153050

Lose pro Seite


Lot 6900, Auction  127, Rainer, Arnulf, Vermächtnis über meinen Nachlass

Rainer, Arnulf
Vermächtnis über meinen Nachlass
Los 6900

Schätzung
600€ (US$ 682)

Details

Los merken

Vermächtnis über meinen Nachlass
4 montierte Fotografien von Arnulf Rainer, 29 Bl. Orig.-Broschur. 1972.
25 x 25 cm.
Auflage 100 num. Ex.

Arnulf Rainer wie man ihn kennt: Verzerrte fotografische Selbstportraits, dazu der originale Text des im Juni 1972 beim Gericht in Wien hinterlegten Testaments von Arnulf Rainer, erschienen im Wolfgang Hake Verlag, Köln 1972. Hier ohne die Farbradierung und mit vom Vorbesitzer teils komplettiertem und genutztem Formularteil. Rainers Sammler, hier "Vermächtnisnehmer", konnten sich mit den Formularen aus diesem Letzten-Willen-Buch beim Künstler melden und sich dadurch Anteile an seinem künftigen Nachlass sichern.
Eine andere, kaum bekannte Seite Arnulf Rainers offenbart die folgende, bedeutende und in dieser Qualität und Fülle einmalige Sammlung seiner frühen Zeichnungen.

Lot 6901, Auction  127, Rainer, Arnulf, Beitrag zur Psychologie des Genies

Rainer, Arnulf
Beitrag zur Psychologie des Genies
Los 6901

Schätzung
8.000€ (US$ 9,091)

Details

Los merken

"Beitrag zur Psychologie des Genies"
Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
45 x 32 cm.
Unten rechts mit Bleistift betitelt, verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Kunstrebell und einer der ersten Hippies Österreichs: Rainer provozierte, mit seinem sozialen Verhalten, seiner äußeren Erscheinung und seiner Ablehnung jeder akademischen Regelhaftigkeit. So verbrachte er, auch weil 1949 seine Werke vom Rektor der Kunstakademie als „entartet“ bezeichnet worden waren, insgesamt nur vier Tage im Unterricht der Wiener Kunsthochschulen. Zwar war er Autodidakt ohne seriöse akademische Ausbildung, doch mit einem bedeutenden Vorteil: "jenem des nicht durch Institutionen korrumpierten, aus sich heraus schöpfenden Malers.“ (Klemens Leitner, Arnulf Rainer in Konkurrenz. Das Frühwerk Rainers und der Kampf um Anerkennung. Salzburg 2025, S. 68f.). Das Genie sitzt in wild gemustertem Anzug, fernab bürgerlicher Normen, im Schneidersitz auf dem Karoplaid wie auf einem fliegenden Teppich. Linien und Ornamente scheinen sich zu verselbständigen, ebenso wie die aufgeweichten, deformierten Körperproportionen. Verso eine weitere Bleistiftskizze des Künstlers.

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 04, Abb. S. 24

Lot 6902, Auction  127, Rainer, Arnulf, Rauchender Jüngling, Topfpflanzen, Bachlandschaft, Zeppelin

Rainer, Arnulf
Rauchender Jüngling, Topfpflanzen, Bachlandschaft, Zeppelin
Los 6902

Schätzung
4.500€ (US$ 5,114)

Details

Los merken

Rauchender Jüngling, Topfpflanzen, Bachlandschaft, Zeppelin
Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
36,5 x 23 cm.
Verso im Oberrand mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer, Besitz E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Traumhaftes, Absurdes und Unbewusstes kombiniert Rainer spielerisch in einer vergleichsweise heiteren Komposition. Neben dem Zeppelin, einer breiten Rauchsäule und dem auffliegenden Vogelschwarm beleben den Himmel die für Rainers frühe Zeichnungen charakteristischen, kompakt-körperhaften Wolken, die mit einer unheimlichen Präsenz über der Landschaft schweben. In rätselhafter Beziehung stehen die Bildgegenstände zueinander, eine Deutung bleibt offen. Der phantastische, metaphorische Charakter der sorgsam ausgeführten und entlang der Konturen fein abschattierten Zeichnung könnte die Distanzierung Rainers von der Geschäftigkeit der frühen Nachkriegsjahre illustrieren. Verso eine weitere Zeichnung des Künstlers, Stehende Figur am Tisch.

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 53, Abb. S. 39

Lot 6903, Auction  127, Rainer, Arnulf, Harmonikaspiel im Hühnerhof

Rainer, Arnulf
Harmonikaspiel im Hühnerhof
Los 6903

Schätzung
4.000€ (US$ 4,545)

Details

Los merken

Harmonikaspiel im Hühnerhof
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
27 x 34,5 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer, Besitz E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Skurrile Mischung von ländlicher Szenerie und irritierend grundverschiedenen Elementen aus einer ganz anderen Welt, wie dem hochgerüsteten dreifachen Stacheldrahtzaun, dem Sonnenschirm am Schornstein oder dem Kostüm der Harmonikaspielerin mit merkwürdig verzerrter Anatomie. Dicke, glänzende Bleistiftkonturen schildern die erkennbaren ebenso wie die uneindeutigen Motive und formen ein kräftiges Relief auf der Rückseite.

