix Goncourt" (1822-1896). Eigh. Brief m. U. "Edmond de Goncourt". 2/3 S. 8vo. O. O. 9.VII.1895.
An den Schauspieler, Regisseur und Librettisten Albert Carré (1852-1938). "... Janvier est venu ces Temps derniers, me demander de vous le recommander, et - je crois vraiment qu'on pourrait utiliser son Talent dans Manette Salomon. Ne serait-ce pas votre sentiment, et qu'en pense Porel? ...". - Der zweibändige Roman "Manette Salomon" der Brüder Goncourt war 1867 erschienen und gilt als eines ihrer belletristischen Hauptwerke. Hier ist von der Dramatisierung des Stoffes die Rede, uraufgeführt 28.II.1896 am Théâtre du Vaudeville. Janvier war ein Schauspieler des Ensembles Théâtre Libre unter André Antoine. Paul Porel war Direktor des Théâtre de l'Odéon.

[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.

* Alle Angaben inkl. 24% Regelaufgeld ohne MwSt. und ohne Gewähr – Irrtum vorbehalten.


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