Los 2614

Bunsen, Christian Karl Josias von
Sammlung von 59 Brief-Abschriften

Nachverkaufspreis
3.500€ (US$ 4,023)

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Aus dem Katalog
Literatur und Autographen
Auktionsdatum 14.4.2021

Lot 2614, Auction  117, Bunsen, Christian Karl Josias von, Sammlung von 59 Brief-Abschriften

Bunsen, Christian Karl Josias von, einer der einflußreichsten preußischen Diplomaten im 19. Jhdt, Gesandter in Rom und London, zugleich Theologe und Archäologe, Mitbegründer des Dt. Archäolog. Instituts in Rom, befreundet mit zahlreichen Künstlern und Schriftstellern (1791-1860). Sammlung von 49 Abschriften durch verschiedene Hände aus seinem Briefwechsel, wohl veranlaßt von seinem Sohn Georg von Bunsen. Zus. ca. 266 S. Meist 4to. Umfassend den Zeitraum 1848-1859.
Hoch bedeutende Briefwechsel des vielseitigen Diplomaten mit führenden Persönlichkeiten der europäischen Politik, vor allem mit König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, mit Prinz Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, Prinzgemahl der Königin Victoria von England, und mit Wilhelm I., hier noch Kronprinz von Preußen. Aus dem vorliegenden Material scheint hervorzugehen, dass der Politiker Georg von Bunsen (1824-1896), Sohn des Diplomaten, aus dem in mindestens 29 Bänden gesammelten politischen Schriftwechsel des Prinzen Albert von Sachsen-Coburg in London und wohl auch aus anderen Quellen die Briefe von und an Christian Karl Josias von Bunsen kopierte oder kopieren ließ. Die Mehrzahl der Briefe ist wohl komplett wiedergegeben, bei einigen lassen sich Auslassungen erkennen. Die Handschriften sind schwer zuzuordnen. Eine Reihe von Briefen zeigt die Merkmale der - nicht sehr ausgeprägten - Handschrift des Diplomaten, ist großzügig auf festem Bütten, teils mit Goldschnitt, geschrieben und wirkt somit eigenhändig, auch wenn am oberen Rand "Abschrift" oder "Copia" vermerkt ist; andere sind eindeutig spätere Abschriften von verschiedenen Händen. Eine Abschrift stammt zweifellos von der Schriftstellerin Marie von Bunsen, der Enkelin des Diplomaten. Jedenfalls scheinen, so weit wir feststellen konnten, die hier wiedergegebenen Briefe Christian Karl von Bunsens bisher in Deutschland nicht veröffentlicht zu sein. Sie bilden wertvollstes Material zur Geschichte der europäischen Politik im Zeitraum von 1848 bis zum Ende der Regierung Friedrich Wilhelms IV. von Preußen. Wie hoch Bunsens Einfluß auf diesen König war, geht daraus hervor, dass kein geringerer als Leopold von Ranke bereits 1873 die Briefe Friedrich Wilhelms IV. an Bunsen veröffentlicht hat, wenn auch nicht diplomatisch, sondern auszugsweise in fließenden Text eingebettet, wobei Bunsens Briefe nur in sehr geringem Ausmaß zitiert werden. Dort wie in vorliegender Sammlung setzt sich der König auf vielen Seiten mit Bunsens Vorschlägen und Meinungen auseinander, antwortet mit religions- und staatsphilosophischen Betrachtungen und zeigt damit, wie wichtig und anregend ihm Bunsens Briefe sind. Insofern sind die hier wiedergegebenen Briefe beider Seiten von besonderer Bedeutung.
Im Einzelnen enthält die vorliegende Sammlung: Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen. 8 Briefe an Bunsen. - Christian Karl J. von Bunsen.