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 08, Abb. S. 14

Lot 6904, Auction  127, Rainer, Arnulf, Abstraktion

Rainer, Arnulf
Abstraktion
Los 6904

Schätzung
8.000€ (US$ 9,091)

Details

Los merken

Abstraktion
Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
37-39,6 x 26,5 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer, Besitz E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Eine explosive Kraft sprengt die abstrakte Konstruktion, versetzt sie in eine dynamische Bewegung zu den Bildrändern hin, die zugleich aber erstarrt erscheint. Da und dort verlebendigen Anklänge an Gesichter oder Figuren die Formen. In der Gestaltung zeigen sich deutliche Einflüsse der Abstraktionen Wassily Kandinskys, und zudem eine Verdichtung von Energie in der Bildmitte, die bald auch Rainers Zentralisationen der frühen 1950er Jahre prägen sollte. "Das Bild entführt in eine Art kosmische Vision, zurück in die Anfangsgeschichte der Materie, in einen bildgewordenen Urknall. (...) Schon hier zeigt sich, was das spätere Werk prägen wird: die physische Handschrift, die Wiederholung des Strichs und der Druck, der sich ins Papier eingräbt.. Der Stift ist kein Werkzeug der Distanz, sondern der Berührung (...)" (Thomas D. Trummer, in: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Wien 2025, S. 22). Verso eine weitere Zeichnung, Frauenbüste (gestrichen).

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 30, Abb. S. 23

Lot 6905, Auction  127, Rainer, Arnulf, Ohne Titel

Rainer, Arnulf
Ohne Titel
Los 6905

Schätzung
12.000€ (US$ 13,636)

Details

Los merken

Ohne Titel
Bleistift auf bräunlichem Bütten. Ende 1940er Jahre.
34,6 x 21,5 cm.
Verso oben mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer, Besitz E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Sinnlich, üppig und verführerisch ruht die kurvige Frau fast unbekleidet auf dem orientalisch wirkenden, ornamentierten Schemel, dessen gedrechselte Beine sich nach unten prekär verjüngen. Zwei bilden eine Art Schlinge mit Haken, ein anderes endet spitz wie eine Nadel. Zugleich weiche und kräftige, dunkel schattierte Konturen umreißen den weiblichen Körper, das Gesicht ist puppenhaft vereinfacht. Auf dem stummelhaft endenden Arm balanciert eine Tanne. Die Zeichnung, ein Bild märchenhaften Genusses, verweist zugleich auf den existenziellen Zustand menschlichen In-die-Welt-Geworfenseins: "(...) auch in diesem Motiv, das das Begehren erfüllt, schimmert die Absurdität durch. Es ist kein Tagbild, sondern ein Wunschtraum, eine voyeuristische Verlockung, ein künstlerisches Begehren, das Prekäres vermittelt, weil es die Illusion verfolgt, das Objekt seiner Lust selbst herzustellen." (Thomas D. Trummer, in: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Wien 2025, S. 18). Die Zeichnung gehörte zu den fünf Blättern, mit denen 1969 die Texte von Arnulf Rainer und Ernst Fuchs in dem Katalog der damals noch jungen Galerie Ariadne in Wien zu den frühen Zeichnungen Rainers illustriert wurden (vgl. Losnrn. 6908, 6911, 6924).


Ausstellung: Arnulf Rainer, TRRR. Zeichnungen 1947-51, Ausst.-Kat. Galerie Ariadne, Wien 1969, mit Abb. (o.S.)
Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 27, Abb. S. 19

Lot 6906, Auction  127, Rainer, Arnulf, Camus, Die Pest (Entwurf für einen Buchumschlag)

Rainer, Arnulf
Camus, Die Pest (Entwurf für einen Buchumschlag)
Los 6906

Schätzung
6.000€ (US$ 6,818)

Details

Los merken

"Camus, Die Pest" (Entwurf für einen Buchumschlag)
Bleistift auf Velin. Ende 1940er Jahre.
22,6 x 34 cm.
Mittig oben und unten mit Bleistift betitelt, verso oben mittig mit Bleistift signiert "Arnulf Rainer" sowie seitlich links mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "Arnulf Rainer im Besitz Ernst Fuchs" sowie unten links mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Viren oder Moleküle, Narben, Elementarteilchen oder gar kosmische Erscheinungen geistern über die Flächen des Umschlagentwurfes zu "Die Pest". Jede der verschieden großen, in tiefdunklen Kurven schattierten Kreisformen trägt einen hellen Nukleus in ihrem Zentrum, der unruhig zu vibrieren scheint. Die Vehemenz und aggressive Kraft von Rainers Kreisbewegungen, in denen der Bleistift die hellen Punkte umfährt, hinterlässt reliefhafte Vertiefungen und Wellen im Papier. Erst kurz zuvor, 1947, war Camus' berühmter Roman "Die Pest" auf Französisch und bereits ein Jahr später in deutscher Übersetzung erschienen. Die Motive Tod, Trauma und Gewalt, ebenso wie die Erfahrung einer existenziellen Verunsicherung, teilte Rainer mit dem Autor.

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 39, Abb. S. 29

Lot 6907, Auction  127, Rainer, Arnulf, Der Schriftsteller

Rainer, Arnulf
Der Schriftsteller
Los 6907

Schätzung
9.000€ (US$ 10,227)

Details

Los merken

Der Schriftsteller
Bleistift bzw. Zimmermannsbleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
37,1 x 23,5-24,4 cm.
Verso Bleistiftannotationen (Fragmente, schwer lesbar), Lineatur und Aquarellierung sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.


