Los 8254

Spoerri, Daniel
(1930 Galati, lebt in Wien)Ohne Titel (Brötchen)

Nachverkaufspreis
1.800€ (US$ 2,093)

Los 8254 - Spoerri, Daniel - Ohne Titel (Brötchen) - 0 - thumbExtragroße Abbildung

Aus dem Katalog
Moderne und Zeitgenössische Kunst I
Auktionsdatum 4.12.2021

Lot 8254, Auction  118, Spoerri, Daniel, Ohne Titel (Brötchen)

Ohne Titel (Brötchen)
Bronze, teils farbig gefasst.
15,8 x 9 x 9 cm.
Auf der Oberseite des Korpus signiert "Daniel Spoerri". Auflage 8 num. Ex.

Vielleicht gehören die Prillwitzer Idole zu einer der erfolgreichsten Fälschergeschichten des 18. Jahrhunderts, in die selbst die Königin von England und Goethe hineingezogen wurden. Zunächst einmal war es jedoch ein unverdächtiger Vorgang, der in Akten und Büchern geschildert wird: Beim Pflanzen eines Birnbaums im Garten des Gutshauses in Prillwitz stieß man um 1768 plötzlich auf eine Reihe von metallenen Figuren. Einige von ihnen sind von runenartigen Schriftzeichen überzogen; wobei man in einem den Namen Rhetra zu lesen meint.
Neben Arkona, das sich leichterhand auf Rügen verorten ließ, suchte man seit Jahrhunderten nach dem zweiten bedeutenden Slawen-Heiligtum Rhetra. Durch den Fund schienen sich nunmehr Behauptungen zu bewahrheiten: Prillwitz war das alte Rhetra. (...) Eine von obersten Stellen eingeleitete umfangreiche Untersuchung brachte schließlich zu Tage, dass die Stücke Fälschungen waren. Zwischenzeitlich hatte sie aber eine Dynamik in Gang gesetzt, die sich nicht mehr aufhalten ließ: Die Fundstücke veranlassten den herzoglichen Schweriner Vetter nicht nur 1804 eines der ersten deutschen Denkmalschutzgesetzte zu erlassen, sondern zu einer eigenen Sammlung. Ja, am Ende wurde ein Fundstück aus Trechow, dass man aufgrund seiner Form als „Wendischen Krone“ stilisierte, zum Symbol des mecklenburgischen Hausordens. Dass es sich - modern gesprochen um eine Radkappe handelte - war unbedeutend.
Daniel Spoerri hat als einer der Ersten a posteriori überhaupt - nicht wissenschaftlich - sondern künstlerisch die Bedeutung der Prillwitzer Idole erkannt. Bis heute weiß man nicht, ob die Fälscher - honorige Personen der Neubrandenburger Gesellschaft, der einstige Eigentümer von Prillwitz oder sogar der Herzog selbst - Drahtzieher dieser Täuschung waren. Tatsache ist, dass alle auch über Jahrzehnte davon profitierten oder sie fortschrieben. Ebenso wie in Hohenzieritz hat Spoerri in seinem eigenen Landschaftsgarten in Italien die Themen von Verortung und Memoria noch einmal aufgegriffen. Die heutige Forschung konnte er bei der Herstellung seiner Repliken nicht kennen. Hatte er diese Dimensionen geahnt? Und wenn: warum kopiert er Fälschungen? Im Sinne der Archäologie sind sie falsch, im Sinne der Kunstgeschichte aber reale Artefakte. Der Künstler bietet dem Betrachter Objekte dar, an dem er den Schnittpunkt zwischen Wirklichkeit und Wahrheit auslotet. Sie sind unwahr und falsch, trotzdem haben sie nicht nur eine Wirklichkeit, sondern mittlerweile auch Geschichte geschrieben. Vielleicht muss man sein Werk vor dem Hintergrund postmoderner Historikerstreits sehen, die mit den Prillwitzer Idolen einen Vorläufer gefunden haben. Dass sich die Deutungshoheit an „false facts“ festmacht, muss den Historiker wie den Künstler nervös machen. Dass wir gerade heute wieder an diesem Punkt stehen, macht die Objekte besonders spannend. Die „originalen“ Fälschungen befinden sich übrigens bis heute in Landesbesitz und werden in einem Depot im einstigen Herzogtum Schwerin peinlichst unter Verschluss gehalten. // Dr. Marcus Köhler, Dresden

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.


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