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Lot 7561, Auction  121, Kreidt, Fritz, Verwilderte Stadt

Kreidt, Fritz
Verwilderte Stadt
Los 7561

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
500€ (US$ 575)

Details

Verwilderte Stadt
Tempera und Feder in Schwarz auf Preßspanplatte. 1982.
30 x 40 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Gelb signiert "KREIDT" sowie mit Feder in Schwarz nochmals signiert "F. KREIDT" und datiert, verso auf dem Abdeckkarton von fremder Hand betitelt.

Riesenbärenklau wuchert über das verlassene Chassis, Disteln und Nesseln verdecken das Mauerwerk, Bretterbuden sind schon lange verlassen und verfallen. Wir sehen zwar keine Spuren einer Apokalypse, aber diese schwarzgrüne Welt scheint gänzlich unbewohnt, eine dem Untergang preisgegebene Zivilisation. Kreidt kombiniert die lasierend aufgetragenen Temperafarben seiner gedeckten Palette mit feinen Federkonturen, die den Verfall beinahe hyperrealistisch dokumentieren.

Lot 7562, Auction  121, Kreidt, Fritz, Ofenstraße Süd, Lauchhammer

Kreidt, Fritz
Ofenstraße Süd, Lauchhammer
Los 7562

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
1.188€ (US$ 1,365)

Details

Ofenstraße Süd, Lauchhammer
Tempera auf Preßspanplatte. 1995.
30 x 40 cm.
Unten links mit Pinsel in Braun signiert "KREIDT", verso auf Klebeetikett typographisch bezeichnet, datiert und betitelt.

Eine untergegangene Welt, von der Natur zurückerobert und ihrer Sinnhaftigkeit beraubt. Fein ausformuliert stellt Kreidt die verfallene, vollkommen menschenleere Industriearchitektur dar. Die Großkokerei Lauchhammer wurde 1991 stillgelegt, und bereits vier Jahre später ist die Ofenstraße mit blühendem Buschwerk bewachsen. In diesem Prozess zeigt sich ein Aspekt von Vergeblichkeit, der dem menschlichen Streben und Handeln angesichts der Macht der Vegetation innewohnt. Zugleich liegt genau darin ein gerade heutzutage immenser Trost, siegt hier doch über den kaputten Kern der Industrialisierung und Umweltverschmutzung die Selbstheilungskraft der Natur.

Provenienz: Galerie Christian Zwang, Hamburg und Berlin (mit deren Klebeetikett verso)

Lot 7563, Auction  121, Häusser, Robert, Selbst

Häusser, Robert
Selbst
Los 7563

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
750€ (US$ 862)

Details

Selbst
Silbergelatineabzug. 1981.
48 x 38,5 cm.
Unten rechts mit weisser Tinte signiert und datiert.


Lot 7564, Auction  121, Kerwien, Benjamin, Die Stille

Kerwien, Benjamin
Die Stille
Los 7564

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
1.250€ (US$ 1,437)

Details

Die Stille
Öl auf Preßspanplatte. 2019.
20 x 60 cm.
Unten links mit Pinsel in Grün signiert "KERWIEN".

Einsam, nüchtern und akribisch ausformuliert erstreckt sich in langgezogenem Querformat ein Interieur mit wenig Mobiliar, belebt nur von einigen Gräsern und Bäumchen, vor den Augen des Betrachters. Der Blick wandert, angezogen vom Tageslicht, zum Fenster und durch eine Raumflucht hin zu einem rosablauen, surreal wirkenden Himmel, der an Renée Magritte denken lässt. Benjamin Kerwien ist seit 1995 als Maler und Illustrator tätig. Seine Bilder strahlen eine teils bedrückende Ruhe und Melancholie aus. In ihren nüchternen, zumeist menschenleeren Bildwelten findet eine postmoderne Sachlichkeit Ausdruck. Häufig behandelt er das Thema Pflanzen, stets präzise und bis ins kleinste Detail ausgearbeitet.

Provenienz: Privatbesitz Amsterdam
Privatbesitz Berlin

Chamberlain, Lewis
Through the Leafy Woodlands
Los 7566

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
750€ (US$ 862)

Details

"Through the Leafy Woodlands"
Bleistift auf Velin. 2021.
11 x 11 cm (28,4 x 25,3 cm).
Unten rechts mit Bleistift signiert "L. Chamberlain" und datiert.