Dr. Rieux, die Hauptfigur in Camus' Roman "Die Pest", zeigt hier mit seinem schmalen Kopf, dem nach hinten frisierten Haar und der Zigarette im rechten Mundwinkel eine deutliche Ähnlichkeit mit Camus selber. Sein Brustbild schwebt, wie auch die beiden Tische rechts und links im Hintergrund, schwerelos im Raum. Die tiefschwarzen, mächtigen Bleistiftlinien hingegen erscheinen "wie ein persöniches Symptom aus Angst vor der Seinsvergessenheit. Trotz der deutlichen Identifikation mit Camus, trotz der Darstellung des eigenen Ich als ein Anderer, wird dieses Blatt auch als Künstlerbild ausgewiesen." (Thomas D. Trummer, in: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Wien 2025, S. 30).

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 40, Abb. S. 31

Lot 6908, Auction  127, Rainer, Arnulf, Stuhl - Nachthimmel

Rainer, Arnulf
Stuhl - Nachthimmel
Los 6908

Schätzung
9.000€ (US$ 10,227)

Details

Los merken

Stuhl - Nachthimmel
Bleistift und Kohle auf Velin. Ende 1940er Jahre.
32,9 x 26,7 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer, Besitz / E Fuchs" sowie mit dem (blassen)Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Wie auf einem fremden Planeten, in einer fast spirituell wirkenden Schwärze: Ein blasser Mond oder Stern sitzt am tiefdunklen Himmel, darunter erstreckt sich, magisch beleuchtet, ein weites helles Terrain voll kuppelförmiger Erhebungen, aus denen organische Wucherungen emporwachsen. Inmitten dieser wogend bewegten Kulisse steht, zentral und starr, das ikonographisch unbestimmbare, klinisch wirkende Stuhlgebilde. "Die Kraterlandschaft vergegenwärtigt das Nachkriegsparadox: Schock, Schuld, den Verlust von Sinn und Transzendenz bei gleichzeitiger Sehnsucht danach. (...) Und doch bleibt mit dem Lichtkreis am Himmel ein Punkt, der bündelt, den Walter Benjamin den 'messianischen Rest' nannte, eine minimale Spur von Hoffnung, ein Zeichen, das auf einen Ausweg verweist." (Thomas D. Trummer, in: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Wien 2025, S. 8). Unter den vehementen, fettig glänzenden Bleistiftschraffuren knittert und wellt sich das Papier, Textur und Materialität der Zeichnung gewinnen an Präsenz. Die Zeichnung gehörte zu den fünf Blättern, mit denen 1969 die Texte von Arnulf Rainer und Ernst Fuchs in dem Katalog der damals noch jungen Galerie Ariadne in Wien zu den frühen Zeichnungen Rainers illustriert wurden (vgl. Losnrn. 6905, 6911, 6924).

Ausstellung: Arnulf Rainer, TRRR. Zeichnungen 1947-51, Ausst.-Kat. Galerie Ariadne, Wien 1969, mit Abb. (o.S.)
Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 02, Abb. S. 9

Lot 6909, Auction  127, Rainer, Arnulf, Liegende, Pferdegespann - Reise zu den Pyramiden

Rainer, Arnulf
Liegende, Pferdegespann - Reise zu den Pyramiden
Los 6909

Schätzung
4.500€ (US$ 5,114)

Details

Los merken

Liegende, Pferdegespann - Reise zu den Pyramiden (Maria Lassnig?)
Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
Ca. 40-44 x 31,6 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer, / Besitz E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Ein extraterrestrisch wirkender Schauplatz. Das Fuhrwerk hält Kurs direkt auf die Öffnung in der flachen Pyramide, das Taschentuch der Liegenden flattert zum Abschied. In rabiater Verkürzung zeichnet Rainer die zentralperspektivisch angelegte Szenerie, über der ein kaltes, helles und doch von Dunkelheit umgebenes Gestirn am Himmel steht. Auffällig kontrastieren die klaren Geraden von Karren und Pyramide mit dem Eigenleben, das die verzerrt-aufgeblähten Arme der Frau mit ihren kompakt schattierten, weichen Konturen entwickeln. Bei der Dargestellten handelt es sich möglicherweise um Maria Lassnig. Verso eine verworfene Bleistiftzeichnung Arnulf Rainers, "Tier und Fabelwesen".

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 06, Abb. S. 13

Lot 6910, Auction  127, Rainer, Arnulf, Liegender Frauenakt, Betrachterblick vom Kopf in die Tiefe

Rainer, Arnulf
Liegender Frauenakt, Betrachterblick vom Kopf in die Tiefe
Los 6910

Schätzung
4.000€ (US$ 4,545)

Details

Los merken

Liegender Frauenakt, Betrachterblick vom Kopf in die Tiefe
Bleistift, partiell leicht gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
Ca. 21 x 31,3 cm.
Verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

In fast meditativer Versenkung widmet sich Rainer mit zahllosen Schwüngen und Kritzeln seines Bleistifts dem wirren, verfilzten Haarschopf der Frau, der in seiner tiefen Schwärze ein Eigenleben zu entwickeln scheint. Eine abgründige Dunkelheit zeigt sich auch im Schoß der Frau. Tief in die Kissen eingesunken, vom Betrachter abgewandt und dazu noch in drastischer Verkürzung ist der Frauenkörper nur in Kürzeln gezeigt, die Anatomie weich verzerrt und dennoch vollkommen lesbar. Die suchenden, kräftigen Konturlinien des Künstlers laufen zu den Bildrändern hin aus und werden hauchzart, der Akt scheint im Raum zu schweben.

