Artist Index: Schwarcz, Ulrich


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Los 1019Schwarcz, Ulrich
und Evangelien der Messe. Deutsche Handschrift auf Pergament

Auktion 127

Schätzung
12.000€ (US$ 13,636)

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Perikopenregister mit einem spätmittelalterlichem Mariengedicht
Schwarcz, Ulrich. Register der Epistel- und Evangelienlesungen für das ganze Kirchenjahr. Verzeichnis der Bibelstellen, die während der Messe in den Episteln und Evangelien gelesen werden, vom 1. Adventssonntag bis zum Ende des Kirchenjahres. Deutsche (ostfränkische) Handschrift auf Pergament. 12, 2 Bl. 1-2 Spalten. 46-60 Zeilen. Format ca. 35,6 x 18 cm. Flüssige, schnell geschriebene kursive Schrift in Sepiatinte mit roten Auszeichnungen für Einführungen, Überschriften, wichtigen Textpassagen und Registerziffern. Bayern (Franken) 1481.
Frühneuzeitliches ausführliches Registers zum Erschließen einer Perikopenhandschrift von einem Kompilator, der sich namentlich "Ulrich Schwarcz" nennt. Ferner enthalten ein langes Mariengedicht - ein einzigartiges Sprachmonument

S. 3-13. Ausführliches Register der Epistel- und Evangelienlesungen für das ganze Kirchenjahr. Jeder Eintrag verzeichnet das relevante Bibelbuch und die Kapitelnummer (häufig mit einem Textanfang der Lesung), jeweils mit einem Verweis (in roter Tinte) auf die Seiten- oder Blattzahl eines Buches, das diese Lesungen enthält. Dieses Buch ist keine Bibel, da die Seiten- oder Blattzahlen zwar in Blöcken, aber dennoch regelmäßig ansteigen. Vielmehr handelt es sich um ein liturgisches Perikopenbuch, das die Bibellesungen vollständig enthält. Mit Hilfe dieses Registers konnte ein Priester sich auf die Lesungen während der Messe vorbereiten oder eine Predigt konzipieren. Vermutlich hat der Schreiber das Werk für den eigenen Gebrauch angefertigt.
S. 3-13. Das Incipit des Registers lautet: "Hienach vindest du bezaychnett in disem register uber die epistlen und evangelien nach ordnung des Jars und wie man sy list in den empteren nach der zeytt [...]" (S. 3), "Die 4 ewangelienn fachentt an am grönen dorstag [...] und fachentt an im buch Johannes am 13 capittell [...]" (S. 7), "Ostertag" (S. 8). Der Kompilator nennt seinen Namen und das Jahr seiner Arbeit am Ende der Vorrede auf S. 3: "das hann ich selber verczaychnett in dem jar als man zaltt von der gepurd vnsers lieb herren Jhesu Christi 1481. Ulrich Schwarcz".
S. 14-19. Register der Epistel- und Evangelienlesungen für die Heiligenfeste und für die ‚ledigen Tagen‘ (S. 17-18). Auf Bayern verweisen nur die Lesungen für die Festen der Heiligen Vitus, Oswald, Ottmar und Konrad. Die in Franken besonders verehrten Heiligen fehlen.
S. 20-21. Anmerkungen zur Bibel, Sprüche und dicta. Nachträge der Schreiberhand.
S. 22 u. 24. Vier Priamel (Spruchdichtungen). Nach dieser Hs. ediert in G. Eis, ‚Priamelstudien. Interpretationen und Funde‘, Festschrift für Franz Rolf Schröder zu seinem 65. Geburtstage, hg. von Wolfdietrich Rasch, Heidelberg 1959, S. 178-195, hier 187-190. S. auch Gerhard Eis u. Gundulf Keil, "Nachträge zum Verfasserlexikon", Studia neophilologica 31 (1959), S. 219-242, hier S. 228-229. Kommentar zum ersten Priamel mit dem Namenszug Markus Schwarcz und der Datierung1520 auf S. 22. Gedruckt in Eis, ‚Priamelstudien‘, S. 188. Priamel Nr. 4 nachgedruckt in Eva Willms und Hansjürgen Kiepe (Hg.), Gedichte 1300-1500, München 1972, S. 359, 420.
Vorgeschaltet ist auf S. 1 ein langes Mariengebet mit 13, jeweils mit "O" anfangenden Anrufen an die Mutter Gottes: "O du edele davendes (Davids) geschlächtt Maria, wann du mitt mechtigen wort santt gaberhell …". Nach dieser Hs. ediert in Josef Werlin, Ein Mariengebet in Prosa aus dem 15. Jahrhundert, in: Leuvense Bijdragen 52 (1963), S. 86-90.
Der Bleistiftvermerk "Kl. Heilsbr. 5. XII 08", den Merlin (s. oben, S. 86-87) auf dem Nachsatzblatt gelesen hat, ist nicht mehr vorhanden; er verweist wohl auf das zwischen Ansbach und Nürnberg gelegene Kloster Heilbronn. Womöglich stammt die Hs. aus diesem Kloster. – Mit deutlichen Spuren des regen Gebrauchs wie Fingerflecken unten rechts, aber auch einigen dunkleren Flecken am rechten Rand, Tintenflecken, kleinem Berieb, wenigen Wurmlöchlein etc. Eine Seite mit mehreren Streichungen und gewischten Textauslöschungen in Rot von einer zeitgenössischen Hand (S. 12), eine alte Rissnähung (Fol. 13), das letzte Blatt zur unteren Hälfte abgeschnitten.
Aus der bedeutenden Sammlung des Heidelberger Germanisten und Mediaevisten Gerhard Eis (1908-1982) mit dessen Einträgen. Eis‘ Signatur: Hs. 26. Eis erwarb die Handschrift 1957 im Antiquariat Jacques Rosenthal in München. Katalogbeschreibung im Hinterdeckel (Katalog 138, 1956, Nr.151). Eis zitiert hierzu folgende Literatur (handschriftlich auf dem fl. Nachsatz):
Gerhard Eis, Priamelstudien. Interpretationen und Funde, in: Festschrift für Franz Rolf Schröder zu seinem 65. Geburtstage, hg. von Wolfdietrich Rasch, Heidelberg 1959, S. 178-195.
Gerhard Eis und Gundolf Keil, Nachträge zum Verfasserlexikon, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 83 (Tüb. 1961/62), S. 167-226.
Josef Werlin, Ein Mariengebet in Prosa aus dem 15. Jahrhundert, in: Leuvense Bijdragen 52 (1963), S. 86-90.
Gerhard Eis (Hg.), Mittelhochdeutsche Lieder und Sprüche (Germanistische Bücherei 2), München 1949.
George Fenwick Jones, The "Signs of Old Age" In Oswald von Wolkenstein's Ich Sich und hör (Klein No. 5), in Modern Language, Vol. 89, No. 5, German Issue (Oct., 1974), S. 767-786.
Eva Willms und Hansjürgen Kiepe. Gedichte 1300 - 1500, Nach den Handschriften und Frühdrucken in zeitlicher Folge, Nr. 4016, München 1972, S. 359, 420.

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