Lewis Chamberlain studierte bis 1988 an der Slade School of Art in London. Seit den 1990er Jahren widmeten sich bereits verschiedene Ausstellungen in Großbritannien und den USA seinem Werk, so auch unter anderem 1991 die legendäre Guillaume Gallozzi Gallery in New York. Bereits im jungen Alter sammelte er an den Ufern der Humber-Mündung aufgelesenes Strandgut und nahm die Fundstücke zum Zeichenstudium mit nach Hause. Diese Faszination für seltsame, offenbar unzusammenhängende Objekte und die durch ihre Verbindung entstehenden Kontexte spiegelt sich bis heute in seinen Arbeiten wider. In seinen altmeisterlich-präzis gearbeiteten Gemälden und Bleistiftzeichnungen schafft er durch die Kombination von Fundstücken, Modellen und Kinderspielzeugen und die Gegenüberstellung von scheinbar nicht zusammen gehörenden Objekten zugleich vertraut wie irritierend-unheimlich wirkende, vielschichtige Bildwelten. Seine Arbeiten finden sich in vielen internationalen Sammlungen.

Lot 7567, Auction  121, Anderle, Jiří, Il Sorriso

Anderle, Jiří
Il Sorriso
Los 7567

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
3.125€ (US$ 3,592)

Details

Il Sorriso
Farbige Kaltnadel mit Mezzotinto und Roulette auf Hahnemühle-Velin. Um 1978.
92,3 x 63,5 cm (106,3 x 79 cm).
Signiert "Anderle". Auflage 70 num. Ex.
Spangenberg 142.

Jiri Anderles Radierung "Il Sorriso" entstand innerhalb seines Zyklus "Portraits in the Passage of Time". Das Motiv entstammt einem Portrait des italienischen Renaissancekünstlers Alesso Baldovinetti aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Ihre Figur wird überlagert und wiederholt, wodurch eine Bewegungsunschärfe entsteht. Ihr Mund kräuselt sich von links nach rechts allmählich zu einem Lächeln. So präsentiert Anderle nicht nur einen einzelnen Moment, sondern eine ganze Handlung: Vergangenheit und Gegenwart, dargestellt auf einer Bildebene, und er versetzt den Betrachter in einen quasi traumartigen Raum. Prachtvoller, klarer und differenzierter Druck der nahezu formatfüllenden, großformatigen Darstellung.

Lot 7569, Auction  121, Deutsch, um 1860. Metaphysische Landschaft

Deutsch
um 1860. Metaphysische Landschaft
Los 7569

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
688€ (US$ 790)

Details

Metaphysische Landschaft
Rauch-Zeichnung: Schwarz (unter Verwendung von Ruß) beschichtetes Papier mit Ritzzeichnung. Um1860.
7,8 x 10 cm.

Die Schwaden des Rauches legen unterschiedlich dichte, teils tiefdunkle Schleier auf das Papier. Dorthinein ritzt der Künstler die Negativzeichnung und fixiert anschließend die Rauchschicht. Der Schwung der Linien scheint sich mit dem wolkigen Untergrund zu verbinden, seine metaphysische Wirkung zu steigern, so dass, ähnlich einem Traumbild, der Hauch einer Landschaft entsteht. Auf italienisch hießen diese Bilder "Fumi", die im 19. Jahrhundert wohl zuerst auf der Rückseite leer gegessener Teller entstanden. In die über dem Licht geschwärzte Fläche ritzten anfangs die italienischen Künstler Karikaturen mit dem Zahnstocher und konnten davon mit angefeuchtetem Papier aquatintaähnliche Abdrucke nehmen. Hier jedoch liegt die Rußschicht direkt auf dem Papier und erzielt subtile Abstufungen von Hell- und Dunkeltönen.

Lot 7570, Auction  121, Wöhler, Hermann, Weltlandschaft mit Lilien

Wöhler, Hermann
Weltlandschaft mit Lilien
Los 7570

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
2.500€ (US$ 2,874)

Details

Weltlandschaft mit Lilien
Öl auf Hartfaserplatte.
49 x 69,8 cm (Rahmenausschnitt).
Unten mittig rechts mit Pinsel in Blau mit dem Künstlersignet "HW".

Eine meditative Stille und der Blick in wundersam fremde Bildwelten vereinen sich in dieser rätselhaften Darstellung. Drei große, sanft schimmernde Gestirne - Sonnen oder Monde vielleicht - durchziehen den Himmel über dieser Welt der Imagination und verströmen ein irreales Halblicht, aus dem heraus die irritierend weißen, fast fledermausartigen Vogelwesen wie Boten in den Vordergrund hineinfliegen. Hier umrahmt nachtblau der Sternenvorhang den Ausblick in jene fremde Welt und verdunkelt die weißen Lilien im Vordergrund. Leben und Tod, Diesseits und Jenseits, Licht und Dunkel, diese Gegensätze verschränken sich in dem Zwischenreich des Bildes, das den Betrachter zum stillen Schauen ebenso wie zum Nachsinnen und Träumen anregt.