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 29 (ohne Abb.)

Lot 6911, Auction  127, Rainer, Arnulf, Liegender Akt (Maria Lassnig?)

Rainer, Arnulf
Liegender Akt (Maria Lassnig?)
Los 6911

Schätzung
9.000€ (US$ 10,227)

Details

Los merken

Liegender Akt (Maria Lassnig?)
Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Bütten. Ende 1940er Jahre.
28 x 30,6 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "Rainer Besitz E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Dicke Ruhekissen umgeben als amorphe, haarige Formen die Liegende. Oben lauert eines von Rainers Knäueln struppiger Dunkelheit, korrespondierend mit der Schwärze der Hand und dem wirren Haarschopf. Der weibliche Körper führt bei maximaler Verkürzung in die Raumtiefe und blockiert sie zugleich mit den hoch abgewinkelten Beinen, während im selben Moment die Räumlichkeit nach vorne zu kippen scheint. Bei der Dargestellten handelt es sich möglicherweise um Maria Lassnig. Die Zeichnung gehörte zu den fünf Blättern, mit denen 1969 die Texte von Arnulf Rainer und Ernst Fuchs in dem Katalog der damals noch jungen Galerie Ariadne in Wien zu den frühen Zeichnungen Rainers illustriert wurden (vgl. Losnrn. 6905, 6908, 6924).

Ausstellung: Arnulf Rainer, TRRR. Zeichnungen 1947-51, Ausst.-Kat. Galerie Ariadne, Wien 1969, mit Abb. (o.S.)
Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 05, Abb. S. 12

Lot 6912, Auction  127, Rainer, Arnulf, Bildnis Maria Lassnig

Rainer, Arnulf
Bildnis Maria Lassnig
Los 6912

Schätzung
16.000€ (US$ 18,182)

Details

Los merken

Bildnis Maria Lassnig
Bleistift, teils gewischt, auf dünnem bräunlichen, strukturierten Velin. Ende 1940er Jahre.
39,8 x 29,5 cm.
Verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.


Ernsthaft blickt die Künstlerin. Sie sitzt frontal ausgerichtet, in verschachtelter Pose, präzise gezeichnet mit klaren Konturen und einer plastisch durchgestalteten, makellosen Körperlichkeit. Wie in einem Spielzimmer finden sich am Boden hinter ihr ein Ball, ein verlorenes Rad und ein miniaturhaft kleiner Tisch. Diese Zeichnung Rainers entstand höchstwahrscheinlich in Lassnigs Atelier in Klagenfurt. Im Hintergrund ist ein Gemälde Lassnigs zu sehen, das als verschollen gilt und von dem nur eine Schwarzweiß-Aufnahme existiert (s. Abb. in: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, S. 32).
Maria Lassnig, bereits fertig mit ihrer akademischen Ausbildung, und der zehn Jahre jüngere Arnulf Rainer begegneten sich 1948 in Klagenfurt. Ihre Liebesbeziehung wurde auch künstlerisch und intellektuell zu einem intensiven Austausch, ihre Werke dieser Zeit ähneln einander oft. Beide gründeten mit Ernst Fuchs, Arik Brauer und anderen die Künstlervereinigung Hundsgruppe und lebten wenige Jahre in Wien, bevor sie 1951 gemeinsam nach Paris zu André Breton reisten und sich ihre Wege wieder trennten. Dort inspirierte sie, anders als erwartet, vor allem Informel, Tachismus und Action Painting. Rainer lernte Jackson Pollock, Jean Paul Riopelle und Wols kennen, seine surrealistische Phase endete damit.

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 41, Abb. S. 33

Lot 6913, Auction  127, Rainer, Arnulf, Laune der Verliebten

Rainer, Arnulf
Laune der Verliebten
Los 6913

Schätzung
4.500€ (US$ 5,114)

Details

Los merken

"Laune der Verliebten"
Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
44,5 x 28 cm.
Unten rechts mit Bleistift (schwer lesbar) betitelt, verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Eine Spur der Verwüstung zieht sich durch die Landschaft bis zu dem in einer Pfütze liegenden Mädchen, dessen Körperformen sich aufblähen und verzerren. Spielerisch, mit schlafwandlerischer Sicherheit und kontemplativer Ruhe in der Strichführung kombiniert Arnulf Rainer im Zentrum der Bildfläche kumulierte, kryptische Bildelemente, kleinere organische Strukturen und amöbenhafte Formen, eröffnet Assoziationsmöglichkeiten und verweigert auch mit dem Titel eine klare Deutbarkeit. In den schwebenden Körperchen deutet sich möglicherweise bereits eine Idee des bald folgenden Infusorengewimmels an (vgl. Lose 6946 f.). "Zwischen 1947 und 1951 entstanden surrealistische Zeichnungen, welche die erste abgeschlossene Werkphase in Rainers Oeuvre bilden. Die Aufhebung kausaler Verknüpfungen und der Griff nach verblüffenden und schockierenden Sprachbildern charakterisieren seine frühen surrealistischen Arbeiten." (Christa Armann, Arnulf Rainer - Das Frühwerk, Wien 2010, S. 8). Die Fettspur im Unterrand zeugt vom wilden Künstlerleben im Fuchs'schen Atelier: "Der Speck ist aufgegessen. Das Atelier verwüstet. An einem Nagel neben der Tür hängt eine geselchte Schwarte, Spuren des säuberlich abgesägten Speckes haften als weißer Pilz stufenförmig daran. Arnulf Rainer und Maria Lassnig sind wieder ausgezogen, nach Paris gefahren," (Ernst Fuchs, Erinnerungen, zit. nach: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ausst.-Kat. Wien 2025, S. 40).

