Los 6068

Französisch
um 1849-1853. Das Atelier der Tiermalerin Rosa Bonheur in der rue rue de l‘Oueste, Paris

Schätzung
18.000€ (US$ 18,947)

Abgabe von Vorgeboten möglich

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Aus dem Katalog
Gemälde Alter und Neuerer Meister
Auktionsdatum 2.6.2022

Lot 6068, Auction  119, Französisch, um 1849-1853. Das Atelier der Tiermalerin Rosa Bonheur in der rue rue de l‘Oueste, Paris

um 1849-1853. Das Atelier der Tiermalerin Rosa Bonheur in der Rue de l‘Oueste, Paris.
Öl auf Leinwand. 50,5 x 61 cm.

Zu den bemerkenswertesten Künstlerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts gehört die französische Tiermalerin Rosa Bonheur (1822 Bordeaux - 1899 Thomery). Mit einer für ihre Zeit erstaunlichen Kompromisslosigkeit setzte sie sich über geltende Sozialnormen hinweg und etablierte sich mit überragendem Erfolg in einem männlich dominierten Kunstbetrieb. Sehr zum Staunen ihrer Zeitgenossen verdiente sie ihr eigenes Geld, verwaltete ihren Besitz, trug Hosen, ging zur Jagd und lebte offen mit ihren Lebensgefährtinnen Nathalie Micas und später Anna Klumpke. Dies hatte zu keinem Zeitpunkt eine Abwertung ihres beachtlichen künstlerischen Talents zur Folge, sondern führte ganz im Gegenteil zur Mythenbildung ihrer Figur.
Ihre Lehre absolvierte Bonheur im Atelier des Vaters, ebenfalls Tiermaler, da der akademische Bildungsweg Frauen noch verwehrt war. Bereits mit Neunzehn stellte sie erstmals im Salon aus, 1849 gewann sie mit 27 Jahren ihre erste Goldmedaille. Im selben Jahr bezog sie endlich mit ihrer Lebensgefährtin Nathalie Micas ein eigenes Haus mit Atelier in der Rue de l‘Oueste am Jardin de Luxembourg. Kurze Zeit später, zwischen 1853/54, erlaubten ihre Einnahmen den Umzug in die unweit gelegenen Rue d’Assas, ehe sie 1859 schließlich das Château de By am Rande der Wälder von Fontainebleau erwarb und Paris den Rücken kehrte.
Vorliegendes Gemälde fällt in die Jahre der ersten Erfolge und hält Bonheurs erstes Atelier in der Rue de l’Oueste mit erstaunlichem Detailreichtum fest. Sofort fällt das links stehende Pferd ins Auge, dann die Schafe und Ziegen in ihren Boxen sowie der sich mit dem Kater zankende Hund, schließlich die gemütlich mümmelnden Hasen. Früh hatte Bonheur die exakte Kenntnis der Tieranatomie zur Grundlage ihrer Kunst gemacht und scheute auch nicht davor zurück, hierfür die Schlachthöfe von Paris aufzusuchen. Als sich ein gewisser Wohlstand einstellte, fing sie an, eine regelrechte Menagerie um sich zu scharen - sogar ein Löwenpaar nannte sie später ihr Eigen. Scherzhaft meinte die Malerin, sie hätte „tous les animaux de l'arche de Noé“ zur Hand (Anna Klumpke: Rosa Bonheur. Sa vie, son œuvre, Paris 1909, S. 226).
Die Anfänge dieses Privatzoos sind in vorliegendem Bild festgehalten. Bonheur selbst sitzt links an der Staffelei in ihrem später geradezu zur Marke stilisierten blauen Malerkittel. Am gegenüberliegenden Ende des Raumes unterhält sich eine zweite Malerin, höchstwahrscheinlich Nathalie Micas mit einer Kunstliebhaberin. Die Identifikation und Datierung des Atelierbildes ermöglicht eine gedruckte Darstellung derselben Räumlichkeiten in der Zeitschrift L’Illustration vom Mai 1852 (S. 284). Aus dem gleichen Blickwinkel zeigt sie den Salon mit der großen Fensterfront, davor den zu einem Stall umgebauten Vorraum. Zwar sind viele der Requisiten ähnlich platziert, sodass eine gewisse zeitliche Nähe zwischen der gedruckten Darstellung und unserem Gemälde angenommen werden kann, doch schließen die zahlreichen Unterschiede in der Raumausstattung bei genauerem Hinsehen einen direkten Zusammenhang aus.
Ateliers waren insbesondere im 19. Jahrhundert mehr als nur Orte künstlerischen Schaffens. Dem Publikum zugänglich gemacht, dienten sie zunehmend der öffentlichen Selbstinszenierung. Rosa Bonheur wusste die Zurschaustellung ihrer Arbeitswelt geschickt für sich zu nutzten. Bereits in der Rue de l’Oueste waren es weniger die zahlreichen Requisiten als vielmehr die lebendigen Modelltiere, die Schaulustige und Journalisten, aber auch Künstler und Intellektuelle anlockten. Man wüsste, dass man sich ihrem Atelier nähere, wenn man die Schafe blöken höre, liest sich in manch einer der zeitgenössischen Reportagen. Was Besucher vorfanden wird auf einprägsame Weise in vorliegendem Werk visuell dokumentiert, das gleichsam einen Einblick in die Arbeitsweise der noch aufstrebenden Künstlerin gewährt.

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.


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