Lot 7571, Auction  121, Wong, Brent, Surreale Landschaft

Wong, Brent
Surreale Landschaft
Los 7571

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
23.750€ (US$ 27,299)

Details

Surreale Landschaft
Acryl auf Hartfaserplatte. 1972-73.
60,5 x 121 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Blau signiert "B WONG" und datiert, verso nochmals datiert, mit den Maßangaben und bezeichnet.

Sei es in Neuseeland oder auf dem Mond: Vollkommen fremd wirkt die Landschaft mit ihren aneinandergereihten, sich wiederholenden Mustern und Formationen. Die vollkommen menschenleere, lasierend gemalte Szenerie unter strahlend blauem Himmel erhält durch das grünliche Licht und ihre fast monochrome Farbigkeit einen surrealen Charakter, eine irritierende Unnatürlichkeit. Eine tiefe, beängstigend dunkle Spalte öffnet sich im Vordergrund, und ob die Landmassen weiter hinten fest sind oder aus fließendem, lockerem Sand bestehen, bleibt unklar. So löst die Landschaft ein irritierendes Gefühl geisterhafter, traumartiger Unwirklichkeit aus und erhält einen nahezu meditativen Charakter. Nach kurzen Experimenten mit Aquarell und Öl entschied Wong sich für Acryl als Malmedium, da er die schnell trocknenden Farben ermöglichten, zügig aufeinanderfolgende Farbschichten aufzutragen - eine Lasurtechnik, die seinen Gemälden ein juwelenhaftes Leuchten verleiht.

Lot 7573, Auction  121, Thiemann, Hans, Transparentes Gefilde

Thiemann, Hans
Transparentes Gefilde
Los 7573

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
3.750€ (US$ 4,310)

Details

Transparentes Gefilde
Öl auf Leinwand. 1947.
30,5 x 41 cm.
Unten links in der Darstellung mit Pinsel in Rot signiert "hans thiemann" und datiert.
Essen 57.

Eine ganz eigene, imaginierte Bildwelt jenseits der Realität baut Thiemann auf, anstatt diese lediglich zu verfremden. Anklänge an Landschaftliches vereinen sich mit mysteriösen Objekten und Konstrukten, in der spannungsreichen Komposition und mit dem ornamentalen, regelmäßigen Pünktchenmuster von hohem ästhetischen Reiz. Um 1933 wandte sich der Künstler "jener metaphorisch abstrakten Formensprache zu, die fortan seine Bildwelt bestimmt. Sie führt ihn zurück zu den Grundelementen der abstrakten Malerei, zu Punkt, Linie und Fläche im Sinne seines Lehrers Kandinsky." Mit dieser elementaren Formensprache baut er jedoch eine metaphernreiche, geradezu dichterische Bildwelt auf. "Hier wird die Nähe zu seinem zweiten großen Lehrer am Bauhaus, zu Klee, spürbar." (Essen S. 15). Kurz vor dem Entstehen des vorliegenden Gemäldes, 1946, fand die erste große Ausstellung seiner Arbeiten, zusammen mit Trökes, Zimmermann u. a. als "Gruppe der Fantasten" präsentiert, in der Berliner Galerie Gerd Rosen statt, im Jahr 1947 bereits ebendort seine erste Einzelausstellung.

Lot 7574, Auction  121, Houtin, François, Fisch unter Bäumen

Houtin, François
Fisch unter Bäumen
Los 7574

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
575€ (US$ 661)

Details

Fisch unter Bäumen
Pinsel in Schwarz, laviert, auf festem Velin. 1991.
48 x 48 cm.
Unten rechts in der Darstellung signiert "HOUTIN" und datiert.

Lebt der Fisch? Er liegt nicht auf seiner Servierplatte, sondern er steht, als schwämme er im Wasser. Korrespondierend dazu, wachsen die ihn umrahmenden Äste korallenartig, und wie Narwalzähne winden sich die spitz zulaufenden Pflanzen aus den mit Algen überwucherten Säulenkapitellen. Sehen wir die Spiegelungen von oben oder vielleicht von unten? Befinden wir uns unter Wasser oder am Ufer eines Sees? Vexierbildartig inszeniert Houtin die souverän gezeichnete Komposition, die nur auf den allerersten Blick wie ein Stilleben wirkt.

[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.

* Alle Angaben inkl. 25% Regelaufgeld ohne MwSt. und ohne Gewähr – Irrtum vorbehalten.


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