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 7 (ohne Abb.)

Lot 6914, Auction  127, Rainer, Arnulf, Frau mit leichtem Sommerkleid, auf Polsterstuhl ruhend

Rainer, Arnulf
Frau mit leichtem Sommerkleid, auf Polsterstuhl ruhend
Los 6914

Schätzung
4.000€ (US$ 4,545)

Details

Los merken

Frau mit leichtem Sommerkleid, auf Polsterstuhl ruhend
Bleistift auf rauem bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
24,8 x 38,6 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer, Besitz E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Eigentümlich verschoben zeichnet Rainer die Proportionen und bringt seine ganz eigene Imagination der Figur aufs Papier: Wie hingegossen ruht der schmale, überlängte Frauenkörper auf den Polstern, die Hände und Füße scheinen fast kindlich verkleinert an den extrem sich verjüngenden Armen und Beinen. Das Kleid wirkt weniger gemustert als vielmehr belebt von Mikrostrukturen, von denen zwei weitere auf dem Oberarm der Frau sitzen. "Die Naturform ist nicht viel mehr als ein Zitat, ein Vorwand, um sich 'von dieser Art Welt' abzuheben, um ihre Schnoddrigkeit gründlich zu blamieren." (Otto Breicha, in: Arnulf Rainer, TRRR. Zeichnungen 1947-51, Ausst.-Kat. Galerie Ariadne, Wien 1969, o.S.).

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 58 (ohne Abb.)

Rainer, Arnulf
Studie einer liegenden Frau mit angewinkelten Beinen
Los 6915

Schätzung
3.000€ (US$ 3,409)

Details

Los merken

Studie einer liegenden Frau mit angewinkelten Beinen
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
27 x 43 cm.
Verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

In kantige Fragmente zerlegt Rainer die Figur der liegenden, bekleideten Frauengestalt, die er auf der Rückseite des Blattes ein weiteres Mal skizziert. Beide Zeichnungen verdeutlichen mit der Heftigkeit der eckigen, vielfach verstärkten Linienführung, wie sehr der Akt des Zeichnens für Rainer eine aktiv bewegte, intensiv physische Tätigkeit war. Der unmittelbare, intime Charakter der Bleistiftzeichnung prädestiniert diese Technik zum Nukleus künftiger Entwicklungen, dem ebenso spontanen wie reflektierten Ausdruck eines künstlerischen Urgedankens. Verso eine weitere Studie, "Liegende Frau".

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 65 (ohne Abb.)

Lot 6916, Auction  127, Rainer, Arnulf, Gesicht, darüber junge Frau stehend

Rainer, Arnulf
Gesicht, darüber junge Frau stehend
Los 6916

Schätzung
5.000€ (US$ 5,682)

Details

Los merken

Gesicht, darüber junge Frau stehend
Bleistift, Gouache und Collage auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
30,1 x 20,5-22,9 cm.
Verso oben mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "Arnulf Rainer im Besitz Ernst Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Dem blutenden Kopf scheint oben am Scheitel ein Frauenakt zu entsteigen. Irritierend treffen die verschiedenen collagierten Motive aufeinander, verschachtelt und einander ergänzend. Die Gouachefarben kontrastieren weich und satt mit dem silberschimmernden Glanz der dichten Bleistiftlineaturen. „Für Otto Breicha waren die surrealistischen Arbeiten Rainers wesentlich radikaler, robuster und deftiger im Vergleich zu den immer sehr 'kultivierten' Provokationen Ernst Fuchs’. Rainer zeichnete stark empfundene Innenwelten und keinen gegenständlich inszenierten Surrealismus.“ Christa Armann, Arnulf Rainer - Das Frühwerk, Wien 2010, S. 15). Verso eine weitere Bleistiftzeichnung des Künstlers, "Stehende Frau".

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 01, Abb. S. 7

Lot 6917, Auction  127, Rainer, Arnulf, Weibliches Aktmodell, Tisch, Staffelei

Rainer, Arnulf
Weibliches Aktmodell, Tisch, Staffelei
Los 6917

Schätzung
4.500€ (US$ 5,114)

Details

Los merken

Weibliches Aktmodell, Tisch, Staffelei
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
40,5 x 31-32,4 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer / Besitz / E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Ein Loch klafft im entblößten Rücken der Frau, die kräftige Kontur der Wirbelsäule platzt auf wie eine versehrte Naht. Auf einem einfachen, stabilen Tisch sitzt das Modell, neben sich einen liegenden Hocker, hat uns den Rücken zugedreht und blickt in Richtung des angedeuteten Wäldchens im Hintergrund, dessen gerade junge Baumstämme regelmäßig und undurchdringlich wie Gitterstäbe senkrecht emporstreben. Kleine Formen, möglicherweise Utensilien oder Kleidungsstücke, teils organisch wirkende Strukturen oder Körperchen, liegen verstreut auf der Wiese, in ihrer schwebenden Zufälligkeit nutzlos angesichts der Verletzlichkeit der menschlichen Existenz.

