Los 3043

Kisch, Egon Erwin
(1885-1948)Eigenhändiger Brief. Teufelsmühle, 24. Mai 1929.

Nachverkaufspreis
600€ (US$ 698)

Los 3043 - Kisch, Egon Erwin - Eigenhändiger Brief. Teufelsmühle, 24. Mai 1929. - 0 - thumb

Aus dem Katalog
„Egon Erwin Kisch“
Auktionsdatum 13.10.2021

Lot 3043, Auction  118, Kisch, Egon Erwin, Eigenhändiger Brief. Teufelsmühle, 24. Mai 1929.

"Ohne den schrecklichen Rummel, der in Berlin um mich gemacht wurde"
Kisch, Egon Erwin. 4 (3 eigenhändige, 1 maschienengeschriebener) Briefe an Jarmila Haasová in tschechischer (3) und deutscher (1) Sprache mit Unterschrift "Egonek", 4 (3 eigenhändigen) Kuverts und Beischrift von Gisela Lyna in deutscher Sprache. 2 S. 28 x 22 cm. Mit eigenhändig adressiertem Kuvert. Teufelsmühle bei Königsberg an der Eger, 24. Mai, 14., 25. Juni und 7. Juli 1929.
Haupt, Kisch, S. 74-77. – Die Teufensmühlen-Briefe des Egon Erwin Kisch (1885-1948), der sich zusammen mit Gisela Lyner im Egerland bei Libau und Königsberg an der Eger, dem heutigen Kynšperk nad Ohří zum Arbeiten zurückgezogen hatte, aber auch, um dem sich inzwischen dem zu einer fast kultischen Verehrung ausgewachsenen Personenkult um den "rasenden Reporter", wie er nun immer mehr genannt wird, zu entziehen - Kisch im Zenit seines Ruhmes und seiner Popularität, nachdem der er durch die USA gereist war, wo er u. a. mit Upton Sinclair, Emil Jannings und Charlie Chaplin zusammengekommen war, was er in seinem Reportageroman Paradies Amerika (Berlin, Erich Reiss, 1930) verarbeitet.

1) 24. Mai 1929. "Liebe Jarmiláč, direkt aus New York kommend, habe ich ich in den hintersten Winkel verkrochen, in die Teufelsmühle bei Kynšperk an der Ohře! Ich wollte nach Böhmen, damit meine Mutter mich besuchen kann, ohne den schrecklichen Rummel zu erleben, der in Berlin um mich gemacht wurde". Kisch schreibt in seiner immer ausgefeilteren, mit zahlreichen Voluten und Rundschnörkeln versehenen kalligraphischen Schönschrift in schwarzblauer Tinte an seine Jarmila, so dass der Brief allein schon graphisch zu einem kleinen Kunstwerk wurde, das sich auf dem Umschlag vollendet.

Seine Sekretärin, Geliebte und spätere Ehefrau, Gisela Lyner setzt unten hinzu, indem sie den Trubel in Berlin erwähnt, ferner Kischs Freunde Hugo Sinaiberger (geb. 1886), den Chefredakteur der Prager Filmzeitschrift Internationale Filmschau, den Autor Frigo sowie Alfred Polgar: "Liebe Jarmila, hier ist es wildromantisch, ruhig und langweilig, so daß ich wenigstens zur Arbeit komme. In Berlin hatten wir Pfingsten ein Irrenhaus. Von Polgar über Sinaiberger bis zum ultralinken Frigo waren alle politischen Schattierungen vertreten..."

2) 14. Juni 1929. "Blble, je mi líto, že maj takovou" - "Dummerchen, es tut mir leid, daß Du sakramentspotztausend solches Pech hast! Aber es wird alles. das Wichtigste ist, daß das mit Nečas blinder Alarm war ... Wenn Du kein Geld für die Reise hast, telegrafiere. Und Nečas bringst Du natürlich mit".

3) 25. Juni 1929.
"Liebe Jarmiláč ... auch wenn ich Sehnsucht nach Dir habe, bin ich doch nicht so ein Blödmann, Dich zu bedrängen ... nur wegen der Teufelsmühle und wegen mir von Berlin nach Böhmen zu reisen wäre dumm ... Das zweite Honorar für Prašná brána [die Publikation Kischs Pulverturm] gehört Dir, denn Du mußtest neue Veränderungen und Korrekturen vornehmen ...".

4) 7. Juli 1929.
Masch. Brief in Deutsch "Blble [Dummerchen], in aller Eile diktiere ich Dir einen Begleitbrief zu beiliegendem Schreiben und Telegramm von Bornstein. An Schornstein habe ich ein Antworttelegramm geschickt..." Darunter von Gisela Lyner: "Liebe Jarmila, es ist mir vollkommen rätselhaft, was mit Dir los ist! Dass Du nicht einmal schreibst! -- Jetzt sind wir schon über sechs Wochen hier und so lange warten wir schon auf Dich...". Und 4 Zeilen handschriftlich von Kisch in blauschwarzer Tinte mit Paraphe "E" in Tschechisch: "Habe Dir von 10 Tagen einen Brief nach Berlin geschickt, der zurückgekommen ist ('Adressat verreist, unbekannt wohin'), so habe ich ihn Dir gleich an Deine Prager Adresse geschickt. Eingangengen? E.". Die entsprechenden Postvermerke auf dem Umschlag. – Geringe Knickspuren, schöner Brief.


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