14 Briefe an König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. - Derselbe. 11 Briefe an den Kronprinzen Wilhelm von Preußen. - Derselbe. 1 Brief an seinen Vater. - Derselbe. 1 Brief an Johannes Hermann Sieveking. - Derselbe. 1 Brief an Baron von Stockmar in London. - Derselbe. 17 Briefe an Prinz Albert von Sachsen-Coburg-Gotha in London, Prinzgemahl der Königin Victoria. - Albert, Prinz von Sachsen-Coburg-Gotha. 1 Brief an Bunsen. - Bernhard Ernst von Bülow. 1 Brief an Bunsen. - Ferner: 1 Auszug aus einer geheimen Instruktion des Auswärtigen Amtes in Paris. - 1 Brief von Kaiser Wilhelm I. an Bunsens Witwe (1876). - Theodor von Bunsen. 2 Briefe an Friedrich Franz Nippold in Heidelberg (1884, 1885). - Beiliegend 1 Faszikel "Nachlese aus dem politischen Briefwechsel weiland des Prinzen Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, Prinzen Gemahls von England, zusammengestellt von Georg von Bunsen" (16 S. 4to). - Themen der Briefe sind: Die Revolution von 1848 und ihr allmähliches Scheitern; Wirken und Ende der Frankfurter Nationalversammlung; der Krieg in Schleswig-Holstein sowie die Stellung Preußens in Deutschland und Europa; der Krimkrieg; der Kirchenstreit und vieles andere. Einige charakteristische Textbeispiele: "... Ein König darf nie persönliche Rücksichten vorwalten lassen, und Ew. M. wissen, daß der Ehrgeiz eines diplomatischen Einflusses nie meine schwache Seite gewesen ist. Mein Herz sehnt sich nach ganz andern Dingen, und geht die deutsche Sache unter, so habe ich mir gelobt für immer aus dem öffentlichen Leben, wo nicht vom Vaterlande zu scheiden ..." (Bunsen an Friedrich Wilhelm IV., London 31.III.1849). - "... Ich habe Ew. M. gerathen zum Frankfurter Thore herauszugehn: Ew. M. sind aber zum Ollmützer herausmarschirt. Von dem Augenblicke ist es meine 'verfluchte Schuldigkeit' meinem Könige auf dem Wege zu folgen, den er eingeschlagen ... Die Ollmützer Chaussee ist abgesperrt, nach Deutschland hin: Die Zollbeamten sind eingezogen: links aber gehts nach Frankfurt. Die Fürsten sind schon dort, ehe Ew. M. anlangen: sie ziehen eine einheitliche Reichsherrschaft, in Bundesform, der Anarchie vor: sie rechnen, für die Reinigung der Verfassung auf das Staatenhaus und den verständigen Sinn des Volks, welches nur gewühlt und gewüthet hat, um den Partikularismus zu bekämpfen: noch mehr auf Ew. M. Einfluß und Macht ..." (Bunsen an Friedrich Wilhelm IV., London 17.IV.1849). - "... Es ist von ungeheuerer Wichtigkeit, daß das englische Kabinet wisse, in vollster Gewißheit wisse, daß ich und meine Regierung, wenn uns Oesterreich zum Kriege nöthigen sollte (was ich trotz aller friedlichen und in die Politik meines Ministeriums eingehenden Versicherungen dennoch voraus sehe) nun und nimmermehr zu revolutionären Mitteln greifen, mich mit Frankreich oder Sardinien verbinden, mich zu Rothen oder Gothaern, mit Königsmördern und Kaisermachern, neigen werde. Old England for ever! Allein mit ihm und verfassungsmäßer Freiheit halte ich's ..." (Friedrich Wilhelm IV. an Bunsen, 12.XI.1850). - Auch wenn es sich um zeitgenössische Abschriften handelt: Die enorme Fülle von Berichten und Kommentaren - teilweise 10-11 Seiten - von führenden Staatsmännern aus zwölf entscheidenden Jahren europäischer Politik ab 1848 macht die vorliegende, anscheinend unveröffentlichte Sammlung zu einer historischen Quelle ersten Ranges.


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