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 31 (ohne Abb.)

Lot 6918, Auction  127, Rainer, Arnulf, Stehender männlicher Akt - Studie

Rainer, Arnulf
Stehender männlicher Akt - Studie
Los 6918

Schätzung
3.000€ (US$ 3,409)

Details

Los merken

Stehender männlicher Akt - Studie
Bleistift auf dünnem bräunlichen Velin. Ende 1940er Jahre.
36,8 x 21,5 cm.
Verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Provokant setzt Rainer das exponierte Geschlecht des stehenden Mannes ohne Kopf, Hände und Füße exakt ins Bildzentrum. Er umfährt den schlanken Körper mit zahlreichen dunkel nebeneinanderliegenden, sich überkreuzenden und mit vehementem Schwung sich bündelnden Linien verschiedener Stärke, so dass eine stachelige, unbestimmte Konturierung entsteht. Unter weitgehendem Verzicht auf Schattierungen verflacht Rainer seinen Bildgegenstand, zwingt ihn in eine ungewisse Zweidimensionalität und verspannt die nackte menschliche Existenz vertikal im leeren Raum.

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 64 (ohne Abb.)

Lot 6919, Auction  127, Rainer, Arnulf, Frohe Weihnachten (Maria Lassnig?)

Rainer, Arnulf
Frohe Weihnachten (Maria Lassnig?)
Los 6919

Schätzung
6.000€ (US$ 6,818)

Details

Los merken

"Frohe Weihnachten" (Maria Lassnig?)
Bleistift auf Velin. Ende 1940er Jahre.
52,8 x 36,5 cm.
Verso unten rechts mit Bleistift betitelt sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Traumartiges Sujet, der Realität entrückt: Kegelförmig und armlos der Korpus, durchscheinend und mit verschobenen Proportionen. Darauf sitzt der weinende Frauenkopf fast mittig in dem zentralperspektivisch konstruierten Interieur, eng wie eine Gefängniszelle. Die Strenge dieser Kammer kontrastiert mit den flirrenden, vibrierenden, vielfach nebeneinanderliegenden und einander überkreuzenden Lineaturen der Konturen, die in ihrer Bewegtheit noch auf der Suche nach einer endgültigen Form zu sein scheinen. Der Titel wirkt wie eine Ergänzung oder Erweiterung des Motivs: „Meist sind es Assoziationen, die ihm bei der Arbeit einfallen, oft wechselt er sie im Nachhinein, für den Betrachter sind sie wichtig, da sie ihn auf die Spur bringen, ihn aktivieren und sensibilisieren für das Dargestellte.“ (Christa Armann, Arnulf Rainer - Das Frühwerk, Wien 2010, S. 16). Bei der Dargestellten handelt es sich möglicherweise um Maria Lassnig.


Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 20, Abb. S. 15

Lot 6920, Auction  127, Rainer, Arnulf, Drei Studien einer linken Hand

Rainer, Arnulf
Drei Studien einer linken Hand
Los 6920

Schätzung
2.500€ (US$ 2,841)

Details

Los merken

Drei Studien einer linken Hand
Kugelschreiber in Schwarz auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
23 x 40,5 cm.
Verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Eine noch junge Künstlerhand, locker geschlossen, mit einem ausgeprägten Daumenballen. Um eine plastisch-räumliche Wirkung geht es dem Künstler hier kaum, vielmehr füllen die Hände flächig das Papier. Rainer zeichnet die eigene Linke mit den charakteristischen Linienbündeln, aus denen sich kräftige, fast stachelig-starre Konturen ergeben. "Für Rainer bietet das Äußere, das Ich, den Weg in die innere Welt. Und das Innere, das ist für ihn die echte Realität." (Diane Waldman, in: R.H. Fuchs, Arnulf Rainer, Ausst.-Kat. Historisches Museum der Stadt Wien 1990, S. 17). Verso eine Bleistiftstudie des Künstlers, "Drei Köpfe im Profil".

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 66 (ohne Abb.)

Lot 6921, Auction  127, Rainer, Arnulf, Monostatos

Rainer, Arnulf
Monostatos
Los 6921

Schätzung
4.500€ (US$ 5,114)

Details

Los merken

Monostatos
Bleistift, Gouache und Collage mit Offset auf Velin. Ende 1940er Jahre.
Ca. 38,2 x 27,1 cm.
Verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.


Eine irritierende Verwandlung: Mit tiefdunkel schattiertem Antlitz und Akzenten in intensiver Farbigkeit verzerrt Rainer die Figur des Monostatos aus Mozarts Zauberflöte. Der collagierte, übermalte Kopf sitzt auf spindeldürrem Stachelhals über dem massig-breiten Brustkorb einer transformierten menschlichen Gestalt, gelöst von gängigen Körpervorstellungen. Über ihrer linken Schulter schweben zwei amöbenhafte schwarze Formen, die ebenso Löcher in einer farbigen Bildwelt sein könnten und damit einen punktuellen Blick in die Schwärze des Nichts freigäben.

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 50 (ohne Abb.)

