Los 6047

Müller, Franz Hubert
(1784 Bonn - 1835 Darmstadt)Bildnis der Marianne von Willemer

Nachverkaufspreis
5.000€ (US$ 5,747)

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Aus dem Katalog
Gemälde Alter und Neuerer Meister mit Portraitminiaturen
Auktionsdatum 10. Juni 2021

Lot 6047, Auction  117, Müller, Franz Hubert, Bildnis der Marianne von Willemer

Bildnis der Marianne von Willemer vor einer Landschaft.
Öl auf Leinwand. 67 x 53,5 cm. Am linken Bildrand in der Landschaft signiert und datiert "Müller 1816".

An Musen war Goethes Leben durchaus nicht arm. Doch nur ein einziges Mal ging die seelische Verbundenheit in dichterische Zusammenarbeit auf. Im Sommer 1814 lernte der alternde Schriftsteller bei einem Jugendfreund, dem Bankier Johann Jakob von Willemer, dessen Frau Marianne kennen. Aus ihrem gedanklichen und schriftlichen Wechselspiel gedieh das Buch Suleika in Goethes Gedichtwerk West-östlicher Divan.
Mit ihren knapp 30 Jahren war Marianne Willemer liebenswürdig wie geistreich und intelligent. Tochter einer österreichischen Schauspielerin und Tänzerin, war sie in jungen Jahren mit spektakulärem Erfolg in die Fußstapfen ihrer Mutter getreten. Zu ihren Verehrern gehörte Clemens Brentano, doch war es schließlich der zweifache Witwer Willemer, der sie in sein Frankfurter Haus holte. Durch ihre warmherzige Natur wurde sie schnell zum Mittelpunkt der Familie und nahm sukzessive die Rollen einer Pflegetochter, Gesellschafterin, Lebensgefährtin und schließlich Ehefrau ein. Als sie im August 1814 auf Goethe traf, muss die Anziehung sofort beidseitig gewesen sein. Bis in den Herbst hinein besuchte der Dichter wiederholt ihr Heim. Gemeinsam genoss man in des Ehepaars Gartenhäuschen das Feuerwerksschauspiel zum Jahrestag der Völkerschlacht. Mit Goethes Abreise nach Weimar setzte eine regelmäßige Korrespondenz ein.
1815 kehrte der Literat zu den Willemers zurück. Was ein kurzer Besuch sein sollte, zog sich vom 12. August bis zum 17. September hin. Goethe hatte sich damals abgestoßen von den Kriegswirren und dem aufkommenden Nationalpatriotismus in den literarischen Fernost geflüchtet. Die Begeisterung für den Orient teilte er mit Marianne und in dieser intensiven Zeit gedieh, ernährt von heftiger Leidenschaft und gegenseitiger künstlerischer Befruchtung, der Divan. Während Goethe am Morgen arbeitete, spazierte man am Nachmittag, der Abend war hingegen dem Rezitieren von den tagsüber verfassten Versen bestimmt. Marianne, eine hinreißende Sängerin, machte es sich zur Gewohnheit, die Worte Goethes zu vertonen. Dann begann sie, seine Gedichte mit eigenen Versen zu erwidern. Es entstand ein poetischer Dialog auf Augenhöhe und Goethe nahm einige ihre Schöpfungen in seinem Band auf - unter seinem Namen, wohlgemerkt. Verschwörerisch spielt er in einem Schreiben an Marianne in einem Vierzeiler auf dieses literarische Geheimnis an: „Myrt’ und Loorbeer hatten sich verbunden / Mögen sie vielleicht getrennt erscheinen, / Wollen sie, gedenkend sel’ger Stunden, / Hoffnungsvoll sich abermals vereinen“. Marianne schwieg ihr ganzes Leben dazu. Erst wenige Jahre vor ihrem Tod beichtete sie einem Freund ihren entscheidenden Beitrag und sicherte sich so den ihr gebührenden Platz in der Literaturgeschichte.

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.


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