Los 6043

Norddeutsch
um 1810. Der Maler mit seiner Familie vor der Staffelei

Nachverkaufspreis
4.500€ (US$ 5,172)

Los 6043 - Norddeutsch - um 1810. Der Maler mit seiner Familie vor der Staffelei - 0 - thumbLos 6043 - Norddeutsch - um 1810. Der Maler mit seiner Familie vor der Staffelei - 1 - thumbLos 6043 - Norddeutsch - um 1810. Der Maler mit seiner Familie vor der Staffelei - 2 - thumb

Detail-Zoom:

Aus dem Katalog
Gemälde Alter und Neuerer Meister mit Portraitminiaturen
Auktionsdatum 10. Juni 2021

Lot 6043, Auction  117, Norddeutsch, um 1810. Der Maler mit seiner Familie vor der Staffelei

um 1810. Der Maler mit seiner Familie vor der Staffelei.
Öl auf Leinwand. 105 x 79 cm.

Die Hamburger Kunst der Jahrhundertwende und der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts eignete eine eigentümliche künstlerische Fixierung auf die eigene Person sowie den Freundeskreis und die Familie. Der Weg führt über einen der ersten Hoffnungsträger lokaler Kunst, Georg Ludwig Eckhardt, und seinem Selbstbildnis mit den Eltern und der Schwester (1794), vorbei an Friedrich Carl Grögers liebevollem Porträt seiner kleinen Patchworkfamilie mit dem Lebensgefährten Jakob Aldenrath und der Ziehtochter Lina (1804) über das ein Jahr darauf entstandene Meisterwerk romantischer Kunst Wir drei (1805) von Philipp Otto Runge, der sich dort in inniger Verbundenheit mit seiner geliebten Pauline und dem treuen Bruder Daniel festhält. Die auffällige Häufung von Selbstporträts, Familien-, Freundschafts-, aber auch Atelierbildnissen in dieser Zeit lässt sich bis zu einem gewissen Grad durch ortspezifische Gegebenheiten erklären. Vor der Revolution konnte Hamburg lediglich eine mehr als dürftig zu bezeichnende lokale Kunstpraxis vorweisen. Ihrer Größe zum Trotz zählte die Stadt zur künstlerischen Peripherie. Eine abrupte wie kurzweilige Wende brachten ab ca. 1795 die Koalitionskriege, aus denen die Hansestadt enormen wirtschaftlichen Gewinn zog. Erstmals dürstete es eine vermögende Elite nach Kunst. Gleichzeitig waren in ganz Europa Künstler aufgescheucht und mobil geworden, so dass Hamburg aufgrund der beständigen Nachfrage und stabilen politischen Situation zu einem neuralgischen Knotenpunkt internationaler Künstleritinerare wurde. Besonders günstig war die Auftragslage für Bildnismaler, die sich daher zahlreich für kürzere oder längere Aufenthalte niederließen.
Das Porträt war für eine im Keimen begriffene Generation von Lokalkünstlern also allgegenwärtig, die Auseinandersetzung damit unumgänglich. Gegen eine gewisse glattpolierte Kommerzialität, die besonders Franzosen wie der ehemalige Hofmaler Jean-Laurent Mosnier pflegten, sträubte sich nicht zuletzt Runge. Gerade im Privaten setzte Runge der gefälligen Perfektion der Berufsmaler einen unkonventionell rauen, unpolierten Stil entgegen. Dieses künstlerische Idiom teilt auch unser Künstler. Es steht außer Frage, dass der Unbekannte mit den freundlichen, dunklen Augen ein Bewunderer, wenn nicht gar Bekannter Runges war. Auch seine Figuren charakterisieren eine gewisse Härte in der Auffasung, die knotigen, wie aus Gummi bestehenden Finger könnten den Pinselstrichen des ungleich Berühmteren entsprungen sein. Bei der stehenden Ehefrau mit den dunklen Stirnlocken und dem breitgesichtigen Kind im Arm drängt sich der Vergleich zum Bildnis der Pauline Runge und ihrem Söhnchen (1807) geradezu auf.
Gleichzeitig ist der Maler darum bemüht, die Runge’sche Rustikalität in klassischere Bahnen zu lenken. Mit der roten Draperie im rechten Hintergrund wählt er eine typische Requisite der Porträtmalerei. Zudem räumt er sich durch die Verschränkung des Familien- und Atelierbildnisses die Möglichkeit einer standesgemäßen Inszenierung seines Berufs ein. Gerade sitzt er in typischer Malerpose mit überschlagenen Beinen da, Pinsel und Palette in Anschlag. Die kleine Skulptur hinter der Staffelei und die auf der Rückwand angedeuteten Figurenstudien weisen darauf hin, dass er auch Historien malte oder zumindest diese Aspiration verfolgte. Dennoch liegt die Stärke des Werks zweifelsohne in der lebensnahen Charakterisierung der Dargestellten. Obwohl das Konterfei vieler norddeutscher Künstler und ihrer Lieben durch die oben geschilderte rege Porträtpraxis überliefert ist, bleibt die Identität unserer Familie vorerst ein Rätsel. Nichts desto trotz vereint das Werk kongenial die Entwicklungen und charakteristischen Eigenschaften einer sich formierenden lokalen Schule mit liebevoller Intimität und künstlerischer Vielseitigkeit.

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.


Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr

Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com

Impressum
Datenschutzerklärung
© 2021 Galerie Gerda Bassenge


Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr

Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com

Impressum
Datenschutzerklärung
© 2021 Galerie Gerda Bassenge