Lot 6922, Auction  127, Rainer, Arnulf, Zeppelin

Rainer, Arnulf
Zeppelin
Los 6922

Schätzung
6.000€ (US$ 6,818)

Details

Los merken

Zeppelin
Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
35,5 x 31-31,6 cm.
Mittig links in der Darstellung mit Bleistift monogrammiert "A.R." sowie verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Vielfach verspannt in der Bildebene schwebt der Zeppelin. Die Gondel arrettiert Rainer zu allen Seiten: mit stacheligem Draht, Linien mit kugeligen Auswüchsen und schräg laufenden Geraden, die sich zu unfertigem Fluggerät materialisieren. Ein haarig-verfilztes, kugeliges Knäuel hängt am Luftschiff wie ein irritierender, fremdartiger Organismus. Die netzartige Gesamtkonstruktion ist vom Blattrand angeschnitten, der Eindruck fragmentarisch, ein Ausloten von Möglichkeiten, eine Einladung zum Weiterspinnen, so z. B. in der dicht verwobenen Lithographie Wasserwelt I (Los 6946).

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 45, Abb. S. 36

Lot 6923, Auction  127, Rainer, Arnulf, Surrealistische weibliche Halbfigur vor minimalistischer Landschaft

Rainer, Arnulf
Surrealistische weibliche Halbfigur vor minimalistischer Landschaft
Los 6923

Schätzung
4.500€ (US$ 5,114)

Details

Los merken

Surrealistische weibliche Halbfigur vor minimalistischer Landschaft
Bleistift, partiell leicht gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
62,8 x 40 cm.
Verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Wie in Trance richtet die Frau ihren starren Blick ins Leere. Aus der kugelförmigen Basis wächst ihr armloser Torso empor, der ausgeprägte, detailliert ausgearbeitete Kopf trägt die Züge Maria Lassnigs, die damals zusammen mit Rainer im Atelier von Ernst Fuchs lebte. Hinter der Figur erscheinen am Himmel und in der weiten Ebene verschlüsselte, reduzierte Wesenheiten oder Formen. Es entsteht die Impression einer öden, ortlosen Welt, deren Räumlichkeit lediglich angedeutet ist. Schatten fehlen vollständig, ein omnipräsentes Licht erfüllt die Szenerie, in der die Wesen schwerelos zu schweben scheinen, wie an einem außerirdischen Traumort. Verso Fragment einer weiteren Komposition, wohl Akt.

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 44 (ohne Abb.)

Lot 6924, Auction  127, Rainer, Arnulf, Getier

Rainer, Arnulf
Getier
Los 6924

Schätzung
9.000€ (US$ 10,227)

Details

Los merken

Getier
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
44,7 x 63,4 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer / Besitz / E Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Es spukt über der Ebene, makabres Getier kreucht und fleucht im Bildraum. Spielerisch spinnt Rainer seine übergroßen Phantasiewesen detailreich aus und erzeugt mit feinen Schraffuren Plastizität. Über kahlen Bäumen schweben in der Leere des Himmelsraumes zeichenhafte Körperchen, darunter die schattenlose Fläche mit wellenartigen Strukturen und tiefsitzendem Horizont. Diese Auseinandersetzung mit den Stilmitteln der Surrealisten nutzt der hochsensible Rainer nicht nur, um persönliche Ängste zu formulieren, sondern auch, um die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen zu lassen. Später, 1970, sagte er selbst dazu: „...meine ganze künstlerische Arbeit ist vom Surrealismus ausgegangen. Seine anarchischen und negativen Gestaltungsmomente haben mich besonders fasziniert... Ich war besessen vom Drang zu zerstören.“ (zit. nach Christa Armann, Arnulf Rainer - Das Frühwerk, Wien 2010, S. 9). Die Zeichnung gehörte zu den wenigen Blättern, mit denen 1969 die Texte von Arnulf Rainer und Ernst Fuchs in dem Katalog der damals noch jungen Galerie Ariadne in Wien zu den frühen Zeichnungen Rainers illustriert wurden (vgl. Losnrn. 6905, 6908, 6911).

Ausstellung: Arnulf Rainer, TRRR. Zeichnungen 1947-51, Ausst.-Kat. Galerie Ariadne, Wien 1969, mit Abb. (o.S.)
Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 49, Abb. S. 35 und Einbandabb.

Lot 6925, Auction  127, Rainer, Arnulf, Dekadentes Zuckerbuberl

Rainer, Arnulf
Dekadentes Zuckerbuberl
Los 6925

Schätzung
4.000€ (US$ 4,545)

Details

Los merken

"Dekadentes Zuckerbuberl"
Bleistift, collagiert und stellenweise leicht gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
43 x 31,2 cm.
Unten rechts mit Bleistift betitelt, verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer / Besitz / E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Das Zuckerbuberl wirkt wie ein Gegenbild zu Rainer, der sich schon früh als enfant terrible der österreichischen Kunstszene profilierte. Dicht und vielfach einander verstärkend liegen die Konturlinien neben- und übereinander, werden immer weiter überarbeitet und verwandeln sich schließlich in tiefe, speckig glänzende Schwärze. Das stilisierte Brustbild mit den übergroßen Augen in der für Rainers frühe figurative Darstellungen charakteristischen dreieckigen Gesichtsform erscheint nicht als die individuelle Darstellung einer Physiognomie, sondern als ein exemplarisches Menschengesicht oder inneres Bild mit pointiertem Titel.


Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 48, Abb. S. 37

Lot 6926, Auction  127, Rainer, Arnulf, Büste des Herakles

Rainer, Arnulf
Büste des Herakles
Los 6926

Schätzung
7.500€ (US$ 8,523)

Details

Los merken

"Büste des Herakles"
Feder und Pinsel in Schwarz und Aquarell auf Velin. Ende 1940er Jahre.
43,1 x 30,6 cm.
Unten rechts mit Feder in Schwarz betitelt, verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.


Noch ist es nicht die Übermalung, mit der Arnulf Rainer die Idee des griechischen Helden auslöscht, überdeckt oder verwandelt, sondern eine aggressive Fragmentierung: Er zerstückelt Herakles' Gestalt, setzt sie in absurd verzerrter Konstruktion zu einer phantastischen Figur neu zusammen und beraubt sie ihres Heroismus. Aus einem Netz feinster Federlinien entwickelt er sein Motiv, betont und verstärkt mit dem Pinsel die tiefen Schwärzen und setzt dezente farbige Akzente, die jedoch von sekundärer Bedeutung gegenüber der Linie und ihrer Dunkelheit erscheinen. „Diese dunkle, mit Angst, Aggression und Gewalt verbundene Seite des Surrealismus, ist in den Zeichnungen (und es sind immer Zeichnungen!) bedrohlich spürbar.“ (Christa Armann, Arnulf Rainer - Das Frühwerk, Wien 2010, S. 9).


Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 3, Abb. S. 11

Lot 6927, Auction  127, Rainer, Arnulf, Damenbildnis, Brustbild mit Halskette und Kreuz

Rainer, Arnulf
Damenbildnis, Brustbild mit Halskette und Kreuz
Los 6927

Schätzung
5.000€ (US$ 5,682)

Details

Los merken

Damenbildnis, Brustbild mit Halskette und Kreuz
Bleistift, teils gewischt, auf Velin. Ende 1940er Jahre.
13,8-16,6 x 11,5-12,5 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "Arnulf Rainer / im Besitz Ernst / Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Expressive, dicht komponierte Auseinandersetzung mit der mimischen Erscheinung. Vermutlich inspirierte Rainer seine Gefährtin Maria Lassnig zu dem Damenbildnis mit intensiver Ausstrahlung und rätselhafter Symbolik. Die stilisierten Gesichtszüge der leicht nach links gewandten Frau modelliert Rainer mit dichten Schraffuren und Wischungen plastisch durch, um das helle Antlitz herum ballen sich Dunkelheiten. Aus deren kurvendem, kreisend sich verdichtendem Liniengewirr blitzen symbolhafte Kürzel und wolkige ornamentale Formen hervor, die ein breites Feld für Deutung und Assoziationen öffnen.

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 51, Abb. S. 17

Lot 6928, Auction  127, Rainer, Arnulf, Sommerfreuden (Am Badesteg)

Rainer, Arnulf
Sommerfreuden (Am Badesteg)
Los 6928

Schätzung
3.500€ (US$ 3,977)

Details

Los merken

"Sommerfreuden" (Am Badesteg)
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
29,2 x 36,5-38,6 cm.
Unten rechts mit Bleistift betitelt sowie verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Sommerfreuden - der Titel öffnet ein breites Assoziationsfeld des lebendigen Treibens, die Szene am Badesteg (mit Maria Lassnig?) hingegen erscheint still, erstarrt, eingefroren. Titel und Darstellung entsprechen einander kaum, sondern stehen vielmehr wie im Vexierspiegel verzerrt nebeneinander. Verdickte Konturen, verdichtete und kurvig nebeneinanderliegende Bleistiftstriche treffen in der Binnengestaltung auf kleinteilige ornamentale Formen. Rainer konzentriert die zentralperspektivisch angelegte Komposition in der Bildmitte, lässt dort die Energie sich verdichten und seinen Strich zu den Rändern hin sich auflösen, so dass die Szene einen losgelösten Charakter erhält und den Hauch einer Idee von seiner bald folgenden Werkgruppe der Zentralisationen transportiert.

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 28, Abb. S. 20

Lot 6929, Auction  127, Rainer, Arnulf, Liegende Frau, lesend (Maria Lassnig?)

Rainer, Arnulf
Liegende Frau, lesend (Maria Lassnig?)
Los 6929

Schätzung
4.000€ (US$ 4,545)

Details

Los merken

Liegende Frau, lesend (Maria Lassnig?)
Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
37,8 x 28 cm.
Verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

Schuhsohlen springen ins Auge, entblößte Schenkel und erhobene nackte Frauenarme. Dazwischen liegt der in drastischer Verkürzung zusammengedrängte, rabiat gestauchte Körper der Lesenden. Präzise, mit zarten Wischungen durchgestaltet und in gewagter perspektivischer Verkürzung zeichnet Rainer die liegende Frau, während die wohl landschaftliche Umgebung, mit nur wenigen vagen Linien und Kritzeln angedeutet, im Ungewissen bleibt. In der schwebenden Anmut, mit der sie räumliche Bezüge auflöst, geht die Zeichnung deutlich über eine reine Proportions- oder Perspektivstudie hinaus.


Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 35, Abb. S. 26

[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.

* Alle Angaben inkl. 25% Regelaufgeld ohne MwSt. und ohne Gewähr – Irrtum vorbehalten.


Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr

Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com

Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge


Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr

Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com

Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge